Übersee-Investitionen in Europa sinken 2009
Auswärtige Investitionsprojekte in Europa seien im letzten Jahr um elf Prozent gefallen, doch größere westeuropäische Märkte würden noch immer als sicherer Hafen in unsteten Zeiten gesehen, besagt eine neue Studie.
Auswärtige Investitionsprojekte in Europa seien im letzten Jahr um elf Prozent gefallen, doch größere westeuropäische Märkte würden noch immer als sicherer Hafen in unsteten Zeiten gesehen, besagt eine neue Studie.
Analytiker beschreiben den Abstieg als „milde“, wenn man die wirtschaftlichen Wehen betrachtet, die Europa in den letzten zwei Jahren verschlungen haben.
Die Umfrage zur Europäischen Anziehungskraft von Ernst & Young wurde bei dem Weltinvestitionsforum in La Baule in Frankreich präsentiert und fand gemischte Ergebnisse. Einige Industrien zeigten sich selbstbewusster als andere.
Investitionsintensive Sektoren wie Automobil-, Minen- und Transportprojekte, die traditionell nach Mittel- und Osteuropa gingen, fielen stark, wie auch Geschäftsdienstleistungen und Softwareprojekte.
Andere Bereiche haben sich als der Rezession besser gewappnet gezeigt: Lebensmittel, Pharmazeutika und elektrische Güter zeigten einen Anstieg an neuen Investitionsinitiativen.
Die großen europäischen Wirtschaften hätten, was ihre Fähigkeit angeht, interne Investition anzuziehen, relativ gut abgeschnitten, so der Bericht. Die Zahl an Projekten in Großbritannien sei um lediglich ein Prozent gesunken, wohingegen die in Frankreich, Italien und Deutschland um ein, vier und sieben Prozent jeweils anstieg.
Andere Gewinner in Sachen Investition waren Russland, die Ukraine und die Türkei.
Der vierprozentige Abstieg des europäischen BIP bedeutet, dass es 2009 ein paar Verlierer geben musste. Die Wirtschaft Spaniens und Irlands, die beide zuvor besonders attraktiv für Investoren außerhalb Europas waren, wurden letztes Jahr schwer getroffen. Beide Länder hatten unkontrollierbare Baubooms erlebt, die nun zu einem abrupten Stillstand kamen.
Der dramatischste Effekt machte sich jedoch in Polen, Ungarn, Rumänien und der Tschechischen Republik bemerkbar, wo die Anzahl an Projekten kollektiv um 40 Prozent fiel, da die Investoren die Sicherheit der größeren westlichen Wirtschaften suchten.
Wer investiert?
Die USA machen weiterhin etwa ein Viertel aller Investitionsprojekte in Europa aus, doch investierten sie letztes Jahr weniger. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Japan begannen auch weniger neue Projekte, doch machen sie immer noch weiter 25 Prozent aller Investitionszahlen aus.
China investierte 2009 mehr in Europa als 2008 und die Zahl der Projekte stieg um beinahe 30 Prozent. Chinesische Projekte waren im letzten Jahr auch für die höchste Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze in Europa verantwortlich.
Mit Blick auf die Zukunft haben 800 im Rahmen der Studie befragte Führungskräfte einen optimistischen Ausblick angegeben. Etwas mehr als die Hälfte sagte, sie werde in diesem Jahr wahrscheinlich keine großen neuen Investitionsprojekte beginnen, doch sähen sie Westeuropa noch immer als attraktive Region.
Jedoch bestehen Sorgen zu Mittel- und Osteuropa, in die die Zuversicht der Führungskräfte im Vergleich zu letztem Jahr jäh gefallen ist. Langfristig sehen die Investoren Mittel- und Osteuropa dennoch als Priorität und schätzen es als drittattraktivste Region für zukünftige Investitionen, knapp nach China und Indien.