Slowenien sieht großes Potenzial bei selbstfahrenden Autos
Die Einführung autonomer Fahrzeuge habe das Potenzial, den Verkehr um 90% und die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Allerdings gebe es noch technologische Hürden, so Sloweniens Minister für digitale Transformation.
Die Einführung autonomer Fahrzeuge habe das Potenzial, den Verkehr um 90% und die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Allerdings gebe es noch technologische Hürden, so Sloweniens Minister für digitale Transformation.
Ein breiter gesellschaftlicher Wandel hin zu elektrischer, autonomer und gemeinsam genutzter Mobilität werde Europa verändern. Eine derartige Transformation könne die Kosten für Haushalte senken und die Sicherheit erhöhen, so Mark Boris Andrijanic, der vor seiner politischen Kariere als Berater des amerikanischen Autovermittlungs-Unternehmens Uber tätig war.
„Autonome Fahrzeuge werden erschwingliche Mobilität für alle bieten, wertvolle Zeit sparen, unsere Straßen entlasten und hoffentlich Leben retten“, sagte er auf einer von EURACTIV organisierten Konferenz zu selbstfahrenden Fahrzeugen.
Andrijanic beklagte das langsame Tempo der technologischen Entwicklung in Europa, das seiner Meinung nach hinter den Vereinigten Staaten zurückbleibe.
„Wenn man sich die Top 10 der Unternehmen im Bereich der autonomen Mobilität ansieht, findet man nur ein einziges europäisches Unternehmen – das ist inakzeptabel“, fügte er hinzu.
Der slowenische Minister forderte die politischen Entscheidungsträger der EU und der Mitgliedstaaten auf, den Ansatz der USA zu übernehmen und Unternehmen, die an autonomen Technologien arbeiten, Subventionen und Steueranreize zu gewähren.
„Wir müssen sicherstellen, dass die europäischen Unternehmen innovativ genug sind, um aufzuholen“, sagte er.
Im Rahmen von Horizon Europe, dem EU-Förderprogramm für Forschung und Entwicklung, sind rund 500 Millionen Euro für die Forschung an autonomen Fahrzeugen vorgesehen.
Sicherheitsfragen
Trotz Fortschritte bei der Automatisierung gibt es in bestimmten Szenarien noch immer schwerwiegende Sicherheitsprobleme. Daher scheint ein tatsächlicher Einsatz in den kommenden Jahren unwahrscheinlich.
Komplexe Verkehrssituationen und unvorhergesehene Ereignisse im Straßenverkehr stellen die Entwickler vor Herausforderungen. Beispielsweise können autonome Fahrzeuge bislang nicht angemessen auf Situationen reagieren, in denen ein Kind auf die Straße läuft.
In den Vereinigten Staaten haben Tests mit selbstfahrenden Fahrzeugen zu Todesfällen geführt. Uber stoppte den Verkauf seiner autonomen Fahrzeuge selbst nach dem Tod eines Fußgängers nicht.
Laut Dr. Maciej Wielgosz, Forscher an der Universitat Autònoma de Barcelona, benötigen autonome Fahrzeuge vielfältigere Simulations- und Trainingsumgebungen, um sich mit unberechenbarem, menschlichen Verhalten vertraut zu machen.
„Wir alle waren Kinder, also wissen wir, wie sich Kinder verhalten. Beim Fahren erstellen wir also ein Modell für das Verhalten von Kindern… Aber Fahrzeuge verfügen nicht über solche bereichsübergreifenden Informationen“, erklärt Dr. Wielgosz.
Dieser Bedarf an vielfältigeren Daten bestätigte auch Geert van der Linden, politischer Referent für intelligenten Verkehr in der Europäischen Kommission.
„Automatisierte Fahrzeuge haben vielleicht viel mehr Augen und Kameras als wir, und sie sehen vielleicht besser, aber sie verstehen nicht so gut, was sie sehen“, sagte er.
Vorerst sei es notwendig, Beschränkungen einzuführen, so van der Linden. Beispielsweise solle die Geschwindigkeit begrenzt und sichergestellt werden, dass der Mensch in komplexen Situationen die Kontrolle übernehmen kann.
Auf die Frage, ob eine separate Infrastruktur autonome Fahrzeuge praktikabler machen würde, wies van der Linden derartige Vorschläge zurück.
„Wenn wir ein paralleles Straßennetz schaffen müssen, um autonomes Fahren einsetzen zu können, dann wird es daran scheitern, dass wir weder die Zeit noch den Platz noch die Ressourcen haben, um ein solches paralleles Straßennetz zu bauen“, sagte er.
„Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sein werden, automatisierte Fahrzeuge vom herkömmlichen Verkehr zu trennen, jedenfalls nicht vollständig.“
Ein integriertes System
Eine der wichtigsten Umstellungen besteht darin, die Autos nicht mehr als Einzelfahrzeuge zu betrachten, sondern sie als Teil eines Systems zu sehen, so van der Linden. Das bedeutet, dass die Autos in der Lage sein müssen, Informationen aus ihrer Umgebung aufzunehmen, aber auch mit anderen Fahrzeugen in ihrer Nähe zu kommunizieren.
Um dies zu ermöglichen, muss die Straßeninfrastruktur, wie Ampeln und Straßenschilder, digitalisiert werden. Dadurch werden Autos mit viel größeren Datensätzen versorgt, was für das Erreichen der vollen Autonomie entscheidend ist, erklärte Johannes Springer, Generaldirektor der 5G Automotive Association.
„Beim Treffen von Entscheidungen geht es um Situationsbewusstsein. Deshalb müssen wir das Fahrzeug mit so vielen Informationen wie möglich versorgen“, sagte er.
Arbeitsplatzverluste
Wahrscheinlich wird die Automatisierung des Fahrens ein schrittweiser Prozess sein wird. Dass sich vollständig fahrerlose Fahrzeuge von einem Tag auf den anderen die Straße mit vollständig manuell gesteuerten Autos teilen werden, scheint dagegen eher unrealistische. Springer erklärt, dass autonomes Fahren zu Beginn eher eine Seltenheit sein, sich aber im Laufe der Zeit ausweiten wird.
„Das völlig autonome Fahrzeug, das uns überall hinfährt, an jeden beliebigen Ort – das wäre wirklich etwas zu ehrgeizig“, stellt er klar.
„Aber automatisiertes Fahren in begrenzten Bereichen, z. B. beim Parken am Flughafen scheint mir realistischer. Auch im öffentlichen Verkehr ist es denkbar, um den Busfahrer aus der Kostenrechnung der Verkehrsbetriebe herauszunehmen. Ich glaube wirklich, dass diese Szenarien in einem absehbaren Zeitrahmen Realität werden.“
Laut Springer könnte diese Art der Automatisierung innerhalb von zwei bis fünf Jahren möglich sein.
Die Auswirkungen der Automatisierung auf Taxifahrer und Chauffeure spricht Andrijanic aus Slowenien an. Er meint, dass die Ängste „unangebracht“ sein.
„Dieser Übergang wird schrittweise erfolgen, was bedeutet, dass selbst die Menschen, die für ihren Lebensunterhalt Auto fahren, viel Zeit haben werden, um sich anzupassen, umzuschulen und andere Arbeitsplätze zu finden.“
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]