Sarkozy plant Krisentelefonat mit Merkel

Die Talfahrt der Weltbörsen hat sich am Freitag in Asien fortgesetzt. Händler verwiesen auf die Sorgen um die Weltwirtschaft und die europäische Schuldenkrise. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat ein Krisen-Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Lage an den Finanzmärkten angekündigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Freitag mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy über die angespannte Lage in der Euro-Zone sprechen. Foto: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Freitag mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy über die angespannte Lage in der Euro-Zone sprechen. Foto: dpa

Die Talfahrt der Weltbörsen hat sich am Freitag in Asien fortgesetzt. Händler verwiesen auf die Sorgen um die Weltwirtschaft und die europäische Schuldenkrise. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat ein Krisen-Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Lage an den Finanzmärkten angekündigt.

Auch der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero werde an der Telefonkonferenz teilnehmen, teilte Nicolas Sarkozys Büro am Donnerstagabend mit. Der Präsident hatte zuvor mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet gesprochen. Ein deutscher Regierungssprecher bestätigte die Ankündigung Sarkozys, von einer Teilnahme Zapateros war bei ihm jedoch nicht die Rede.

Angesichts der unvermindert grassierenden Schuldenkrise hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso diese Woche in einem Initiates file downloadBrief an die Staats- und Regierungschefs der Eurozone gefordert, alle Elemente des Euro-Rettungsschirms auf den Prüfstand zu stellen (EURACTIV.de vom 4. August 2011).

Die Aktienmärkte in Europa und den USA waren am Donnerstag schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Als Ursache galten die anhaltende Schuldenkrise in Europa und Sorgen über die US-Wirtschaft. "Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist", sagte ein Börsianer. Daran änderten auch Rettungsschirme und Anleihekäufe nichts. "Denn damit ist die Krise noch lange nicht überwunden."

Börsen-Talfahrt setzt sich in Asien fort

In Tokio fiel der Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte im Vormittagshandel um 3,4 Prozent auf 9334 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab 3,2 Prozent auf 800 Zähler nach. Auch an den anderen asiatischen Börsen ging es bergab. Der chinesische Leitindex in Shanghai notierte 1,8 Prozent schwächer. Die Börsen in Hongkong, Taiwan und Australien verloren rund vier Prozent. Der südkoreanische Markt in Seoul lag knapp drei Prozent tiefer.Der Dax beendete den Handel bei 6414,76 Punkten und verbuchte damit seinen siebten Tagesverlust in Folge. Dies ist die längste Negativ-Serie seit zweieinhalb Jahren. Das Minus der vergangenen Tage summiert sich auf etwa 13 Prozent. Dadurch schrumpfte der Börsenwert aller 30 im deutschen Leitindex gelisteten Unternehmen um knapp 100 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Neuseelands.

Die Leitindizes der beiden Krisen-Staaten Italien und Spanien brachen um jeweils rund 3,5 Prozent ein. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf Verkauf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte 2,3 Prozent schwächer. Für Jean-Yves Dumont, Investment-Experte bei Dexia Asset Management, ist die Talsohle noch lange nicht erreicht. "Die Leute verabschieden sich in großem Stil aus Aktien. Punkt. Und es wird eine Weile dauern, bis sie zurückkehren."

Verschuldungsgrad europäischer Länder
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Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank

Für trübe Stimmung am Aktienmarkt sorgte die schwindende Hoffnung auf ein baldiges Ende der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Das ist Gift für den Markt", betonte ein Aktienhändler. "Denn das letzte, was sich die Euro-Zone in der aktuellen Wirtschaftslage leisten kann, sind Zinserhöhungen. Auf der anderen Seite ist es die einzige Möglichkeit, die Inflation in den Griff zu bekommen."

Trichet hatte in einer Pressekonferenz zwar auf die Verlangsamung des Wachstums hingewiesen, gleichzeitig aber vor Inflationsrisiken gewarnt. Volkswirt Thomas Amend von HSBC Trinkaus wertete dies als Hinweis darauf, dass die Notenbank mehr Zeit zwischen Zinserhöhungen verstreichen lassen, auf diese aber nicht ganz verzichten wird.

Die Ankündigung der EZB, ihr Anleiheankaufprogramm fortzusetzen, brachte nur kurzzeitig Entspannung. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen bewegten sich am Abend bei etwa 6,2 Prozent. Der Risikoaufschlag (Spread) zu den entsprechenden deutschen Titeln, der sich zeitweise auf 357 Basispunkte verengt hatte, lag bei knapp 400 Basispunkten.

EURACTIV/rtr/dto

Ein englischssprachiger Beitrag zum Thema erschien auf EURACTIV.com.

Leserreaktionen

Halbe Sachen – da hilft das Telefon nicht weiter

Klaus D. Lubjuhn, Aachen: Ohne dass die nationalen Parlamente über die ESM-Beschlüsse des Rates abgestimmt haben, wird der Griff in den Topf nicht freigegeben. Das hätten die Chefs der Euro-Staaten, auch Kanzlerin Merkel,  beim Abschied (aus Brüssel) in die Ferien eigentlich wissen können. Die sogenannten Märkte wissen so etwas sehr wohl. Jetzt brennt’s wieder und Frankreichs [Präsident] Sarkozy ahnt, dass wieder gelöscht werden muss, aber  das will er nicht allein, sondern mit der Kanzlerin Hilfe.

Die ESM-Beschlüsse sollen präventiv auf die Verschuldung einzelner Mitgliedsstaaten reagieren. Der  Stabilitätsmechanismus beinhaltet aber auch, dass die einzelstaatliche Souveränität in Fragen der Wirtschaft-und Finanzpolitik eingeschränkt wird. Wer zum großen ESM-Topf Zugang haben möchte, muss auch Einblick in seine eigenen Töpfe gewähren. Das aber müssen die nationalstaatlichen Parlamente wollen und verabschieden. Nach den Ferien könnte aber schon durch die Aussicht auf Spekulationsgewinne bzw. aus Furcht, Geld zu verlieren, ein weiterer Flächenbrand (Italien, Spanien, Belgien…) entstanden sein, der nicht mal eben mit ein paar Milliarden gelöscht werden kann. Die Parlamente sind jetzt gefordert, nicht erst im September. Bitte keine halben Sachen!

Links

Dokumente

Barroso: Brief an die Staats- und Regierungschefs der Eurozone (3. August 2011)

EU-Kommission: Statement by President Barroso on the euro area sovereign bond markets (3. August 2011)

Mehr zu Thema auf EURACTIV.de:

Barroso fordert Überprüfung des Euro-Rettungsfonds (4. August 2011)

Frankreich fordert Euro-Ratspräsidenten (2. August 2011)

Schäuble für direkt gewählten EU-Präsidenten (1. August 2011)

Rating-Agentur Moody’s prüft Herabstufung Spaniens (29. Juli 2011)

Dr. Doom: Euro-Krise ist nicht vorbei (28. Juli 2011)

DIW-Experten zum Euro-Gipfel: "Konkrete Maßnahmen eher enttäuschend" (24. Juli 2011)

Frank Schäffler (FDP): "Gipfel hat den Euro-Brand nicht gelöscht" (22. Juli 2011)

Griechenland-Rettung mit Staatspleite, EWF und Euro-Bonds (22. Juli 2011

Dokumente zum Euro-Gipfel / zur Griechenland-Hilfe

Rat: A common response to the crisis situation. Pressemitteulung zum Euro-Gipfel (21. Juli 2011)

Rat: Erklärung der Staats- und Regierungschefs des Euro-Währungsgebiets und der EU-Organe (22. Juli 2011)

Rat: Remarks by President Van Rompuy at the press conference following the Eurozone Summit (21. Juli 2011)

Kommission:
Statement by President Barroso following the meeting of the Heads of State or Government of the Euro area (21. Juli 2011)

IIF: Greece Financing Offer: Statement by the IIF Board of Directors. Pressemitteilung (21. Juli 2011)

IIF: IIF Financing Offer (21. Juli 2011)

Bundesregierung: Mitschrift Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel zum Euro-Gipfel (22. Juli 2011)

EZB: Building Europe, building institutions
Speech by Jean-Claude Trichet, President of the ECB on receiving the Karlspreis 2011 in Aachen
(2. Juni 2011)

EZB: Target 2

EFSF: Internetseite

EFSF: Newsletter July 2011

Deutsche Bank: Zwischenbericht zum 30. Juni 2011 (26. Juli 2011)

EURACTIV.de-Interviews zur europäischen Schuldenkrise

Lucke: "Der Rettungsschirm kann destabilisierend wirken (4. August 2011)

Fuest zu Europas Schuldenkrise: "Die Lage ist kritisch" (4. Juni 2011)

Europas Schuldenkrise: "Banken nötigen die Politik" (13. Mai 2011)

Holznagel zur Eurokrise: "Merkel hat Weg zur Haftungsgemeinschaft geebnet" (20. April 2011)

Neumann: "Umschuldung Griechenlands unabdingbar". Interview mit Manfred Neumann (19. April 2011)

"Herr Katainen wird die Euro-Rettung nicht gefährden". Interview mit Risto Tähtinen (18. April 2011)

Europäische Schuldenkrise: "Der Kern des Problems liegt im Bankensektor". Interview mit Kai Konrad (7. April 2011)

"Irland-Hilfe nicht vertretbar".Interview mit Wolfgang Gerke (31. März 2011)

"Der ESM ist nicht alternativlos". Interview mit Andreas Haufler (23. März 2011)

Dauerhafter Rettungsmechanismus (ESM): "Drohender Teufelskreis". Interview mit Ansgar Belke (7. März 2011)

"Transferunion zugunsten Deutschlands". Interview mit Jorgo Chatzimarkakis (FDP) (5. Februar 2011)

"Kriselnde Euroländer nicht vor die Tür setzen". Interview mit Volker Treier (DIHK) (13. Dezember 2010)