Spanische Mandelbauern fordern lokale Zutaten für Turrón-Produktion
Spanische Mandelbauern kritisieren die millionenschweren Turrón-Hersteller für den Import von Nüssen aus Kalifornien. Stattdessen fordern sie, dass die Unternehmen lokale Produkte für die Herstellung der ikonischen Wintersüßigkeit verwenden.
Spanische Mandelbauern kritisieren die millionenschweren Turrón-Hersteller für den Import von Nüssen aus Kalifornien. Stattdessen fordern sie, dass die Unternehmen lokale Produkte für die Herstellung der ikonischen Wintersüßigkeit verwenden.
Der traditionelle Turrón – eine Variante des weißen Nougats mit Nuss- und Honiggeschmack – wird in zwei Hauptvarianten angeboten: dem harten Alicante und dem weichen Jijona. Beide sind zur Weihnachtszeit fester Bestandteil spanischer Haushalte.
Die Süßigkeiten stehen unter dem Schutz der EU-Vorschriften für Qualitätsregelungen mit der geografischen Angabe (g.A), die sie mit einem bestimmten Ort und dessen traditioneller Handwerkskunst verbindet.
Obwohl Turrón in Alicante produziert wird, kritisieren lokale Bauernverbände die Industrie seit Langem dafür, dass sie ihre Hauptzutaten – Mandeln und Honig – aus dem Ausland beziehen. Der Hauptlieferant ist die USA, der weltweit größte Mandelproduzent.
Diese Praxis verstößt jedoch nicht gegen die EU-Vorschriften für geschützte geografische Angaben. Im Gegensatz zu den strengeren Anforderungen für geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.) schreiben die Produktionsspezifikationen für geografische Angaben lediglich vor, dass das Produkt in der genannten Region hergestellt werden muss, ohne dass die Rohstoffe ebenfalls von dort stammen müssen.
Für Juan Antonio Navarro, Sekretär des spanischen Verbandes der Mandelproduzenten (AEPAEC) und Bio-Mandelbauer, führt diese Flexibilität jedoch zu einer Irreführung der Verbraucher. „Man glaubt, ein lokales Produkt zu kaufen, aber in Wirklichkeit konsumiert man amerikanische Mandeln“, sagte er gegenüber Euractiv. „Es fühlt sich an, als würde man den Verbraucher täuschen.“
Lockerere Regeln
Spanien ist der zweitgrößte Mandelproduzent der Welt, wovon ein Großteil der Produktion in Valencia und Alicante stattfindet – den Regionen, die für Turrón bekannt sind. Spanische Mandeln haben einen höheren Öl- und Zuckergehalt, was ihnen einen reichhaltigeren Geschmack verleiht, der die Qualität des Endprodukts verbessert, erläutert Navarro.
Jedoch hat das Konsortium, das die geografische Angabe verwaltet, in den letzten Jahren alle Anforderungen für lokale Mandeln gestrichen und damit die Tür für mehr Importe geöffnet.
Navarro sieht darin einen Schritt zur Kostensenkung, um die Einnahmen zu steigern. Der großflächige Mandelanbau in Kalifornien gewährleistet ein konstantes Angebot zu niedrigeren Preisen und ist daher eine attraktive Option für Turrón-Hersteller.
Die Herkunft der zweiten wichtigen Zutat, des Honigs, wird bei vielen Marken von Turrón nicht angegeben. Carles Peris, Generalsekretär der valencianischen Bauerngewerkschaft La Unió, erklärte gegenüber Euractiv, dass dies auf Lieferungen aus Ländern wie der Ukraine, Argentinien oder China hinweist.
Strengere Herkunftskennzeichnung
Für Peris ist die Lösung einfach: Wenn nicht alle Mandeln aus Valencia stammen können, sollte auf der Verpackung von Turrón die Herkunft und der prozentuale Anteil der einzelnen Zutaten deutlich angegeben werden. Das gleiche Prinzip gelte auch für den Honig.
„Kleinere Hersteller achten darauf, die Herkunft ihrer Zutaten zu kennzeichnen, aber größere Industrieunternehmen, die unter der g.A.-Zertifizierung stehen, haben mehr Spielraum“, sagte Peris.
Turrón aus Jijona und Alicante ist ein besonders großes Geschäft. Im Jahr 2024 stieg der Umsatz mit der geografischen Angabe auf den zertifizierten Süßigkeiten um elf Prozent auf 276 Millionen Euro.
Hoffnung für den Sektor?
Um zertifizierte Produzenten mit geografischen Angaben wieder mit lokalen Landwirten zusammenzubringen, unterzeichneten Mandelproduzenten im November eine Vereinbarung mit dem Konsortium für geografische Abgaben. Dadurch sollen Lieferverträge mit spanischen Mandelbauern wieder gefördert und die Transparenz bei der Kennzeichnung von Zutaten verbessert werden.
Derzeit sinken in Spanien die Mandelpreise, auch wegen der anhaltenden Dürre in Regionen wie Castellón und Valencia. Auch bei Bio-Mandeln – die 30 Prozent des spanischen Mandelanbaus ausmachen – ist ein Preisverfall zu verzeichnen.
Laut einem von Euractiv eingesehenen Dokument verpflichten sich die Landwirte zu stabilen Verträgen mit klaren Lieferterminen. Das Konsortium hat sich im Gegenzug verpflichtet, „vorzugsweise“ spanische Mandeln zu wählen, sofern sie die „erforderlichen Qualitätsstandards“ erfüllen.
Zudem sollen, „Empfehlungen“ an die Hersteller ausgesprochen werden und die Verbraucherrechte durch eine klare Kennzeichnung der Mandelherkunft in ihren Produkten priorisieren. Ein Bericht über die Verwendung spanischer Mandeln in der laufenden Saison soll im Juni 2025 veröffentlicht werden.
„Das ist besser als nichts“, sagte Navarro. „Sonst sind wir der Industrie völlig ausgeliefert.“
Fehlende konkrete Verpflichtungen
Allerdings fehlen in der Vereinbarung verbindliche Verpflichtungen für die Hersteller von Turrón – ein Mangel, den La Unió scharf kritisierte. „Diese Vereinbarung ist weit davon entfernt, eine Lösung zu sein, und garantiert weder Preise noch Mindestliefermengen für lokale Mandeln“, erklärte La Unió in einer Pressemitteilung.
Hersteller mit der Zertifizierung von geografischen Angaben hätten sich bei früheren Verhandlungen geweigert, mehr als die Produktionskosten für Mandeln zu zahlen. Eine Haltung, die laut Peris gegen das spanische Lebensmittelkettengesetz verstößt.
Für dieses Weihnachtsfest hat der Landwirtschaftsgewerkschafter die Verbraucher aufgefordert, die Etiketten zu überprüfen und sich auf die Herkunft der Zutaten zu konzentrieren, anstatt sich nur auf den geschützten Status des Produkts zu verlassen.
„Die Industrie nutzt ein Label, das Nähe suggeriert, um mehr Turrón zu verkaufen“, sagte Peris, „aber sie sind nicht verpflichtet, Rohstoffe aus der Region zu verwenden.“
Euractiv hat das Konsortium Jijona und Turrón de Alicante PGI um eine Stellungnahme gebeten, jedoch keine Antwort erhalten.
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Martina Monti]