Studie: EU-Mitgliedsstaaten riskieren den Kampf gegen Diabetes zu verlieren

In den vergangenen Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten Fortschritte in der Behandlung und Prävention von Diabetes gemacht. Doch die Umsetzung und Überwachung der Maßnahmen geht noch viel zu langsam voran, warnt eine neue Studie. Europa könnte dadurch den Kampf gegen die wachsende Diabetes-Epidemie verlieren.

EURACTIV.com
Teststreifen für Diabetes: Bei immer mehr Europäern wird die Krankheit diagnostiziert. Foto: bodytel (CC BY-ND 2.0)
Teststreifen für Diabetes: Bei immer mehr Europäern wird die Krankheit diagnostiziert. Foto: bodytel (CC BY-ND 2.0)

In den vergangenen Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten Fortschritte in der Behandlung und Prävention von Diabetes gemacht. Doch die Umsetzung und Überwachung der Maßnahmen geht noch viel zu langsam voran, warnt eine neue Studie. Europa könnte dadurch den Kampf gegen die wachsende Diabetes-Epidemie verlieren.

Der Bericht „Diabetes in Europe: The Policy Puzzle – The State We Are In“, der von der Europäischen Verinigung für Diabetes veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Mehrzahl der EU-Länder mittlerweile ein nationales Diabetes-Register (30 von 47) haben. Zudem hat die große Mehrheit Schritte eingeleitet, um die Gefahr von Diabetes auf politischer Ebene anzugehen.

Allerdings zeigt die Studie auch, dass 83 Prozent der nationalen Register unvollständig sind. Offensichtlich gibt es bei den nationalen Diabetes-Projekten bei der Durchführung und Überwachung noch große Mängel. Als einziges Land in der Region hat die Tschechische Republik ein starkes Überwachungs- und Evaluierungssystem. Sie ist auch das einzige Land, das die Kosteneffizienz der Maßnahmen im Rahmen eines nationalen Plans bewertet.

„In der aktuellen Situation, in der Politiker aus ganz Europa immer wieder die Notwendigkeit unterstreichen, die Gesundheitskosten zu senken und die Gesundheitssysteme nachhaltiger zu gestalten, ist es alarmierend zu sehen, dass die Kosten-Nutzen-Analyse der Politik kaum vorhanden ist“, sagt Anne-Marie Felton, eine der Vorsitzenden im Leitungsausschuss des Berichts.

Zwar stehen bei allen bis auf zwei Ländern Präventionsmaßnahmen im Bereich der wichtigsten Risikofaktoren für Diabetes, wie Adipositas und Bewegungsmangel, auf der nationalen Agenda. Griechenland ist aber das einzige Land, das über Auswirkungen seiner Präventionspolitik und deren Kosteneffizienz berichtet.

„Leider sehen wir, dass vorbeugende Maßnahmen auch weiterhin schlecht in ganz Europa finanziert werden“, sagt Felton. „Das ist eine verpasste Chance, denn mehr als 70 Prozent der Typ-2-Diabetes-Fälle könnten verhindert oder durch eine gesündere Lebensweise verzögert werden.“

Die Belastung durch Diabetes in Europa wächst. 52 Millionen Menschen in den europäischen Ländern leben heute mit Diabetes. Bei einem von drei Erwachsenen haben Diabetes, ohne dass es bereits diagnostiziert wurde. Das bedeutet, dass viele Menschen bereits mindestens eine Leiden zu dem Zeitpunkt haben, an dem die Krankheit festgestellt wird.

Schätzungen zufolge wird in 20 Jahren mehr als jeder zehnte Erwachsene in Europa an Diabetes erkrankt sein, wenn nichts getan wird, um die Epidemie zurückzudrängen. Neben der alternden Bevölkerung Europas wird Diabetes zu einem enormen Kostenfaktor und einer schwere Belastung für die nationalen Gesundheitssysteme werden.

„Nicht zu handeln ist eindeutig keine Option“, mahnt Michael Hall, ehrenamtlicher Berater der International Diabetes Federation. „Als ersten Schritt für die Verbesserung der Diabetes-Versorgung müssten die Regierungen ihre Bemühungen um nationale Strategien gegen die Krankheit verstärken, diese voll umsetzen und regelmäßig überwachen. Dies würde auch eine bessere Nutzung der Ressourcen ermöglichen, die unerlässlich ist, um die Diabetes-Epidemie in Europa erfolgreich zu bekämpfen.“