Paris will Nutzung von Französisch durch ‚freundschaftlichen Nachdruck’ stärken [DE]

Nachdem der Lissabon-Vertrag in Kraft getreten ist und das Einstellungsverfahren für den europäischen diplomatischen Dienst anläuft, ist Frankreich nun auf einer Mission zur Stärkung seiner „frankophonen Forderungen“, so der ehemalige Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin, von Präsident Nicolas Sarkozy eingesetzter Sonderbotschafter für die Frankophonie.

Nachdem der Lissabon-Vertrag in Kraft getreten ist und das Einstellungsverfahren für den europäischen diplomatischen Dienst anläuft, ist Frankreich nun auf einer Mission zur Stärkung seiner „frankophonen Forderungen“, so der ehemalige Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin, von Präsident Nicolas Sarkozy eingesetzter Sonderbotschafter für die Frankophonie.

Bei einem Besuch in Brüssel am letzten Donnerstag (14. Januar) sagte Raffarin, Frankreich werde „freundlich, aber bestimmt“ für ein besseres sprachliches Gleichgewicht in den EU-Institutionen eintreten. 

Die Nachricht war an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und an den Präsidenten des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek gerichtet, mit denen Raffarin während seines eintägigen Besuchs Gespräche führte.

Die Förderung der französischen Sprache habe für Europa geopolitische Auswirkungen, behauptete Raffarin, da die Alternative eine G-2 zwischen den USA und China sei. Die französische Sprache, die seiner Meinung nach Europa und Afrika verbinde, spiele dabei eine strategische Rolle.

Mit der Erweiterung um die mittel- und osteuropäischen Staaten im Jahr 2004 habe die Gefahr einer Marginalisierung der französischen Sprache in den EU-Institutionen einen Höhepunkt erreicht, erklärte Raffarin. Seitdem habe Frankreich viel unternommen, um osteuropäische Beamte und Diplomaten zu motivieren, Französisch zu lernen.

Der ehemalige Ministerpräsident, der infolge der französischen Ablehnung der europäischen Verfassung beim Referendum im Jahr 2005 zurücktrat, sagte, er sei hoch motiviert, und brüstete sich als politisches Schwergewicht – was für den Posten des Sonderbeauftragten für die Frankophonie erstmalig der Fall sei.

Von EURACTIV nach einem Kommentar dazu gefragt, dass mehrere designierte Kommissare einschließlich der Hohen Vertreterin für Außenpolitik Catherine Ashton kein Französisch sprechen, antwortete Raffarin, er erwarte, dass das bereits laufende Sprachprogramm bald Früchte tragen werde.

Zwölf EU-Kommissare der scheidenden Kommission, die bei ihrem Amtsantritt kein Französisch sprachen, sprächen nun „die Sprache von Molière“.

Nachdem mehrere osteuropäische Staaten der EU beigetreten sind, habe die Internationale Organisation für die Frankophonie (OIF) nun 15 der 27 EU-Staaten als Mitglieder, sagte Raffarin. So seien Bulgarien und Rumänien Vollmitglieder geworden und die Tschechische Republik, Slowakei, Lettland, Litauen und Ungarn hätten in der OIF Beobachterstatus.

Paris drängt darauf, dass Französisch neben Englisch und Deutsch eine der drei Arbeitssprachen der EU bleibt. Raffarin sagte auch, er werde darauf bestehen, dass französischsprachige Sprecher für die EU-Institutionen ernannt werden.