Studie: Englisch in der EU meistgelehrte Sprache an Schulen [DE]
Mehr als 90 % aller europäischen Schüler lernen im Laufe ihrer Pflichtschulbildung Englisch und diese Zahl steige noch weiter an, geht aus einer Studie hervor, die am Freitag (21. November 2008) vom Eurydice Netzwerk im Namen der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Außerdem wurde herausgefunden, dass die Kinder in der EU nun schon früher Fremdsprachen zu lernen beginnen.
Mehr als 90 % aller europäischen Schüler lernen im Laufe ihrer Pflichtschulbildung Englisch und diese Zahl steige noch weiter an, geht aus einer Studie hervor, die am Freitag (21. November 2008) vom Eurydice Netzwerk im Namen der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Außerdem wurde herausgefunden, dass die Kinder in der EU nun schon früher Fremdsprachen zu lernen beginnen.
Englisch überwiegt zunehmend
Die Studie mit dem Titel ‚Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa’ zeigte, dass in 13 EU-Ländern Englisch als erste Fremdsprache Pflicht ist. Außerdem lernen etwa 90% der Schüler im Sekundarunterricht Englisch, unabhängig davon, ob sie dazu verpflichtet sind oder nicht.
Ist das Erlernen einer zweiten Fremdsprache verpflichtend, wird meist Französisch oder Deutsch gelehrt, findet der Bericht heraus. 58% der europäischen Schüler lernen während ihrer Ausbildung auf einer weiterführenden Schule zwei oder mehr Fremdsprachen.
Zusammengenommen machen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Russisch 95% aller Sprachen, die von Schülern in der EU gelernt werden, aus. Das zeigt, dass die Kinder die Sprachen bevorzugen, deren Gebrauch in Europa am weitesten verbreitet ist.
Kinder lernen früher Fremdsprachen
Immer häufiger wird das frühe Erlernen einer Fremdsprache verpflichtend, so die Studie. In fast allen europäischen Ländern ist das Erlernen von Fremdsprachen nun bereits in der Grundschule verpflichtend, steht im Bericht geschrieben, der von den EU-Kommissaren Leonard Orban (Mehrsprachigkeit) und Jan Figel‘ (allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend) unterstützt wurde.
Im Schnitt beginnen europäische Kinder mit acht bis zehn Jahren, eine Fremdsprache zu lernen, doch mancherorts beginnen sie sogar noch früher. In den autonomen Gebieten Spaniens und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens erlernen sie beispielsweise bereits mit drei Jahren ihre erste Fremdsprache. In anderen Ländern, insbesondere in Bulgarien, wird erst relativ spät mit dem Sprachunterricht begonnen.
Nur wenig Zeit für den Sprachunterricht
Weniger als 10% der gesamten Lehrzeit wird in europäischen Grundschulen allgemein dem Erlernen von Fremdsprachen gewidmet, auf den weiterführenden Schulen ist dies mehr. In Grundschulen werden Sprachen vom Klassenlehrer gelehrt, der auch die meisten anderen Unterrichtsfächer gibt. An weiterführenden Schulen hingegen übernehmen Fachlehrer den Sprachunterricht.
Hoch gesteckte EU-Ziele…
Die EU-Kulturminister betonten unterdessen mit der Verabschiedung einer Resolution zur neuen Strategie für Mehrsprachigkeit der Europäischen Kommission am Freitag die kulturelle Dimension der Mehrsprachigkeit. Sie äußerten den Wunsch, die nationalen Regierungen sollten – mit Unterstützung der Kommission – gebeten werden, ihre Maßnahmen zur Förderung der Übersetzung und Untertitelung von Live-Auftritten und audiovisuellen Arbeiten und Filmen zu koordinieren und zu verstärken.
Insbesondere in den Abschlusserklärungen des Ratstreffens der Minister für Bildung, Kultur und Jugend, das letzte Woche in Brüssel stattfand, wird die EU-Kommission dazu aufgefordert, sich besonders darum zu bemühen, dass Informationen in allen offiziellen EU-Sprachen zur Verfügung stünden und die Mehrsprachigkeit auf ihren Internetseiten gefördert werde.
Die Minister baten die nationalen Regierungen, sich darum zu bemühen, das Lehrangebot für Fremdsprachen – auch von anerkannten Sprachen, die weniger stark verbreitet sind – in den verschiedenen Stufen der Ausbildung zu erweitern.
…aber nicht mehr Geld
Allerdings scheinen keine zusätzlichen Gelder zur Verfügung zu stehen, um diese Ziele zu erreichen. Bei der Vorstellung der neuen Strategie der Kommission am 18. September 2008 meinte Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban, es werde bis mindestens 2013 keine zusätzliche Finanzhilfe für die EU-Sprachenpolitik geben. Stattdessen werde man die Gelder von bereits bestehenden europäischen Programmen und Initiativen in anderen Bereichen wie Bildung, Medien, Forschung, soziale Eingliederung und Wettbewerbsfähigkeit verwenden (EURACTIV vom 19. September 2008).
Walisisch feiert EU-Premiere
Beim Treffen der Minister für Kultur in der vergangenen Woche (20. und 21. November 2008) wurde auf EU-Ebene auch Walisisch zum ersten Mal gesprochen und übersetzt. Waliser werden nun sogar in ihrer Muttersprache an den Europäischen Rat schreiben können und eine schriftliche Antwort in Walisisch erhalten.
Walisisch sei zwar eine der ältesten Sprachen, die in Großbritannien gesprochen würden, aber immer noch eine der lebhaftesten, sagte der walisische Minister für Kulturerbe Alun Ffred Jones. Er lobte außerdem die Verwendung der Sprache im Rat als Meilenstein und würdigte Walisisch als eine moderne Sprache, in der Regierungsgeschäfte geführt werden könnten.
Der Erfolg der neuen EU-Mehrsprachigkeitsstrategie wird im Jahr 2012 bewertet werden.