Plagiat: Ungarns Präsident verliert Doktortitel
Ungarns Präsident Pál Schmitt wird der Doktortitel aberkannt. Er hat zahlreiche Abschnitte seiner Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben, begründete die Budapester Semmelweis Universität diesen Schritt. Die Opposition fordert Schmitts Rücktritt.
Ungarns Präsident Pál Schmitt wird der Doktortitel aberkannt. Er hat zahlreiche Abschnitte seiner Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben, begründete die Budapester Semmelweis Universität diesen Schritt. Die Opposition fordert Schmitts Rücktritt.
In der ungarischen Plagiatsaffäre hat die Budapester Semmelweis-Universität für Medizinwissenschaften (Sote) dem Staatspräsidenten Pál Schmitt am Donnerstag (29. März) den Doktortitel aberkannt.
Eine Untersuchungskommission der Universität hatte seit Januar geprüft, ob an den Plagiatsvorwürfen etwas dran ist und hat nun festgestellt, dass Schmitts Dissertation "auf übermäßig langen wörtlichen Übersetzungen basiert". Da die Doktorarbeit damit nicht den notwendigen fachlichen und ethischen Standards entspreche, werde der Doktortitel nun aberkannt, ließ der Senat der Universität wissen. Offenbar ähnelten 180 Seiten von Schmitts 215-seitiger Dissertation über die Olympischen Spiele anderen Arbeiten und 17 Seiten waren 1:1 abgeschrieben.
Die ungarische Zeitschrift HGV hatte im Januar als erstes berichtet, dass Schmitts Dissertation aus dem Jahr 1992 in weiten Teilen der Arbeit des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolai Georgiev entspreche.
Aus der Umgebung des Präsidenten hieß es damals zunächst, dass Schmitt die Doktorarbeit gemeinsam mit dem bulgarischen Autor verfasst hat, der inzwischen verstorben ist. Schnell wurde allerdings bekannt, dass Georgiev seine Dissertation einige Jahre zuvor geschrieben hatte.
Während die Medien breit über die Plagiatsaffäre berichten, haben die vier im Parlament vertretenen Oppositionsparteien den Präsidenten inzwischen zum Rücktritt aufgefordert.
Schmitts Karriere in Sport und Politik
Schmitt, 69 Jahre alt, hat die repräsentative Funktion des Staatspräsidenten seit 2010 inne. Zuvor arbeitete er in den 1990er Jahren als Botschafter und war von 2004 bis 2010 Mitglied des Europäischen Parlaments. 2010 wurde Schmitt ins ungarische Nationalparlament gewählt und war dort für kurze Zeit Parlamentspräsident. Am 29. Juni 2010 wurde Schmitt zum Staatspräsidenten gewählt.
Vor seiner politischen Laufbahn war Schmitt ein erfolgreicher Fechter und gewann zwei Olympia-Goldmedaillen. Später übernahm er führende Funktionen im Ungarischen Olympischen Komittee (MOB) und im Internationalen Olympischen Komittee (IOC).
EURACTIV
Links
Semmelweis Universität: University Senate revokes Pál Schmitt’s doctoral (dr. univ.) title (29. März 2012)
In den Medien
EURACTIV.com: Hungarian president loses doctorate in plagiarism case (30. März 2012)
Zum Thema auf EURACTIV.de
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