„Zunehmende wirtschaftliche Probleme“: Die Eurozone schrumpft zum ersten Mal in 16 Monaten
Das deutsche Wirtschaftsministerium senkte die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1 % auf 0,5 %, während der von der Europäischen Kommission erstellte Verbrauchervertrauensindex auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2022 fiel.
Neuen Daten zufolge ist die Geschäftstätigkeit in der Eurozone im April zum ersten Mal seit über einem Jahr geschrumpft, da der durch den Iran-Krieg ausgelöste Anstieg der Energiepreise und die Versorgungsengpässe weiterhin die wirtschaftlichen Aussichten Europas stark beeinträchtigen.
Ein am Donnerstag veröffentlichter vorläufiger zusammengesetzter Einkaufsmanagerindex ergab, dass die Gesamtaktivität im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor im Euroraum in diesem Monat auf 48,6 Punkte gesunken ist, nach 50,7 Punkten im März – womit der Index zum ersten Mal seit sechzehn Monaten unter die 50-Punkte-Marke fiel, die Wachstum von Schrumpfung trennt.
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„Die Eurozone sieht sich aufgrund des Krieges im Nahen Osten mit sich verschärfenden wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, was den politischen Entscheidungsträgern große Kopfschmerzen bereitet“, sagte Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global Market Intelligence, dem Ersteller des Index.
„Zunehmend weit verbreitete Versorgungsengpässe… drohen das Wachstum weiter zu dämpfen und gleichzeitig den Aufwärtsdruck auf die Preise in den kommenden Wochen zu verstärken“, fügte er hinzu.
Einbruch der Dienstleistungsaktivitäten in Deutschland und Frankreich
Der Rückgang war vor allem auf den Einbruch der Dienstleistungsaktivitäten in Deutschland und Frankreich, den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, zurückzuführen. Auch die Gesamtaktivität in Deutschland ging zum ersten Mal seit fast einem Jahr zurück, während der Gesamtindex für Frankreich so stark schrumpfte wie zuletzt vor 14 Monaten.
Auch der Inflationsdruck nahm in der gesamten Union zu: Die Inputkosten stiegen so schnell wie seit 2022 nicht mehr, und die Verkaufspreise erreichten den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.
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„Wenn man die COVID-19-Pandemie außer Acht lässt, ist dies der größte Anstieg des Kostendrucks, den wir seit 2000 verzeichnet haben“, sagte Williamson und fügte hinzu, dass die Europäische Zentralbank vor der „wenig beneidenswerten Aufgabe“ stehe, bei der Sitzung ihres Zinsausschusses am 30. April zu entscheiden, ob die Zinsen angehoben werden sollen, um den Preisanstieg einzudämmen.
Möglichen erneute Eskalation des Krieges
Die Umfrage erscheint vor dem Hintergrund zunehmend besorgniserregender Anzeichen für die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die ohnehin schon schwächelnde europäische Wirtschaft. Am Mittwoch senkte das deutsche Wirtschaftsministerium die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1 % auf 0,5 %, während ein von der Europäischen Kommission erstellter Index des Verbrauchervertrauens auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2022 fiel.
Die Daten erscheinen zudem vor dem Hintergrund von Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen erneuten Eskalation des Krieges, der derzeit einem wackeligen Waffenstillstand unterliegt. Der Iran hat am Mittwoch zwei Containerschiffe beschlagnahmt, die die Straße von Hormus verlassen wollten, während Berichten zufolge keine Verhandlungen zwischen Teheran und Washington geplant sind.
„Wenn überhaupt, deuteten die jüngsten Schritte auf eine Eskalation hin“, schrieben Analysten der Deutschen Bank am Donnerstag.
(ow)