Was denken die Serben über den EU-Beitritt?
Das Ministerium für europäische Integration hat die Ergebnisse einer Umfrage über die Einstellung der Serb:innen zum EU-Beitritt veröffentlicht.
Das Ministerium für europäische Integration hat die Ergebnisse einer Umfrage über die Einstellung der Serb:innen zum EU-Beitritt veröffentlicht. Die Begeisterung ist derzeit eher verhalten.
Wenn morgen ein Referendum mit der Frage „Unterstützen Sie den Beitritt Serbiens zur EU“ abgehalten würde, würden 43 Prozent mit „Ja“ und 32 Prozent mit „Nein“ stimmen.
Ein Drittel der Teilnehmer:innen hat eine positive und ein Drittel eine negative Einstellung zur EU. Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Probleme zwischen Belgrad und Priština in Bezug auf den Kosovo ohne Berücksichtigung der Erwartungen an die Europäische Union gelöst werden sollten.
Fast ein Viertel der Teilnehmer:innen gibt an, dass sie persönlich keine Vorteile von einem EU-Beitritt Serbiens verspüren würden.
Mit der EU verbinden 14 Prozent der Befragten bessere Beschäftigungsmöglichkeiten und 13 Prozent eine bessere Zukunft für die jungen Menschen. Aber 13 Prozent sind auch der Meinung, dass ein EU-Beitritt das Risiko mit sich bringen würde, „unsere eigene kulturelle Identität zu verlieren.“
Über 40 Prozent der Teilnehmer:innen geben an, dass sie bereit wären, ihre alltäglichen Lebensgewohnheiten mit dem Ziel eines EU-Beitritts zu ändern. Zu den genannten Gewohnheiten gehören Abfalltrennung für das Recycling, Energie- oder Wassersparen. Ein Drittel der Befragten würde seine Arbeitsgewohnheiten wie Arbeitszeiten, Urlaub oder Sozialleistungen ändern.
Die größte Sorge im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt gilt der Stellung der lokalen Landarbeiter:innen (37 Prozent). 33 Prozent befürchten den Verlust der nationalen Identität und Kultur und 30 Prozent, dass die Mitgliedschaft Serbien zu viel Geld kosten wird.
Die für die EU-Mitgliedschaft erforderlichen Reformen werden von 65 Prozent nicht als Bedingung für den Beitritt gesehen, sondern als notwendige Veränderungen für ein besseres Serbien an sich.
Des Weiteren empfindet ein gleicher Anteil, dass die Korruptionsbekämpfung der Bereich sei, in dem Serbien bisher die größten Fortschritte gemacht hat. Darauf folge der Verbraucherschutz, ein besserer Schutz der Rechte der Bürger:innen, die Justizreform sowie die verbesserte Lebensmittelqualität.
Mehr als ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass eine EU-Mitgliedschaft bedeuten würde, dass man in Krisensituationen auf die Unterstützung anderer Mitgliedstaaten rechnen könnte.
Die meisten Befragten konnten nicht abschätzen, wie viele Zuschüsse Serbien jährlich von der EU erhält.
Wenn es um EU-Fonds geht, gibt fast ein Drittel an, gerne besser über konkrete Projekte in Serbien informiert zu werden. Jeder dritte Befragte gibt an, schon einmal von einem mit EU-Mitteln finanzierten Projekt gehört zu haben.
Dies waren zumeist Projekte in den Bereichen Umweltschutz, Bildung und Gesundheit. Weiterhin gaben 28 Prozent der Befragten an, dass der größte Geldgeber Serbiens seit dem Jahr 2000 die Europäische Union sei. Danach folgen China und Russland, anschließend Norwegen und an fünfter Stelle die USA.
Für ein Viertel der serbischen Bürger:innen wäre die Schweiz das bevorzugte Auswanderungsland, während es für ein Fünftel Deutschland wäre.
Nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürger:innen nahmen an der Studie teil, welche von der Agentur „Smart Plus Research“ durchgeführt wurde.