Tschechien beendet Ausnahmeregelung für russische Ölimporte

Tschechien wird seine Ausnahmeregelung vom EU-Importverbot für russische Ölprodukte nicht verlängern, wie das tschechische Ministerium für Industrie und Handel bestätigt hat. Diese Entscheidung wurde im Anschluss an einen früheren Bericht von Reuters bekannt gegeben.

EURACTIV.cz
The silhouette of five oil pumps on a beautiful sunset sky with sun setting in between them.Siberia. Oil and gas production
Was die Gasimporte aus Russland betrifft, so hat Tschechien in den letzten Wochen einen deutlichen Anstieg verzeichnet.

Tschechien wird seine Ausnahmeregelung vom EU-Importverbot für russische Ölprodukte nicht verlängern, wie das tschechische Ministerium für Industrie und Handel bestätigt hat. Diese Entscheidung wurde im Anschluss an einen früheren Bericht von Reuters bekannt gegeben.

Die Sonderregelung, die im Rahmen der EU-Sanktionen gegen Russland wegen dessen Aggression in der Ukraine gewährt wurde, läuft am 5. Dezember aus. Ähnliche Ausnahmen wurden auch der Slowakei und Ungarn eingeräumt.

„Angesichts der aktuellen Situation und der Maßnahmen, die die Tschechische Republik ergreift, um die Unabhängigkeit von russischen Ölimporten zu gewährleisten, sieht das Land keinen Grund, die Ausnahmeregelung zu verlängern“, sagte Marek Vošahlík, Sprecher des Ministeriums, am Freitag gegenüber der Tschechischen Nachrichtenagentur.

Zur Reduzierung der Abhängigkeit von russischem Öl plant Tschechien eine Erweiterung der Kapazität der Transalpinen Pipeline (TAL). Ab dem kommenden Jahr soll diese Pipeline ihre Kapazität verdoppeln und bis zu acht Millionen Tonnen Öl jährlich in das Land transportieren.

Die Transalpine Pipeline (TAL) ist eine zentrale Rohölpipeline, die den italienischen Hafen Triest mit Mitteleuropa verbindet und eine Schlüsselrolle für die Energiesicherheit der Region spielt. Laut der Tschechischen Nachrichtenagentur bezieht Tschechien sein Öl über zwei Hauptversorgungsrouten. Von den 7,4 Millionen Tonnen Öl, die im letzten Jahr importiert wurden, kamen rund 58 Prozent über die Druschba-Pipeline, die russisches Öl liefert. Der restliche Anteil wird über die deutsche Ingolstadt–Kralupy–Litvínov (IKL)-Pipeline bezogen, die mit der TAL-Pipeline verbunden ist.

Was die Gasimporte aus Russland betrifft, so hat Tschechien in den letzten Wochen einen deutlichen Anstieg verzeichnet.

Während der Großteil des Jahres das meiste Gas aus Deutschland kam, wurden im November über 95 Prozent der Lieferungen über die Slowakei abgewickelt. Experten zufolge dient diese Route vornehmlich dem Transport von russischem Gas.

Analysten führen diesen Trend hauptsächlich auf den niedrigeren Marktpreis für russisches Gas zurück, da die Einfuhren über Deutschland durch Transitgebühren teurer werden. Diese Problematik wurde auch vom tschechischen Industrie- und Handelsministerium anerkannt, das Deutschland zuvor aufgefordert hatte, die Transitgebühren abzuschaffen. Das Ministerium rechnet damit, dass dies Anfang nächsten Jahres umgesetzt wird, wodurch die Gasimporte aus Deutschland voraussichtlich wieder ansteigen werden.

[Bearbeitet von Jeremias Lin]