Risiken bei EU-Plänen für Energieterminals im Westbalkan
Die von der EU unterstützten Pläne für Gaskraftwerke, Pipelines und Flüssigerdgas-Terminals in den westlichen Balkanstaaten könnte die Region vor enorme energiepolitische Probleme stellen. Zudem könnten sie sich negativ auf die Energiewende auswirken.
Die von der EU unterstützten Pläne für Gaskraftwerke, Pipelines und Flüssigerdgas-Terminals in den westlichen Balkanstaaten könnte die Region vor enorme energiepolitische Probleme stellen. Zudem könnten sie sich negativ auf die Energiewende auswirken, so eine Untersuchung von Global Energy Monitor und Bankwatch.
Im Jahr 2021 verbrauchten die sechs Länder des Westbalkans – Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien – lediglich 3,7 Milliarden Kubikmeter (bcm) Gas beziehungsweise 4 Prozent dessen, was Deutschland im selben Jahr verbrauchte.
Vorschläge zum Ausbau des Gasnetzes in der Region, die von der EU und den USA unterstützt werden, würden die Region jedoch unbeständigen Preisschwankungen und Gasknappheit aussetzen, die einen Großteil Europas seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 geplagt haben.
Pippa Gallop, Energieberaterin für Südosteuropa bei Bankwatch, sagte: „Die jetzt gebaute fossile Gasinfrastruktur wird eine Belastung für den Westbalkan sein. Entweder wird sie die Abhängigkeit von Importen und die Bindung an fossile Brennstoffe verstärken, oder sie wird als „stranded assets“ enden. Wenn die EU und ihre Banken etwas aus den jüngsten Versorgungsproblemen gelernt haben, müssen sie aufhören, in der Region mit fossilem Gas hausieren zu gehen.“
Zuletzt gab es erneute Warnungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), wonach keine neue Infrastruktur für fossile Brennstoffe gebaut werden sollte, wenn man die Erwärmung des Planeten auf 1,5 Grad Celsius begrenzen will.
Robert Rozansky, Research Analyst bei Global Energy Monitor, sagte: „Angesichts der globalen Energiekrise überdenken Länder auf der ganzen Welt ihre Pläne, diesen unbeständigen, schmutzigen Brennstoff zu importieren. Wenn die westlichen Balkanländer neue Gasinfrastrukturen vorantreiben, wird dies den Übergang zu sauberer, heimischer und erschwinglicher Energie nur noch schwieriger machen.“
In der Region werden derzeit eine Reihe großer Gasprojekte durchgeführt, darunter die ersten beiden geplanten LNG-Terminals in Montenegro und Albanien. Beide Organisationen erklärten: „Dies würde die Abhängigkeit von einem engen, volatilen LNG-Markt mit einer Wiederverdampfungskapazität von über 0,5 Milliarden Kubikmetern erhöhen.“
Darüber hinaus sollen 2.715 Kilometer neuer Gaspipelines Gas aus Griechenland, Kroatien und anderen Nachbarländern in den westlichen Balkan leiten.
Die Region ist für ihr großes Potenzial an Solar- und Windenergie bekannt, das durch die Gasinfrastrukturpläne untergraben würde. Dies könnte auch neue Hürden für die EU-Integration und den EU-Beitritt mit sich bringen, da es den Bestimmungen des Energiegemeinschaftsvertrags und den Bemühungen der EU um grüne Energie zuwiderläuft.
Derzeit bezieht der Westbalkan einen Großteil seiner Energie aus Wasserkraft und Kohle, wobei letztere schrittweise abgeschafft werden soll. Albanien, der Kosovo und Nordmazedonien nutzen kaum Gas und haben derzeit keine Importinfrastruktur.
„Da die Länder des westlichen Balkans mit Stromknappheit, Netto-Null-Ambitionen und dem Wunsch nach einem EU-Beitritt zu kämpfen haben, wäre der Bau neuer Gaskraftwerke und Gasnetze ein Rückschritt“, heißt