Weltklimarat: Erderwärmung gefährdet Lebensmittelversorgung
Der fortschreitende Klimawandel wird die globale Lebensmittelproduktion schwer belasten und könnte für Millionen Menschen weltweit Ernährungsunsicherheit bedeuten. Zu dem Ergebnis kommt der Weltklimarat (IPCC) in seinem neuen Bericht.
Der fortschreitende Klimawandel wird die globale Lebensmittelproduktion schwer belasten und könnte für Millionen Menschen weltweit Ernährungsunsicherheit bedeuten. Zu dem Ergebnis kommt der Weltklimarat (IPCC) in seinem neuen Bericht.
Der Bericht „zeigt, dass sich die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsmittelproduktion und den Zugang zu Nahrungsmitteln mit jedem Grad der globalen Erwärmung verschlimmern werden“, so Toshihiro Hasegawa, einer der koordinierenden Hauptautoren.
Der Weltklimarat, ein Gremium der Vereinten Nationen (UN), das relevante wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel sammeln und bewerten soll, ist derzeit dabei, seinen sechsten Sachstandsbericht vorzulegen. Der Teil des Berichts, der heute veröffentlicht wurde, befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels und der Klimafolgenanpassung.
Das Papier wurde von 195 Regierungen weltweit offiziell angenommen.
Laut dem Bericht muss sich die Lebensmittelproduktion besser für die Auswirkungen des Klimawandels wappnen. Den Forschenden zufolge beeinträchtigt der Klimawandel bereits jetzt die Ernährungssicherheit in gefährdeten Regionen wie Asien und Afrika und verlangsamt das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktivität.
Darüber hinaus kommt das Gremium zu dem Ergebnis, dass selbst ein geringer Anstieg der globalen Temperatur zu einer Zunahme der Schwere und Häufigkeit extremer Wetterereignisse führen wird.
„Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen könnten zu plötzlichen Einbußen bei der Nahrungsmittelproduktion führen, die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben und den Zugang zu vielfältigen und nahrhaften Nahrungsmitteln einschränken“, so Hasegawa.
Widerstandsfähige Lebensmittelproduktion
Portugal und Spanien erleben diesen Winter die schlimmste Dürre seit 15 Jahren, die zu Wasserknappheit und Störungen in der landwirtschaftlichen Produktion geführt hat. Die EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, warnte deshalb kürzlich bei einer Rede im europäischen Parlament, dass extreme Wetterereignisse wie Dürren in Zukunft nur noch häufiger auftreten würden. Die nationalen Produktionssysteme müssten daher widerstandsfähiger gemacht werden, so die Kommissarin.
Im vergangenen Jahr waren mehrere Länder, darunter Deutschland und Belgien, von starken Regenfällen und schweren Überschwemmungen heimgesucht worden, die Ernten und landwirtschaftliche Lagerbestände vernichteten.
Dem Bericht zufolge könnten klimabedingte Gefahren auch Lieferketten für Lebensmittel beeinträchtigen, was für Länder, die von Lebensmittelimporten abhängig sind, schwerwiegende Folgen haben könnte.
Angesichts der prognostizierten schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels sei es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Lebensmittelproduktion anpasst, erklärte Hasegawa.
„Es gibt zwar viele Anpassungsmöglichkeiten für die Lebensmittelsysteme, aber es muss noch viel mehr getan werden, um schwerwiegende Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden“, sagte er. Eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Feldfrüchten, Nutztieren und Fischarten habe „das Potenzial, vielfältige Vorteile zu bieten.“
Die Europäische Kommission hatte vor kurzem eine Mitteilung zur Ernährungssicherheit vorgelegt, die sich unter anderem mit den durch den Klimawandel und die Abhängigkeit von Importen bedingten Risiken befasst. Eine der in dem Papier vorgeschlagenen Lösungen war die Einrichtung einer Expertengruppe zur Überwachung und Warnung vor bevorstehenden Risiken.
Ärmste Regionen am stärksten betroffen
Millionen von Menschen könnten von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein, warnen die Forscher. Die härtesten Auswirkungen des Klimawandels werden dem Bericht zufolge die ärmsten Menschen der Welt zu spüren bekommen – Europa könnte dagegen weniger betroffen sein als andere Regionen.
„Die Wissenschaft ist eindeutig“, sagte der UN-Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, Olivier De Schutter. „Ohne eine grundlegende Wende bei den CO2-Emmissionen und der Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben, werden wir wahrscheinlich massenhafte Ernteausfälle und einen Zusammenbruch des Nahrungsmittelsystems erleben.“
Er betonte, dass Menschen in Armut „zuerst und am stärksten von einer Krise betroffen sein werden, die sie nicht verursacht haben“.
Die Forschenden machten auch besorgniserregende Prognosen für die Entwicklung der Bodengesundheit: Bis 2050 könnte ein großer Teil der Landflächen der Erde degradiert sein, heißt es in dem Bericht. Auch die Bestäubung würde bei einem Temperaturanstieg von 2 % geschwächt werden, während sich Schädlinge und landwirtschaftliche Krankheiten weiter ausbreiten würden.
Im November 2021 hatte die Kommission ihre Europäische Bodenstrategie vorgelegt, in der sie sich verpflichtet, bis 2023 ein Gesetz zur Bodengesundheit vorzulegen, das dem Boden den gleichen Schutzstatus wie Wasser und Luft einräumen würde.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]