Zu kostspielig: Bulgarien lehnt 6 Lieferungen von US-LNG ab

Die bulgarische Regierung hat beschlossen, nur eine der sieben vereinbarten Flüssiggaslieferungen des US-Unternehmens Cheniere anzunehmen, obwohl der Preis fast 30 Euro unter dem an den europäischen Gasbörsen angebotenen Preis liegt.

EURACTIV.bg
Gas,Tanker,Sailing,In,Ocean,,Top,View.,3d,Rendering
Bulgarien und Polen waren die ersten beiden europäischen Länder, deren Gaslieferungen von Gazprom eingestellt wurden, weil sie sich weigerten, den Brennstoff in Rubel zu bezahlen. [[Shutterstock/AlexLMX]]

Die bulgarische Regierung hat beschlossen, nur eine der sieben vereinbarten Flüssiggaslieferungen des US-Unternehmens Cheniere anzunehmen, obwohl der Preis fast 30 Euro unter dem Preis an europäischen Handelsbörsen liegt.

Derzeit ist die von Präsident Rumen Radev ernannte Übergangsregierung an der Macht. Seine politischen Gegner:innen warfen dem Präsidenten vor, er versuche, die Lieferungen von Gazprom wieder aufzunehmen.

Bulgarien und Polen waren die ersten beiden europäischen Länder, deren Gaslieferungen von Gazprom eingestellt wurden, weil sie sich weigerten, den Brennstoff in Rubel zu bezahlen. Die Behörden in Sofia decken seither etwa ein Drittel des benötigten Gases über einen langfristigen Vertrag mit Aserbaidschan ab, die übrigen Importe erfolgen über kurzfristige Verträge.

Im Juni, in den letzten Tagen ihrer Amtszeit, handelte die Regierung von Kiril Petkov mithilfe der Europäischen Kommission die Lieferung von sieben Tankschiffen mit Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten aus.

Die amerikanischen Erdgaslieferungen hätten etwa die Hälfte der fehlenden Mengen für Bulgarien ausmachen können. Die Regierung Petkov wurde jedoch durch ein Misstrauensvotum abgesetzt. Für den 2. Oktober sind vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt.

Der kommissarische Energieminister Rosen Hristov erklärte am Freitag, das Angebot für Flüssiggas sei abgelehnt worden, weil es kostspielig sei, LNG-Slots in der Türkei und Griechenland zu reservieren. Hristov erklärte, Bulgarien könne zwar Gaslieferanten finden, doch seien die hohen Preise das Problem.

„Die Mengen beunruhigen uns nicht so sehr wie die Tendenz zur Erhöhung der Marktpreise“, sagte der Minister.

Das Ziel der bulgarischen Regierung sei es, eine systematische Versorgung mit Gas durch Pipelines zu gewährleisten, fügte er hinzu. In der kommenden Woche werden Verhandlungen mit drei türkischen Unternehmen geführt, um feste Lieferangebote für sechs bis zwölf Monate zu erzielen, wobei es vorrangig darum geht, die Liefermengen bis zum Ende des Winters zu sichern.

Außerdem werden nächste Woche Gespräche über eine Erhöhung der aserbaidschanischen Lieferungen geführt, wobei der Preis von dem des derzeitigen Vertrags abweichen dürfte. Hristov sagte, der aserbaidschanische Botschafter in Sofia habe ihnen versichert, dass es Reserven für zusätzliche Lieferungen gebe.

Das Pro-Europäische Wahlbündnis Demokratisches Bulgarien erklärte, die Regierung versuche, die bulgarische Energieversorgung dahingehend zu gestalten, dass Gazprom eine Alternative bleibe.