Plagiatsaffären: Alvaro (FDP) greift "VroniPlag" an

Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis - Plagiatsfahnder setzen mit ihren Analysen im Internet Politiker unter Druck. Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Alvaro schlägt nun zurück. Mit der Internetplattform VroniPlag werde das anonyme Denunziantentum zum gesellschaftlich akzeptierten Sport. Unterdessen steigt die Zahl der verdächtigen Stellen in der Doktorarbeit von Jorgo Chatzimarkakis dramatisch.

Der FDP-Rechtsexperte Alexander Alvaro fordert, „dass VroniPlag sich zu erkennen gibt.“ Foto: EP.
Der FDP-Rechtsexperte Alexander Alvaro fordert, "dass VroniPlag sich zu erkennen gibt." Foto: EP.

Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis – Plagiatsfahnder setzen mit ihren Analysen im Internet Politiker unter Druck. Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Alvaro schlägt nun zurück. Mit der Internetplattform VroniPlag werde das anonyme Denunziantentum zum gesellschaftlich akzeptierten Sport. Unterdessen steigt die Zahl der verdächtigen Stellen in der Doktorarbeit von Jorgo Chatzimarkakis dramatisch.

Der FDP-Politiker Alexander Alvaro fordert Aufklärung über die Internetplattform "VroniPlag", die Plagiate in Doktorarbeiten prominenter Politiker aufdeckt. "Vornehmlich Doktorarbeiten von Politikern der CDU/CSU und FDP sind im Visier der selbsternannten Plagiatsjäger, wobei die Aktivisten sich nicht an den eigenen Ansprüchen transparenter Arbeit messen lassen wollen", erklärte der innenpolitische Sprecher der FDP im EU-Parlament am Dienstag.
 
Nach der FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin ist mittlerweile auch der FDP-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis ins Visier der Internetplattform geraten. Die Zahl der in seiner Doktorarbeit gefundenen Plagiate hat sich inzwischen deutlich erhöht. VroniPlag kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass sich auf etwa 37 Prozent der Seiten Plagiate finden (EURACTIV.de vom 16. Mai 2011). Am Montag waren es noch 22 Prozent.

Alvaro fordert, "dass VroniPlag sich zu erkennen gibt." Mit VroniPlag sei das Denunziantentum aus dem Schutze der Anonymität des Internets heraus anscheinend zum gesellschaftlich akzeptierten Sport geworden, so Alvaro. "Wer andere öffentlich an den Pranger stellt und vorverurteilt, muss dies mit offenem Visier tun", fordert der Liberale.

"VroniPlag muss  mit offenen Karten spielen"

Bei VroniPlag handelt es sich um ein sogenanntes "Wiki", eine Internetplattform, bei der Nutzer anonym Informationen zusammentragen, teilen und veröffentlichen können. Die Zeitung "FAZ" hat sich jüngst mit dem Initiator von "VroniPlag" getroffen, der seinen Namen allerdings nicht preisgibt.

Unzweifelhaft müssten Doktorarbeiten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, heißt es in Alvaros Erklärung weiter. Aber: "Wenn VroniPlag an echter seriöser Aufklärung interessiert ist und nicht nur die öffentliche Vorverurteilung von Menschen zum Ziel hat, muss die Plattform mit offenen Karten spielen." Transparenz gelte nicht nur für Politiker, sondern auch für die, die Politiker anklagen.

Am Montag hatte bereits der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff seinen Fraktionskollegen Chatzimarkis gegen die Plagiatsvorwürfe verteidigt. Es handele sich um eine "Kampagne".

Sowohl Alvaro als auch Lambsdorff bewerben sich derzeit um die Nachfolge Silvana Koch-Mehrins als Chef der FDP-Delegation im Europa-Parlament (EURACTIV.de vom 16. Mai 2011). Es wird mit einer Kampfabstimmung gerechnet, möglicherweise bereits am 23. Mai. Für die FDP sitzen 12 Abgeordnete im EU-Parlament. Ob Alvaro und  Lambsdorff mit ihrem Einsatz für Chatzimarkakis ihre Chancen steigern können, bleibt offen. Lambsdorff hatte sich weiter vorgewagt, indem er erklärte, Chatzimarkakis habe es mit Sicherheit nicht nötig gehabt, Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren.

awr

Links


VroniPlag Wiki:
Internetseite

Presse

FAZ: Jagd auf Plagiatoren. Die Scanner (16. Mai 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

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