Verheugen fordert schnelle Bezahlung

Mit einer Richtlinienänderung will die EU-Kommission der staatlichen Zahlungsmoral auf die Sprünge helfen. Verspätete Honorare kosten die betroffenen Unternehmen Milliardensummen.

Foto: Pixelio / Hartmut910
Foto: Pixelio / Hartmut910

Mit einer Richtlinienänderung will die EU-Kommission der staatlichen Zahlungsmoral auf die Sprünge helfen. Verspätete Honorare kosten die betroffenen Unternehmen Milliardensummen.

Die Kommission plant, die EU-Richtlinie zum Zahlungsverzug zu überarbeiten. Öffentliche Einrichtungen sollen verpflichtet werden, ihre Rechnungen innerhalb von 30 Tagen zu begleichen. Andernfalls müssen sie eine Säumnis-Pauschale von fünf Prozent sowie Verzugszinsen zahlen. Die Änderung soll voraussichtlich 2010 in Kraft treten.

„In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise mit wenigen alternativen Finanzierungsquellen und sinkender Nachfrage können ausbleibende Zahlungen dramatische Folgen haben“, bekräftige Kommissions-Vizepräsident Günter Verheugen eine entsprechende Initiative.

Die Änderung der Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (2000/35/EG) ist eines der Schlüsselelemente des Small Business Act (SBA), mit dem die EU-Kommission kleine und mittlere Unternehmen unterstützen will. Das Argument: Gerade kleine Firmen wie Handwerksbetriebe geraten schnell in Konkursgefahr, sollten ihre Rechnungen nicht zeitnah beglichen werden.

Eine öffentliche Konsultation der Kommission zeigte, dass die staatliche Zahlungsmoral in Europa zu wünschen übrig lässt. Gleich 38,2 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sehr oft Probleme zu haben, ihr Geld von öffentlichen Auftraggebern pünktlich zu erhalten. „Sehr oft“ bedeutet: In mehr als 75 Prozent der Fälle kam die Zahlung zu spät.

Die Kreditmanagementfirma Intrum Justitia schätzt, dass europäische Unternehmen pro Jahr 25 Milliarden Euro wegen verspäteter Zahlungen im privaten und öffentlichen Sektor verlieren.

Alexander Wragge

 Weiterführende Dokumente:

EU-Kommission: Änderungsvorschlag der Richtlinie

EU-Kommission: Studie zur Effektivität bisheriger EU-Vorgaben (2006)