Studie: CO2-Speicherung bis 2030 ‘wettbewerbsfähig’ [DE]
Bis 2030 könnten die Kosten der CO2-Abscheidung und -Speicherung bei Kohlekraftwerken, die die Umwelt in hohem Maße verschmutzen, so reduziert werden, dass sie mit anderen CO2-armen Technologien, darunter auch Technologien für erneuerbare Energien, konkurrieren könnten. Das geht aus einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey&Company hervor.
Bis 2030 könnten die Kosten der CO2-Abscheidung und -Speicherung bei Kohlekraftwerken, die die Umwelt in hohem Maße verschmutzen, so reduziert werden, dass sie mit anderen CO2-armen Technologien, darunter auch Technologien für erneuerbare Energien, konkurrieren könnten. Das geht aus einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey&Company hervor.
Wenn die Technologie erfolgreich auf den Markt gebracht werde, werde sie es Ländern wie Polen und Deutschland ermöglichen, den Rohstoff Kohle weiterhin als wesentlichen Bestandteil ihres Energiemixes zu nutzen und gleichzeitig die Verpflichtung einzuhalten/der Verpflichtung nachzukommen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das behauptet der Bericht, der am Montag (22. September 2008) in Brüssel vorgestellt wurde.
CCS verfüge über das Potenzial, eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels sowohl in Europa als auch weltweit zu spielen. Sie sei die einzige Technologie, die das Problem der von Kohlekraftwerken verursachten Emissionen angehe, sagt der Bericht. CCS könnte ebenfalls die verschiedensten Emissionen von Industrieanlagen reduzieren, die bereits vom Europäischen Emissionshandelssystem (ETS) abgedeckt werden. Darunter würden beispielsweise die Stahl- und die Zementindustrie sowie Raffinerien fallen, fügte er hinzu.
Die Fälle, auf die man sich bezogen habe, hätten gezeigt, dass die Kosten für integrierte CCS-Projekte bei neuen Kohlekraftwerken bis 2030 auf 30 bis 45 Euro pro eingesparter Tonne CO2 gesenkt werden könnten, stellt McKinsey fest. Dem Bericht zufolge ist diese Preisspanne mit den für diesen Zeitraum im Rahmen des ETS erwarteten Kohlenstoffpreisen vereinbar.
Kosten ausgleichen
In der Zwischenzeit werde Europa allerdings mit Kosten konfrontiert sein, die abgedeckt werden müssten, wenn die CCS-Technologie eingeführt wird. Erste Demonstrationsprojekte, die McKinsey zufolge nicht vor 2012-2015 erwartet werden können, werden im Schnitt 60 bis 90 Euro pro Tonne kosten. Das erfordere Investitionen von 0,5 bis 1,1 Milliarden Euro pro Projekt.
Für Gesamteuropa würden diese Kosten auf ungefähr 10 Milliarden Euro geschätzt, so Chris Davies, eine britischer Europaabgeordneter, der dafür verantwortlich ist, einen EU-Gesetzesvorschlag durch das Europäische Parlament zu bringen.
Der Studie zufolge werden die meisten Kosten der ersten Demonstrationsprojekte durch die CO2-Abscheidung verursacht. Diese seien für ungefähr zwei Drittel der Kosten verantwortlich. Die restlichen Kosten würden durch den Transport – durch bestehende Pipeline-Netze – und die CO2-Verpressung in unterirdischen Felsformationen verursacht.
Sowohl die Kosten für den Transport als auch für die Einlagerung könnten allerdings stark variieren. Dies hänge davon ab, ob man in der Lage sei, die Projekte an günstig gelegenen Einlagerungsstätten durchzuführen, um den Transportweg zu verringern, sagte die Studie. Lange Transportwege zu einer geeigneten Einlagerungsstätte könnten die Transportkosten wesentlich erhöhen, ging aus dem Bericht hervor. Möglicherweise könnten bei Entfernungen von 200 bis 300 Kilometer 10 bis 12 Euro pro Tonne an zusätzlichen Kosten entstehen.
Diese würden aber voraussichtlich abnehmen, wenn die CCS-Technologie aus der Demonstrationsphase herauswachse und kommerziell vertrieben werden könne (der Studie zufolge wird dies frühestens ab 2020 der Fall sein). Tomas Nauclér, ein Leiter des Stockholm-Büros von McKinsey, sagte EURACTIV: „Wenn man von der Demonstrationsphase zum ersten Mal in die rein kommerzielle Phase übergeht, werden die Preise schnell sinken. Anschließend benötigt man eine Reihe von Projekten über die nächsten 5 bis 10 Jahre, um zu der Preisspanne von 35 bis 40 Euro zu gelangen, die wir in dem Bericht erwähnt haben.“
Die Zeit drängt
Aber die Zeit drängt. Dem Bericht zufolge wird es schwierig die CCS-Technologie bis 2030 in großem Maße einzusetzen, wenn bei den Projekten Probleme bei der Einholung von Genehmigungen oder andere Unsicherheiten auftauchen. Um das 2030-Ziel zu erreichen, müsste die erste kommerzielle Phase unmittelbar an die Demonstrationsphase anschließen.
Im März 2007 haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf geeinigt, bis 2015 10 bis 12 Anlagen zu Demonstrationszwecken zu errichten. Allerdings konnte man sich noch nicht auf die Finanzierungsmodalitäten einigen.
Ein Vorschlag, der vorsieht, dass das Geld aus der Reserve für Neuzugänge des ETS genommen wird, wird derzeit vom Europäischen Parlament überprüft. Er könnte eine Lösung des Problems darstellen (EURACTIV vom 23. September 2008).