'Weckruf'-Bericht warnt: Erreichen der EU-Klimaziele wackelt
Die EU muss die Umsetzung des Europäischen Green Deal beschleunigen, wenn sie bis 2050 Klimaneutralität erreichen will, so ein neuer Leitbericht, der am Montag (26. Juni) veröffentlicht wurde.
Die EU muss die Umsetzung des Europäischen Green Deal beschleunigen, wenn sie bis 2050 Klimaneutralität erreichen will, so ein neuer Leitbericht, der am Montag (26. Juni) veröffentlicht wurde.
Der erste Bericht der neu gegründeten Europäischen Beobachtungsstelle für Klimaneutralität enthält eine Bewertung von 13 Bausteinen, die als wesentlich angesehen werden, um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erreichen – in Bereichen, die von der Industrie über die Mobilität bis hin zu Governance und Außenpolitik reichen.
Die im Rahmen des Europäischen Green Deals eingeführten Maßnahmen gehen zwar alle in die richtige Richtung, reichen aber nicht aus, um die Klimaziele der EU zu erreichen, so der Bericht des Berliner Ecologic Instituts.
„Unsere Ergebnisse sind ein Weckruf, dass die EU schneller handeln und ihre Datenerfassung und Fortschrittskontrolle verbessern muss, damit wir nicht im Blindflug die umfassende Herausforderung der Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft angehen“, sagte Eike Karola Velten, die Hauptautorin des Berichts.
Langfristige Planung, wirksame Überwachung und gezielte politische Maßnahmen seien der Schlüssel für einen erfolgreichen Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft, so Velten.
„Die EU muss sich Gedanken darüber machen, wie alle Bausteine der Gesellschaft zusammenpassen und Hindernisse aus dem Weg räumen, um sicherzustellen, dass die entscheidenden strukturellen Veränderungen zur Schaffung einer klimaneutralen Wirtschaft in Gang kommen“, sagte Velten.
Insgesamt wird festgestellt, dass die EU erfolgreich die Weichen für eine grünere Zukunft gestellt hat, aber bei der Umsetzung noch an Tempo zulegen muss.
Zwar gehen alle untersuchten Bausteine in die richtige Richtung, aber sie bewegen sich nicht schnell genug, um die Ziele der EU zu erreichen. Abgesehen von den Bereichen Elektrizität und Governance, die in der Analyse am besten abschneiden, werden die Fortschritte bei den anderen Bausteinen entweder als „zu langsam“ oder „viel zu langsam“ eingestuft.
Dazu gehören Technologien zur Beseitigung von CO2, die derzeit nicht im gewünschten Umfang eingesetzt werden. Da natürliche CO2-Senken wie Wälder aufgrund des Klimawandels zunehmend unter Druck geraten, ist die Rolle von CDR bei der Emissionsreduzierung laut dem Bericht mit erheblichen Risiken verbunden.
Auch die Finanzierung von Klimamaßnahmen sei unzureichend, warnt der Bericht, was alle anderen Bausteine, die auf höhere Investitionen angewiesen sind, infrage stelle.
Die Erhöhung der Subventionen für fossile Brennstoffe und andere kontraproduktive Anreize, die während der Energiekrise im vergangenen Jahr eingeführt wurden, könnten zu einem Engpass für den gesamten Übergang führen.
Ein weiterer Grund zur Sorge ist die Klimaanpassung. Da Europa aufgrund der globalen Erwärmung immer häufiger von extremen Wetterereignissen heimgesucht wird, sind sowohl die Wirtschaftsstrukturen der EU als auch das Leben ihrer Bürger ernsthaft gefährdet, so der Bericht.
Mit Blick auf die Zukunft weist die Europäische Beobachtungsstelle für Klimaneutralität auf Datenlücken hin und erklärt, dass ein robusteres Überwachungssystem erforderlich ist, um die Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele der EU zu verfolgen und eine regelmäßige Überprüfung der bestehenden Politik zu ermöglichen.
Unzureichende Informationen lassen die Entscheidungsträger im Unklaren über Hindernisse und Stagnation, was einen detaillierten, offenen Überwachungsrahmen umso notwendiger macht, so der Bericht.
Die Fülle neuer politischer Maßnahmen, die seit dem Start des Europäischen Green Deal eingeführt wurden, gibt zwar Grund zum Optimismus. Forscher warnen jedoch, dass die EU es sich nicht leisten kann, selbstzufrieden zu sein.
„Die Klimakrise erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, um sicherzustellen, dass wir nicht nur unsere kurzfristigen Emissionsziele erreichen, sondern auch die Grundlagen schaffen, um in den kommenden Jahrzehnten auf dem richtigen Weg zu bleiben“, so Aleksander Śniegocki, Mitverfasser des Berichts und Geschäftsführer des Reforminstituts in Warschau.
Die Europäische Kommission wird voraussichtlich im September ihre erste Bewertung der Fortschritte im Bereich der Klimaneutralität veröffentlichen.
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Nathalie Weatherald]