Unterschiede zwischen Profi- und Amateursport auf dem Prüfstand [DE]

Im Rahmen der Vorbereitungen für ein Weißbuch über Sport wird eine von der Kommission eingesetzte Arbeitsgruppe die Beziehungen der Amateur- und Profisportorganisationen untereinander und zum Gemeinschaftsrecht untersuchen.

Im Rahmen der Vorbereitungen für ein Weißbuch über Sport wird eine von der Kommission eingesetzte Arbeitsgruppe die Beziehungen der Amateur- und Profisportorganisationen untereinander und zum Gemeinschaftsrecht untersuchen.

Bei einem informellen Treffen der europäischen Sportminister am 27. und 28. November 2006 haben die Minister offiziell die aus dem Juni 2006 stammende Initiative der Kommission begrüßt, ein Weißbuch zur Rolle des Sports in Europa vorzulegen. Das Weißbuch soll aus drei Teilen bestehen, zu denen die Konferenz der EU-Sportdirektoren in ihren Schlussfolgerungen Empfehlungen ausgesprochen hatte: Die gesellschaftliche Rolle des Sports, die wirtschaftlichen Dimensionen sowie die organisatorischen Besonderheiten des Sports. 

Die Minister haben sich auch auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe verständigt, die die Stellung ehrenamtlicher Sportorganisationen im Hinblick auf das Gemeinschaftsrecht untersucht werden soll. Das Gemeinschaftsrecht unterscheidet derzeit nicht zwischen Profi- und Amateurvereinen.
Es müsse untersucht werden, wie gemeinwohlorientierte Organisationen mit auf Gewinn ausgerichteten Organisationen zusammenarbeiten können, da sie sich unter den selben gemeinschaftsrechtlichen Regeln bewegen müssen, sagte die finnische Sportministerin Tanja Saarela. Die Minister kamen zu dem Schluss, dass die Gemeinschaftspolitiken Rücksicht auf den Unterschied zwischen ehrenamtlichen gemeinnützigen Sportorganisationen und gewinnorientierten Geschäftsunternehmungen im Gemeinschaftsrecht nehmen sollten.

Im Hinblick auf die Organisation des Sports in Europa ist Saarela der Ansicht, dass es wichtig sei, Sport in einem breiten Sinne zu definieren und jede Form körperlicher Übung und nicht nur den Profisport in die Definition einzubeziehen. Maßnahmen der EU zum Sport sollten weder den Amateursport noch den auf freiwilligem Engagement beruhenden Sport gefährden, fügte Saarela hinzu. Der finnische EU-Ratsvorsitz betont besonders die gesundheitsfördernde Rolle des Sports und die Rolle gemeinnütziger Sportorganisationen bei der Förderung der Bürgerbeteiligung.

Der Kommissar für Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit Jan Figel‘ sagte, es gebe durchaus Impulse für eine europäische Sportinitiative und bezog sich auf die aktuelle Debatte zum europäischen Profifußball, den Bericht des Parlaments zum Profifußball, der momentan vorbereitet wird, und eine Reihe wichtiger mit dem Sport zusammenhängender Themen, die aktuell in der europäischen Öffentlichkeit diskutiert werden. Der Kommission komme die Rolle zu, die speziellen Interessen des Sports mit den Anforderungen des Gemeinschaftsrechts in Einklang zu bringen, so Figel‘. Dazu gehörten die Arbeitnehmermobilität und die Regeln der UEFA im Hinblick auf junge Fußballspieler, die Freizügigkeit des Kapitals und der Zugang von Fußballvereinen zu den Aktienmärkten sowie viele Aspekte des Wettbewerbs und des Wettbewerbsrechts, wie die Medienrechte, die eine bedeutende Einkommensquelle für den Sport seien, erklärte der Kommissar.

Figel‘ fügte hinzu, dass die Kommission dazu bereit sei, Antworten auf die Bedenken aller Stakeholder zu geben, um so den Sport und seine Besonderheiten im europäischen Entscheidungsprozess zu fördern und eine größere rechtliche Klarheit zu erreichen.