Tschechien fordert Entkopplung von Gas- und Strompreis

Der tschechische Industrie- und Handelsminister Jozef Síkela hat von der EU eine Entkopplung der Gas- und Strompreise gefordert, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Für den 9. September kündigte er einen außerordentlichen EU-Energieministerrat an.

EURACTIV.cz
Extraordinary Transport, Telecommunications and Energy Council in Brussels
Die EU sei einem gemeinsamen Ansatz zur Bewältigung der Energiepreise näher als je zuvor, sagte der tschechische Industrie- und Handelsminister. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Der tschechische Industrie- und Handelsminister Jozef Síkela hat von der EU eine Entkopplung der Gas- und Strompreise gefordert, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Für den 9. September kündigte er einen außerordentlichen EU-Energieministerrat an.

Síkela, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, sagte am Montag, dass die Minister:innen bei dem Treffen über die Festlegung einer Preisobergrenze für Gas diskutieren würden.

Seiner Meinung nach wäre dies eine funktionierende und relativ erschwingliche Methode, um die Strompreise zu drosseln.

Der Energiemarkt funktioniere nicht mehr, so der tschechische Minister. Ähnliche Stimmen waren zuletzt auch aus Berlin, Brüssel und Wien laut geworden.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die darauf folgenden Kürzungen der Gaslieferungen sowie die schlechte Lage der Kernkraftwerke in Frankreich, wo aufgrund von Wartungsarbeiten und technischen Problemen nur etwa die Hälfte der französischen Kernreaktoren in Betrieb ist, seien die Ursache für die Rekordstrompreise, so Síkela.

Der trockene Sommer wirke sich auch negativ auf die Energieerzeugung aus Wasserkraft aus, was das Problem noch verschärfte.

Außerdem dürften aus Sicht des Ministers eine größere Liquidität auf dem Energiemarkt sowie Markteingriffe erforderlich werden, die die Länder gemeinsam mit den Energiehändlern vornehmen könnten. Eine Strompreisobergrenze sollte laut Síkela dazu beitragen, die Missstände auf dem Markt zu beheben.

Aber die Deckelung des Preises für Gas, das zur Stromerzeugung verwendet wird, sei nicht die einzige Option.

Die EU könne auch die Frage der CO₂-Zertifikate, die einen bedeutenden Teil der Strompreise ausmachen, einer allgemeinen Regulierung für Energiepreise oder einer vollständigen Trennung von Gas- und Strompreisen in Betracht ziehen, so Sikela weiter.

Die Abschaffung des europäischen Emissionshandelssystems (ETS) ist in Osteuropa besonders beliebt, da die Kosten für CO₂-Emissionen auf fast 100 Euro pro Tonne Kohlenstoff gestiegen sind.

Die Europäische Kommission bereite aufgrund des starken Anstiegs der Strompreise Krisenmaßnahmen und systemische Marktreformen vor, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag.

Die EU sei einem gemeinsamen Ansatz zur Bewältigung der Energiepreise näher als je zuvor, fügte Síkela hinzu. Der Minister hofft auf eine gesamteuropäische Lösung, die er für die beste und billigste Option hält.

Der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala und Bundeskanzler Olaf Scholz waren sich nach einem zweistündigen Treffen am Montag in Prag einig, dass eine europaweite Lösung zur Senkung der Energiepreise gefunden werden müsse.