Windows 7 ohne Explorer
Der Dauerstreit mit der EU-Kommission kostete Microsoft bereits 1,7 Millarden Euro. Im Fall des Internet-Explorers probiert es der US-Konzern mit einer Annäherung. Die Kommission bleibt skeptisch.
Der Dauerstreit mit der EU-Kommission kostete Microsoft bereits 1,7 Millarden Euro. Im Fall des Internet-Explorers probiert es der US-Konzern mit einer Annäherung. Die Kommission bleibt skeptisch.
Das neue Microsoft-Betriebssystems (Windows 7) soll in Europa ohne Internet Explorer auf den Markt kommen (Verkaufsstart 22. Oktober 2009). Um EU-Wettbewerbsrecht zu entsprechen, werde der Browser nicht vorinstalliert, teilte der US-Konzern am 11. Juni 2009 mit. Die EU-Kommission will nun prüfen, ob damit die freie Wahl der Verbraucher gewährleistet wird.
Dem Softwareriesen zufolge soll der Microsoft-Browser Internet Explorer den Nutzern in Europa gesondert in einer leicht zu installierenden Version angeboten werden, statt wie bislang vorinstalliert beim Betriebssystem Windows.
Der Schritt solle eine problemlose Markteinführung von Windows 7 im Oktober sichern, schrieb Microsoft-Anwalt Dave Heiner in einem Firmenblog.
Microsoft hält den Rekord bei Wettbewerbsstrafen
Hintergrund ist das laufende Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Microsoft, eingeleitet nach einer Beschwerde des norwegischen Browser-Herstellers Opera. Die Norweger werfen Microsoft vor, mit der Kopplung von Windows und Internet Explorer den Wettbewerb zu behindern.
Die Microsoft-Konkurrenten Mozilla und Google schlossen sich der Beschwerde an. Auch der IT-Verband European Committee for Interoperable Systems (ECIS), unterstützt das Verfahren gegen den US-Softwareriesen.
"Kleinere, innovativere Browser-Entwickler brauchen Chancengleichheit", sagte ECIS Sprecher Thomas Vinje am 15. April 2009.
Zum wiederholten Mal muss Microsoft aus Brüssel eine hohe Wettbewerbsstrafe fürchten. Der Konzern aus Seattle hält bei EU-Bußgeldern den einsamen Rekord: 899 Millionen Euro wurden im Februar 2008 fällig – wegen überhöhter Lizenzgebühren für technische Informationen.
Für die Koppelung seines Betriebssystems mit dem Windows-Media Player musste Microsoft 500 Millionen Euro Strafe zahlen. Ingesamt belaufen sich die bisherigen Bußgelder auf rund 1,7 Milliarden Euro.
EU skeptisch
Auf die Ankündigung von Microsoft reagierte die Kommission am 11. Juni zurückhaltend. Das Wettbewerbsverfahren solle "in Kürze" entschieden werden, hieß es in einer Erklärung. Wenn die Kommission abschließend einen Verstoß von Microsoft gegen Wettbewerbsregeln feststelle, werde als mögliche Lösung vorgeschlagen, den Verbrauchern eine Auswahl verschiedener Browser anzubieten – und nicht die Auslieferung des Betriebssystems ohne Browser.
Internet Explorer – Marktanteile schwinden
Noch vor einigen Jahren hatte Microsoft im Browsermarkt noch einen Marktanteil von mehr als 95 Prozent, war also quasi Monopolist.
Im Mai belief sich der Marktanteil nach Erhebungen der Marktforscher von Net Applications noch auf 66 Prozent. Vor allem die Konkurrenten Firefox (23 Prozent) und Apples Safari (8,4 Prozent) konnten zuletzt Marktanteile dazugewinnen. Der führende Suchmaschinen-Betreiber Google, der mit der Software Chrome ebenfalls einen Internet-Browser anbietet, hatte sich im Februar der Opera-Beschwerde angeschlossen.
awr mit afp/dpa
Infos und Historie zum Konflikt:
heise online: EU vs. Microsoft: Windows 7 in Europa ohne Webbrowser (12. Juni 2009)
Kommentare:
ftd.de: Microsoft – Bitte keine Hintergedanken (12. Juni 2009)
faz.net: Windows amputiert (12.Juni 2009)