Verbraucherpolitik: Industrie hat größeren Einfluss erlangt, so BEUC-Vorsitzender
Der Einfluss der Industrie auf die Kommission sei größer als je zuvor, so Rasmus Kjeldahl, Vorsitzender des europäischen Verbraucherverbands BEUC. Trotzdem werde der Verbraucherschutz auch weiter ein Prioritätsbereich sein, da er den Bürgern besonders wichtig sei und somit dazu beitragen könne, die EU-Institutionen den Bürgern näher zu bringen.
Der Einfluss der Industrie auf die Kommission sei
größer als je zuvor, so Rasmus Kjeldahl, Vorsitzender des
europäischen Verbraucherverbands BEUC. Trotzdem werde der
Verbraucherschutz auch weiter ein Prioritätsbereich sein, da
er den Bürgern besonders wichtig sei und somit dazu
beitragen könne, die EU-Institutionen den Bürgern näher zu
bringen.
„Ich bin der Meinung, dass die Industrie unter der
Prodi-Kommission mehr Einfluss in der Kommission erlangt hat (…)
wir haben gesehen, dass die Industrie im Zusammenhang mit SANCO
viel stärker anwesend war (…) die Lobbyisten haben sich
überall auf sehr wirksame Weise eingebracht,“ so
BEUC-Präsident Rasmus Kjeldahl gegenüber EURACTIV. „Und ich denke,
dass wenn man die neue Kommission und die Wahl der Ressorts und
Kommissare analysiert, dass man sehen wird, dass die Industrie
einen weitere Schritt vorwärts gemacht hat“, fügte Kjeldahl
hinzu.
Seiner Ansicht nach wird der Verbraucherpolitik zunehmend
mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Der Verbraucherschutz hat
Umweltschutz, als das Thema, das den Bürgern am nächsten ist,
ersetzt. „Sowohl das Parlament als auch die Kommission sind der
Meinung, dass sie Themen brauchen, die sie den Menschen näher
bringt und ich denke, dass der Verbraucherschutz zu diesen
Themenbereichen gehört. (…) Ich bin der Ansicht, dass Umweltthemen
viele Jahre lang dieses Thema waren. Jetzt steht die Umwelt jedoch
nicht mehr ganz so hoch oben auf der Agenda wie früher“, erläuterte
Kjeldahl. Darüber hinaus gibt es wichtige Persönlichkeiten, wie
beispielsweise Robert Madelin, dem Generaldirektor von GD SANCO,
der sich sehr für dieses Thema interessiert, die sich für
Fortschritte beim Verbraucherschutz einsetzen“, so
Kjeldahl.
Eine der Prioritäten des neu gewählten BEUC-Vorsitzenden für die
kommenden zwei Jahre wird in der Integrierung des
Verbraucherschutzes in andere Politikbereiche bestehen. Der Aufbau
von starken Verbraucherschutzorganisationen in den neuen
Mitgliedstaaten sei, Kjeldahl zufolge, ein weiteres wichtiges Ziel,
das dazu beitragen soll, dass BEUC seine starke
Lobbying-Position in Brüssel als der führenden
Verbraucherorganisation aufrechterhalten kann.
Auf eine Frage von EURACTIV bezüglich der Lebensmittelsicherheit
in der erweiterten EU und die Frage, ob Besorgnisse, die vor
der Erweiterung bestanden haben, begründet gewesen seien,
antwortete Kjeldahl: „Wir, als Verbraucherverband, haben keine
Belege dafür, dass mit dem Thema Sicherheit nicht angemessen
umgegangen worden ist“. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des
dänischen Verbraucherrates konnte Kjeldahl darüber Aufschluss
geben, dass die Importe aus den neuen Mitgliedstaaten zugenommen
hätten, was voraussichtlich zu Preissenkungen führen
würde.
Zur sozialen Verantwortung von Unternehmen (CSR) sagte der
BEUC-Vorsitzende, dass das Thema ein zunehmend wichtigere Rolle
spiele, dass jedoch ein Mangel an Nachweisführung herrsche.
„Generell denke ich, dass CSR extrem wichtig geworden ist and dass
wir eine Phase erreicht haben, in der sich ernste Unternehmen
hierüber im Klaren sind. Und einige Firmen unternehmen sogar etwas
in diese Richtung (…) aber in Wirklichkeit basiert das System
darauf, dass den Unternehmen vertraut wird, dass sie CSR auch
tatsächlich umsetzen, während kaum untersucht wird, ob diese
Behauptungen zutreffen,“ so Kjeldahl weiter. BEUC befasse sich mit
dieser Problematik, deren Lösung sowohl im Interesse der
Verbraucher als auch der Unternehmen sei.