Sepa: Ein Meilenstein mit 22 Ziffern

Ab dem heutigen 1. August ist der neue Zahlungsverkehr Sepa für Firmen und Vereine in 28 Ländern Pflicht. Einigen Unternehmen drohen nun Probleme. Denn wer die Umstellung nicht geschafft hat, muss sich auf Zahlungsverzug und Zusatzkosten einstellen.

Euractiv.de
Ab dem 1. August für alle Unternehmen und Vereine Pflicht: Das neue Zahlungssystem Sepa. Foto: dpa
Ab dem 1. August für alle Unternehmen und Vereine Pflicht: Das neue Zahlungssystem Sepa. Foto: dpa

Ab dem heutigen 1. August ist der neue Zahlungsverkehr Sepa für Firmen und Vereine in 28 Ländern Pflicht. Einigen Unternehmen drohen nun Probleme. Denn wer die Umstellung nicht geschafft hat, muss sich auf Zahlungsverzug und Zusatzkosten einstellen.

Als „Meilenstein“ begrüßte EU-Vizekommissar Michel Barnier den ab heute geltenden einheitlichen Zahlungsverkehr in Europa Sepa (Single Euro Payments Area). Die lange Kontonummer Iban ist nun für Firmen und Vereine Pflicht – in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten plus Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und der Schweiz.

Tatsächlich werden die 22 Zeichen einiges ändern.

Für rund 500 Millionen Menschen gilt nun das einheitliche Verfahren für finanzielle Transaktionen. Vor Jahren stellten Berechnungen der EU fest, dass Banken, Firmen und Privatleute in Europa durch das einheitliche Zahlungssystem innerhalb von sechs Jahren 123 Milliarden Euro sparen könnten. Barnier versprach: Die gesamte Zahlungskette – Verbraucher, Banken und Unternehmen – werde von SEPA und den billigeren und schnelleren Zahlungen profitieren.

Tatsächlich begrüßen bislang besonders Wirtschaftsvertreter, Zentralbanken und Regierungen die Umstellung auf das neue Zahlungssystem. Unter den Unternehmen versprechen sich vor allem jene mit vielen Kunden spürbare Kosteneinsparungen bei ihrem Zahlungsverkehr. Auch dass bei Überweisungen ins Ausland der Betrag innerhalb eines Tages auf dem Konto sein muss, spart Geld.

Deutschland hat weitgehend umgestellt

Eigentlich sollte Sepa schon ab dem 1. Februar dieses Jahres in Kraft treten. Im Januar aber entschied Barnier, die Frist um sechs Monate zu verlängern. Mögliche Risiken von Zahlungsunterbrechungen sollten dadurch für Verbraucher und Unternehmen begrenzt werden.

Zumindest in Deutschland ist die Umstellung auf Sepa inzwischen weitgehend abgeschlossen. Im Juni seien 92,7 Prozent aller Überweisungen SEPA-Überweisungen gewesen, sagt Tanja Beller vom Bankenverband. Bei Lastschriften habe der Sepa-Anteil bei 84,0 Prozent gelegen. „Im Juli dürften viele Unternehmen und Vereine nochmal einen Endspurt hingelegt haben“, beruhigt Beller.

Dimension wie bei Euro-Einführung

Dennoch haben einige Unternehmen die Umstellung vermutlich nicht rechtzeitig geschafft. In einer Umfrage gaben das zuletzt zwei Prozent der Firmen an.

„Die Dimension der Sepa-Umstellung ist mit der Euro-Einführung vergleichbar“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) und des europäischen Mittelstandsdachverbandes CEA-PME, gegenüber EURACTIV.de. Den Aufwand hätten nicht nur viele Mittelständler unterschätzt.

Ihnen drohen nun Probleme. Die Bundesbank mahnte bereits, es drohten dann „Liquiditätsengpässe und Zahlungsverzug“. Zwar können die Geldhäuser technisch Überweisungen aus dem alten System in Sepa zu übersetzen. Ab dem 1. August können sie dafür aber Gebühren einfordern. Bei einer Lastschrift kann das Kreditinstitut im schlimmsten Fall den Einzug verweigern. Dann fließt kein Geld.

„Firmen, die nicht auf SEPA umstellen, würden Komplikationen riskieren“, warnt auch Beate Hofmann von der Deutsche Bank AG gegenüber EURACTIV.de. Das könnten technische Pannen im Zahlungsverkehr oder Liquiditätsengpässe sein, eventuell auch die Verzögerung von Gehaltszahlungen oder von Zahlungen an Lieferanten. Auch unter den Firmenkunden der Deutschen Bank haben sich Hofmann zufolge aber bereits 95 Prozent auf Sepa umgestellt.

Skepsis der Mittelständler hat nachgelassen

Anfangs seien vor allem kleinere Betriebe gegenüber Sepa skeptisch gewesen, sagt Mittelstandsvertreter Ohoven. „Unter anderem hat die anfangs streckenweise unklare Rechtslage dazu beigetragen, dass das System von vielen Unternehmen als Belastung begriffen wurde.“

Mittlerweile aber sehen Ohoven zufolge die meisten mittelständischen Unternehmen Sepa eindeutig als Vorteil. „Sepa macht Zahlungen, gerade im europäischen Ausland, in Zukunft einfacher, schneller, kostengünstiger und sicherer“, sagt der Wirtschaftsvertreter. Das verbessere die Liquidität der Unternehmen und helfe ihnen, ihre Finanzmittelverwaltung zu optimieren.

Privatleute, die sich noch nicht auf Sepa einstellen wollten oder konnten, haben dafür noch etwas Zeit: Sie müssen erst ab Februar 2016 Iban und Bic angeben. Auch sie können von Sepa aber profitieren. Wer, wie etwa Studenten im Auslandssemester, länger in einem anderen europäischen Land lebt, braucht nun kein Konto mehr bei einer Bank vor Ort zu eröffnen. Ob diese Argumente die Mehrzahl der Verbraucher überzeugt, wird sich spätestens in zwei Jahren zeigen.