Sommerurlaub ade!
Nur noch jeder dritte Europäer ist im vergangenen Jahr in den Urlaub gefahren, verrät eine Studie des BAT-Freizeit-Forschungsinstituts. Produkte für den heimischen Bedarf gewinnen dagegen an Beliebtheit. Am meisten sparen Polen, Russen und Italiener, am wenigsten die Schweizer und Briten.
Nur noch jeder dritte Europäer ist im vergangenen Jahr in den Urlaub gefahren, verrät eine Studie des BAT-Freizeit-Forschungsinstituts. Produkte für den heimischen Bedarf gewinnen dagegen an Beliebtheit. Am meisten sparen Polen, Russen und Italiener, am wenigsten die Schweizer und Briten.
Nun trifft es auch die bisher verwöhnte Tourismusindustrie. Die meisten Europäer bleiben in der Krise lieber zu Hause. Nur jeder Dritte hat sich im letzten Jahr noch einen Urlaub oder eine Kurzreise gegönnt. Das ergibt eine
Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen. Im Auftrag von British American Tobacco hat die Stiftung 14.000 Menschen aus zehn europäischen Ländern zu ihrem Konsumverhalten befragt. "Viele Menschen wissen nicht, wie sich die ökonomische Situation entwickeln wird, deshalb verbringen sie die schönsten Tage im Jahr lieber zu Hause", erklärt Ulrich Reinhardt, Tourismus- und Europaexperte der Stiftung.
Handys als Bestseller
Beim Essengehen und beim Kauf von Handys sparen die Europäer am wenigsten. Über die Hälfte gibt an, sich in den vergangenen zwölf Monaten ein Handy gekauft zu haben. Ebenso viele der Befragten waren mindestens einmal außer Haus essen. Weniger freigiebig sind die Europäer, wenn es um Kultur geht. Nur 20 Prozent der Befragten waren im letzten Jahr in einer Theatervorstellung. Jeder siebte war in einem Konzert. Museen und Freizeitparks wurden ebenso selten aufgesucht.
Für das häusliche Vergnügen greifen die Europäer gerne öfter ins Portemonnaie. Knapp 50 Prozent versorgten sich vergangenes Jahr mit Büchern, Musik und Filmen. In Zeiten, in denen die größte Bedrohung der Musikindustrie Raubkopien sind, überraschen diese Zahlen. Während nur 14 Prozent der Befragten auf ein Konzert gingen, investierten immerhin 43 Prozent in die heimische CD-Sammlung. "In Krisenzeiten geben die Leute lieber Geld für Dinge aus, die weniger Kosten", so Reinhardt.
Das Marktforschungsinstitut Gfk bestätigt diesen Eindruck in einer Studie zu „europaweit anhaltendem Umsatzrückgang“. Elektrokleingeräte wie Espressomaschinen, Mixstäbe und andere Küchengeräte weisen der Gfk-Studie zufolge solide Wachstumsraten auf. Insgesamt hat der Bereich der technischen Gebrauchsgüter jedoch Umsatzeinbußen von bis zu 13,7 Prozent zu beklagen.
Sparsamer Osten
Umfrageergebnisse der BAT-Studie zeigen, dass die rigidesten Sparer unter den Europäern die Polen, Russen und Italiener sind. Die Mehrheit der Bewohner hat in den letzten zwölf Monaten weder in Urlaub, Kultur noch in sonstige Freizeitvergnügen investiert.
Einen lockeren Umgang mit Geld pflegen dagegen die Briten und Schweizer. In 17 der 20 getesteten Bereich geben die Briten weit mehr aus, als der europäische Durchschnitt. Für Bücher, Computer und Theaterbesuche lassen die Briten knapp 20 Prozent mehr im Laden. Die Deutschen sind der Studie zufolge vergleichsweise genügsam: am meisten Geld lassen sie – ähnlich wie auch der europäisch Durchschnitt – in Restaurants, bei Zeitschriftenhändlern und Handyanbietern.
Geteiltes Europa
Der Europaexperte Reinhardt fürchtet, dass das sich wandelnde Konsumverhalten zu einer Teilung der Gesellschaft führe. Einige Länder werden gestärkt aus der Krise hervorgehen, andere werde noch lange unter den Nachwirkungen der Krise leiden. Der Lebensstandard der Europäer werde sich nur langsam wieder angleichen, lautet die Prognose in der Studie.
Innerhalb einer Gesellschaft wird die Schere zwischen arm und reich weiter aufgehen. Die Mittelschicht werde sich allmählich auflösen, so die Warnung der Stiftung für Zukunftsfragen. Das Bürgertum lebe in Gefahr, in Armut abzurutschen. "Die Art zu denken muss sich ändern", fordert Reinhardt, "in Politik und Wirtschaft, aber auch in den Köpfen der Menschen".
Luisa Jacobs