Afrikas und Europas Landwirtschaft braucht Schutz
Zum sechsten Gipfeltreffen zwischen der EU und der Afrikanischen Union fordern Kleinbäuer:innen von Dachverbänden in Afrika und Europa eine kohärente Politik zum Schutz der kleinbetrieblichen afrikanischen und europäischen Landwirtschaft.
Im Vorfeld des sechsten Gipfeltreffens zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union fordern Kleinbäuer:innen von Dachverbänden in Afrika und Europa eine kohärente Politik zum Schutz der kleinbetrieblichen afrikanischen und europäischen Landwirtschaft.
Von Klimafragen bis hin zum Handel: Ibrahima Coulibaly, Morgan Ody und Sonia Vidal fordern, dass die künftigen Beziehungen auf gegenseitigem Respekt und gesellschaftlichen Bedürfnissen aufbauen sollen.
Ibrahima Coulibaly ist Präsident des Netzwerks der Bauern- und landwirtschaftlichen Erzeugerorganisationen Westafrikas (ROPPA), und Morgan Ody und Sonia Vidal sind Mitglieder des Koordinierungsausschusses der Europäischen Koordination Via Campesina.
Das sechste Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union wird am 17. und 18. Februar in Brüssel stattfinden. Bei dieser Gelegenheit betonen wir als Bäuer:innen in Afrika und Europa gemeinsam die dringende Notwendigkeit, die Ernährungssouveränität auf unseren beiden Kontinenten wiederherzustellen.
Auch heute noch werden Menschen in Europa und Afrika durch bäuerliche und familiäre Landwirtschaft ernährt. Unsere kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe schaffen Arbeitsplätze und sichern den Lebensunterhalt ländlicher Gebiete.
Wissenschaftler:innen sind sich über die Dringlichkeit einer globalen agrarökologischen Umstellung einig, um auf die Klimakrise und den Zusammenbruch der biologischen Vielfalt zu reagieren. Daher sollte es eine gemeinsame Priorität sein, eine große Anzahl von Höfen zu erhalten, die in allen Gebieten eine diversifizierte Landwirtschaft betreiben.
Doch die jahrzehntelange Deregulierungspolitik und die Öffnung der Agrarmärkte haben unsere Betriebe geschwächt.
Durch die Konkurrenz von Billigimporten wird die lokale landwirtschaftliche Produktion so weit untergraben, dass viele Landwirt:innen ihre Tätigkeit aufgeben müssen.
Die Liberalisierung von Investitionen öffnet die Tür für massiven Land- und Wasserraub durch multinationale Organisationen oder Hedge-Fonds zu Lasten von Kleinbetrieben.
Anstatt junge Menschen zu unterstützen, die sich in diesem Beruf niederlassen möchten, fördern die Regierungen falsche technologische Lösungen wie GVO, Digitalisierung oder Robotik.
Für diese Situation sind in erster Linie die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Ländern der Afrikanischen Union verantwortlich.
Dies ist alles andere als eine ausgewogene Partnerschaft. Die Interessen der großen europäischen Unternehmen haben systematisch Vorrang vor den Interessen der Menschen und der Gesellschaft.
Der Vorrang des internationalen Handels vor der lokalen Produktion hat zu einem Verlust der Ernährungssouveränität geführt, der ernste Ernährungskrisen zur Folge haben könnte. Die wachsende Abhängigkeit vieler afrikanischer Länder von Nahrungsmittelimporten erhöht die Anfälligkeit für Marktschwankungen. Auch Europa ist nicht vor größeren Ausfällen gefeit, wie die Situation zu Beginn der Coronapandemie gezeigt hat.
Wenn die Getreidepreise auf den internationalen Märkten in die Höhe schießen, sind die Erinnerungen an die Krise von 2008 und die damaligen Lebensmittelunruhen noch sehr lebendig, sowie auch die schmerzliche Feststellung, dass keine Lehren gezogen wurden.
Es ist höchste Zeit, die Beziehungen zwischen unseren beiden Kontinenten auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts und der Interessen unserer Völker neu zu gestalten.
Die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa muss sich auf die Ernährungssouveränität stützen. Das heißt, auf das Recht der Völker, ihre lokale Landwirtschaft zu schützen und damit den Hersteller:innen ein menschenwürdiges Einkommen zu sichern, auf das Recht auf Nahrung für alle und auf eine echte Unterstützung für die agrarökologische Transition.