Positive Prognose des IW
In der Finanzkrise sei Deutschland besser aufgestellt als andere EU-Länder, findet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Marktbeobachter setzen wieder Vertrauen in das Geschäftsmodell Deutschland. Die deutschen Exportmärkte verlagern sich in den asiatischen und lateinamerikanischen Raum.
In der Finanzkrise sei Deutschland besser aufgestellt als andere
EU-Länder, findet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln).
Marktbeobachter setzen wieder Vertrauen in das Geschäftsmodell
Deutschland. Die deutschen Exportmärkte verlagern sich in den
asiatischen und lateinamerikanischen Raum.
"Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern muss sich Deutschland weniger Sorgen machen", lautet die optimistische Prognose des Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther, am Montag in Berlin. Kritikern, die behaupten, es sei an der Zeit, den deutschen Sonderweg der starken Export- und Industrieorientierung zu verlassen, setzt Hüther stetig steigende Exportquoten entgegen. Seit 1991 ist die Exportquote von 26 auf gut 47 Prozent angestiegen. Damit expandierten die Exporte sehr viel schneller als das Bruttoinlandsprodukt.
Dynamischer Osten
Die globalen Megatrends – u.a. Wohlstandsorientierung, Urbanisierung und Klimawandel – böten eine einzigartige Chance für den Export- und Industriemeister Deutschland, so Hüther. Deutschland könne den steigenden Bedarf an Investitions-, Gebrauchs- und Verbrauchsgütern decken. In der Entwicklung und Produktion von Anlagen für alternative Energiequellen sind deutsche Unternehmen an der Weltspitze. In Zukunft werde sich auszahlen, dass nahezu 90 Prozent der deutschen Exporte auf die Industrie entfallen, so heißt es im Gutachten des IW Köln.
Europäischer Markt schrumpft
Die Bedeutung der klassischen Exportmärkte Europa und USA werde in Zukunft abnehmen, sagte Hüther gegenüber Euractiv.de. Aktuell fließt noch rund die Hälfte der Exporte nach Europa. Neue Exportmärkte werden sich unter anderem im asiatischen Bereich, Teilen Südamerikas und auch in Mittel- und Osteuropa erschließen. Besonders im ostasiatischen Raum könne man derzeit eine hohe Dynamik beobachten. Auf lange Sicht werde auch Südafrika stärker in den Weltmarkt eingebunden, auch da werde Deutschland teilhaben, prognostiziert der IW-Chef.
Konkurrenz aus dem Westen
In Großbritannien und den USA setzt man derzeit auf Reindustrialisierung. Marktbeobachter befürchten, dass durch derartige Entwicklungen die Form der Arbeitsteilung aus dem Gleichgewicht gerät. Der Direktor des IW hält die Maßnahmen der angelsächsischen Länder für unbedenklich. "Strukturwandel lässt sich nicht per Beschluss vollziehen", lautet sein Urteil. In Frankreich sei eine ähnliche sektorale Förderung im IT- Bereich schon einmal gescheitert. Die Exportorientierung Deutschlands hingegen folge einer langjährigen Tradition.
Auch die weitverbreitete Annahme, Deutschland produziere zu teuer und sei deswegen unattraktiv für Investoren, teilt Hüther nicht. Viel mehr ziehe Deutschland Investoren mit einer hochentwickelten Infrastruktur und einem breiten Netzwerk von Unternehmen an. Als industrieller Standort sei Deutschland deshalb keineswegs in Gefahr.
Luisa Jacobs