Sparmaßnahmen treffen Griechen härter als erwartet

Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als vorhergesagt. Das eiserne Sparen entlastet den Haushalt, verschärft aber zugleich die Rezession. 2011 könnte zum Schicksalsjahr für die griechische Wirtschaft werden.

Was bringt Gesundsparen, was Kaputtsparen? Das fragt man sich nicht nur am Fuße der Akropolis in Athen. Foto: Ernst Hartmann / pixelio.de
Was bringt Gesundsparen, was Kaputtsparen? Das fragt man sich nicht nur am Fuße der Akropolis in Athen. Foto: Ernst Hartmann / pixelio.de

Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als vorhergesagt. Das eiserne Sparen entlastet den Haushalt, verschärft aber zugleich die Rezession. 2011 könnte zum Schicksalsjahr für die griechische Wirtschaft werden.

Griechenlands harte Sparpolitik belastet die Wirtschaft. Das zeigt sich zum Beispiel im Zentrum Athens, wo mittlerweile etwa 18 Prozent der kleinen Geschäfte in Folge der Rezession schließen mussten, wie der Einzelhandelsverband berichtet. Auch die griechische Supermarktkette Atlantic meldete Insolvenz an. Große ausländische Ketten wie der deutsche Discounter Aldi oder französische FNAC ziehen sich aus dem Land zurück.

"Der private Konsum wird künftig noch stärker unter dem Sparpaket leiden", sagte Citigroup-Analystin Giada Giani gegenüber Reuters. Auch der wichtige Tourismussektor steht schlecht da. Der griechische Hotellerieverband erwartet 2010 einen Einnahmerückgang zwischen sieben und neun Prozent. Die Industrieproduktion ging indes im ersten Halbjahr um rund sechs Prozent zurück.

Die Arbeitslosigkeit ist infolge der Rezession dramatisch gestiegen, wie aus dem jüngsten Bericht des griechischen Statistikamtes hervorgeht. Die Quote sprang von 8,5 Prozent (2009) auf derzeit 12 Prozent. Damit waren im Mai rund 182.000 Griechen mehr arbeitslos als im Jahr zuvor. EU und IWF erwarten einen weiteren Anstieg der Quote auf 15 Prozent.

Das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im 2. Quartal um 1,5 Prozent, schätzte das griechische Statistikamt am Donnerstag. Zuvor war ein Minus von nur einem Prozent erwartet worden. Im Jahresdurchschnitt soll das BIP um 4 Prozent sinken.

Schicksalsjahr 2011

Athen hat wegen der enormen Schuldenlast die Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt und die Mehrwertsteuer mehrfach angehoben. Weitere Maßnahmen sind angekündigt. Damit erfüllt Griechendland Auflagen der EU und des IWF, die das Land mit einem 110 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren.

Die Maßnahmen sind zumindest haushaltspolitisch erfolgreich. Die Regierung hat das Defizit nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr um 46 Prozent reduziert. Experten der EU-Kommission, der EZB und des IWF lobten die Sparanstrengungen Athens (EURACTIV.de vom 5. August 2010). Ziel ist es, das Defizit 2010 auf 8,1 Prozent zu begrenzen, nach 13,6 Prozent im vergangenen Jahr.

"Griechenland ist auf einem guten Weg, das Defizit zu reduzieren", beschied Analystin Anke Richter von Conduit Capital Markets. "Aber es ist ein Marathon, und nach den ersten fünf Kilometern sieht noch jeder gut aus." Es stelle sich die Frage, ob das Durchhaltevermögen von Wählern und Politikern bis ins nächste Jahr reiche. 2011 werde das Schicksalsjahr für Griechenlands Wirtschaft sein.

Während die Sparanstrengungen greifen, tut sich Athen mit der Verbesserung der Einnahmeseite noch schwer. Die staatlichen Einnahmen sollen 2010 um 12,7 Prozent wachsen, auch indem Steuern tatsächlich eingetrieben werden. Bislang hat Athen aber nur ein Plus von 3,3 Prozent vermelden können. Große Konflikte stehen noch bevor. So schulden etwa 800.000 Arbeitgeber und Selbstständige der staatlichen Rentenkasse noch rund 15 Milliarden Euro. Die Regierung will ab November "unerbittlich" gegen säumige Schuldner vorgehen. Dann könnten notfalls Immobilien beschlagnahmt werden, droht die Regierung.

EURACTIV/rtr/awr


Mehr zum Thema:


EURACTIV.de:
EU verärgert – Slowakei verweigert Griechenlandhilfe (12. August 2010)

EURACTIV.de: Athens Strukturreformen: "Beeindruckende Fortschritte" (5. August 2010)

EURACTIV.de: Griechisches Defizit geht stark zurück (14. Juli 2010)

EURACTIV.de: Griechenlands Fehler, Wunden und Einsichten (28. Mai 2010)

Links / Dokumente / Download

Hellenic Statistical Authority: Unemployment rate at 12.0 percent in May 2010 (12. August 2010)

Hellenic Statistical Authority: Decrease of Gross Domestic Product by 3,5 percent the 2nd Quarter of 2010 (12. August 2010)

EU-Kommission: Statement by Commissioner Olli Rehn on today’s vote by Slovakia’s Parliament rejecting the participation in the loan for Greece (12. August 2010)

EU-Kommission/EZB/IWF: Statement by the EC, ECB, and IMF on the First Review Mission to Greece (5. August 2010)