Studie: Nahrungsmittelproduktion in fossiler Abhängigkeit

Berichten zufolge entfallen 15 Prozent des weltweiten Verbrauchs an fossilen Brennstoffen auf die Lebensmittelproduktion. Nun schlägt eine neue Studie wegen der Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion von Petrochemikalien Alarm.

Euractiv.com
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Der Bericht ist einer der ersten Versuche von Forschern, den weltweiten Einsatz von fossilen Brennstoffen und Petrochemikalien in der gesamten Lebensmittelversorgungskette zu ermitteln. [<a href="https://www.shutterstock.com/it/image-photo/caucasian-male-worker-uniform-examining-fresh-1800794092" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK/Yakobchuk]</a>]

Berichten zufolge entfallen 15 Prozent des weltweiten Verbrauchs an fossilen Brennstoffen auf die Lebensmittelproduktion. Nun schlägt eine neue Studie wegen der Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion von Petrochemikalien Alarm.

Laut dem am Donnerstag (2. November) veröffentlichten Bericht der Global Alliance for the Future of Food – einer Gruppe gemeinnütziger Stiftungen, die sich für nachhaltige Lebensmittelsysteme einsetzen, darunter die Heinrich Böll Stiftung und die Rockefeller Foundation – investiert die fossile Brennstoffindustrie in großem Umfang in Petrochemikalien, um die Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion vom Öl zu sichern.

Der Bericht ist einer der ersten Versuche von Forschern, den weltweiten Einsatz von fossilen Brennstoffen und Petrochemikalien in der gesamten Lebensmittelversorgungskette zu ermitteln.

Beispiele für die Abhängigkeit von Petrochemikalien sind die in Verpackungen verwendeten Kunststoffe sowie die industriellen Verfahren zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln wie Pestiziden und Düngemitteln.

Während die Verarbeitungs- und Verpackungsphase nach wie vor die energieintensivste Komponente des Lebensmittelsystems ist, „ist der Anstieg, insbesondere beim Verbrauch fossiler Brennstoffe, weiter oben in der Versorgungskette zu verzeichnen“, erklärte die Programmdirektorin der Global Alliance, Patty Fong, gegenüber Euractiv.

„Es besteht eine zunehmende Abhängigkeit von externen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Inputs wie Düngemitteln. Hier expandiert die petrochemische Industrie ihre Märkte“, fügte sie hinzu.

Diese übermäßige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Lebensmittelsektor wird voraussichtlich auf der 28. UN-Klimakonferenz (COP28) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), die Ende November in Dubai beginnt, zur Sprache kommen.

Zum ersten Mal wird es auf dem jährlichen Umweltgipfel der Vereinten Nationen einen Ernährungstag geben, und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen wird ihren Fahrplan vorstellen, um die Welt innerhalb der international vereinbarten 1,5-Grad-Grenze zu halten.

In dem Bericht wird außerdem eine Umstellung auf agrarökologische Produktionssysteme gefordert, die weniger abhängig von externen Inputs sind und den Restbedarf durch umweltfreundliche Lösungen wie Biodünger und Schädlingsbekämpfung in den Betrieben ersetzen.

„Eine einfache Dekarbonisierung von Düngemitteln ist nicht die Antwort. Es geht nicht nur um Treibhausgasemissionen, sondern auch um andere Umweltauswirkungen wie Wasser- und Luftverschmutzung“, so Fong.

Die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks und des Energieverbrauchs im Lebensmittelsystem sowie die Steigerung der Energieeffizienz gehören zu den Kernpunkten der Farm-to-Fork-Strategie, dem Flaggschiff der EU-Lebensmittelpolitik.

Versteckte Gesundheitskosten

In dem Bericht wird hervorgehoben, dass eine Verringerung der Energieintensität der globalen Lebensmittelsysteme um 49 Prozent einen erheblichen gesundheitlichen Zusatznutzen bringen könnte.

Die Gesundheitskosten werden oft übersehen, so Fong. „Diese werden von Einzelpersonen und Regierungen getragen, nicht von den Unternehmen, die die Lebensmittel produzieren“, sagte sie.

Ein potenzieller Nutzen könnte darin bestehen, „sich stärker auf eine minimal verarbeitete, pflanzliche Ernährung umzustellen, insbesondere dort, wo der Konsum von Fleisch und gesättigten Fettsäuren hoch ist oder in einem Maße zunimmt, das die menschliche und/oder planetarische Gesundheit gefährdet“, heißt es in dem Bericht.

Gleichzeitig profitieren viele ungesunde Produkte von staatlichen Subventionen, so Fang. „Wenn wir diese auf die Produktion von Gemüse, frischem Obst und gesünderen Pflanzen umlenken, werden wir Verschiebungen bei den Kosten sehen“, fügte sie hinzu.

Der Bericht warnt vor einer Verwestlichung der Ernährung, da „die Vermarktung von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln in einkommensschwachen Regionen die traditionellen Lebensmittel und Ernährungsweisen verdrängt“, so Fong.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2019 sind ultraverarbeitete Produkte wie Snacks, Softdrinks und Fertiggerichte zwei- bis zehnmal so energieintensiv wie Vollwertkost.

Einkommensstarke Länder „müssen eine Führungsrolle übernehmen“, um von solchen ungesunden Produkten wegzukommen, so Fong.

„Eine pflanzenreiche Ernährung, die möglichst wenig verarbeitet ist, ist nicht nur gesünder für die Gesellschaft, sondern auch klimafreundlich“, sagte sie abschließend.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]