Schweden löst Frankreich als Europas größter Netto-Stromexporteur ab
Schweden hat Frankreich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 als Europas größter Netto-Stromexporteur abgelöst, nachdem tiefgreifende Probleme die Leistungskapazität der französischen Atomkraftwerke auf einen historischen Tiefstand sinken ließen, so die Analyst:innen von EnAppSys am Mittwoch (10. August).
Schweden hat Frankreich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 als Europas größter Netto-Stromexporteur abgelöst, nachdem tiefgreifende Probleme die Leistungskapazität der französischen Atomkraftwerke auf einen historischen Tiefstand sinken ließen, so die Analyst:innen von EnAppSys am Mittwoch (10. August).
In der Regel exportiert Frankreich mehr Strom als es importiert, aber strukturelle Probleme mit seiner Atomkraftwerksflotte, die keine Anzeichen für eine Besserung zeigen, führten dazu, dass sich die Exporte des Landes im Vergleich zum Vorjahr halbierten. Schweden hingegen exportierte 16 Terawattstunden (TWh), so das Unternehmen.
Der größte Teil der schwedischen Stromversorgung stammt aus Kernkraft, Wasserkraft und Biokraftstoffen, wobei die Windenergie in dem Land zunimmt, während die Stromerzeugung durch Ölkraftwerke zurückgeht, wie die Daten der Internationalen Energieagentur zeigen.
„Der Aufstieg Schwedens an die Spitze der Exportrangliste hat eher damit zu tun, dass Frankreich zu Beginn des Jahres von einem Nettoexporteur zu einem Nettoimporteur wurde“, so EnAppSys.
Frankreich wurde vom Nettoexporteur mit einem Überschuss von 21,5 TWh im ersten Halbjahr 2021 zum Nettoimporteur mit einem Defizit von 2,5 TWh im ersten Halbjahr 2022, da sich die Importe auf 18,9 TWh verdoppelten und die Exporte auf 16,4 TWh sanken.
Schweden exportierte in der ersten Jahreshälfte 7 TWh nach Finnland und 4 TWh nach Dänemark, was den Großteil seiner Exportströme ausmachte, so die Analyst:innen weiter.
Deutschland war mit 15,4 TWh der zweitgrößte Nettoexporteur und damit doppelt so hoch wie in der ersten Jahreshälfte 2021, da die Stromerzeugung im Land auf die Importnachfrage aus Frankreich reagierte, wie die Daten zeigten.
Abgesehen von den Problemen mit der Atomkraft verstärkten die hohen Gaspreise den Status Frankreichs als Nettoimporteur, da die wirtschaftlichen Bedingungen für den Export von Gas nicht günstig waren, was wiederum die europäischen Gaspreise weiter ansteigen ließ, so EnAppSys.
Wenn Frankreich nicht in der Lage ist, seine Atomstromproduktion zu erhöhen, wird es Deutschland während der Wintermonate, in denen die Nachfrage am höchsten ist, wahrscheinlich nicht aushelfen können, da es sich auf mögliche Rationierungen im Falle einer weiteren Drosselung russischer Lieferungen vorbereitet.
Die Leistung der französischen Atomkraftwerke lag am Mittwoch bei der Hälfte der insgesamt verfügbaren Kapazität.
Um die Versorgung anzukurbeln, verlängerte die französische Atomaufsichtsbehörde am Montag die befristeten Ausnahmeregelungen, die es fünf Kraftwerken erlauben, heißes Wasser aus der Stromerzeugung in die Flüsse einzuleiten. Frankreich hat mit der vierten Hitzewelle in diesem Sommer und einer Energiekrise zu kämpfen.