Tschechien wirft Orbán "inakzeptable Provokation" vor
Der tschechische Außenminister Jan Lipavský hat am Dienstag (22. November) den Schal des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, auf dem eine historische Karte Großungarns abgebildet war, als inakzeptable Provokation bezeichnet.
Der tschechische Außenminister Jan Lipavský hat am Dienstag (22. November) den Schal des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, auf dem eine historische Karte Großungarns abgebildet war, als inakzeptable Provokation bezeichnet.
Orbán trug den umstrittenen Schal am Sonntag während eines Treffens mit einem ungarischen Fußballspieler. Der Schal zeigt eine Karte des historischen Territoriums Großungarns, zu dem Teilen der Slowakei, Rumäniens, Kroatiens, Serbiens und der Ukraine gehörten. Ungarn verlor diese Gebiete durch den 1920 unterzeichneten Vertrag von Trianon, was für viele Ungar:innn bis heute ein Trauma darstellt.
„Europa steht vor den größten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Einigkeit und Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern sind jetzt von entscheidender Bedeutung. Die Provokation des ungarischen Premierministers Viktor Orbán ist inakzeptabel“, twitterte Lipavský und fügte hinzu, dass er die Verärgerung der Slowakei und anderer Partner voll und ganz verstehe.
Als Reaktion auf Orbáns Verhalten hat die Ukraine den ungarischen Botschafter einbestellt. Auch der slowakische Außenminister Rastislav Kácer kritisierte seinen Visegrad-Verbündeten mit den ausdrucksstarken Worten „Ekel und Abschaum.“
Orbán trug den Schal wenige Tage, nachdem Toroczkai László, ein Mitglied des ungarischen Parlaments und Vorsitzender der Bewegung Unsere Heimat, Polen zum polnischen Unabhängigkeitstag gratuliert hatte, indem er ein Foto aus dem Jahr 1939 veröffentlichte, auf dem sich zwei Soldat:innen an der historischen polnisch-ungarischen Grenze die Hände schütteln, einem Gebiet, das heute zur Ukraine gehört.
„Lasst uns an der gemeinsamen polnisch-ungarischen Grenze wieder zusammenkommen!“ schrieb László.
Trotz all dieser Kontroversen werden die Ministerpräsidenten der vier Visegrad-Staaten – Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn – am Donnerstag zum ersten Mal seit Ausbruch des Krieges zusammentreffen.