Spionage in Albanien: Russen und Ukrainer angeklagt, Tschechen verhaftet

Die albanische Polizei hat am Sonntag zwei russische und einen ukrainischen Staatsbürger förmlich wegen Spionage angeklagt, die zuvor festgenommen worden waren.

EURACTIV.com
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Die albanische Polizei hat am Sonntag zwei russische und einen ukrainischen Staatsbürger förmlich wegen Spionage angeklagt. Am selben Tag wurden vier Personen tschechischer Nationalität verhaftet, die eine stillgelegte Militärfabrik in Polican im Süden des Landes betreten hatten.

Die albanische Polizei hat am Sonntag zwei russische und einen ukrainischen Staatsbürger wegen Spionage angeklagt, die zuvor festgenommen worden waren.

Sie hatten versucht, in eine militärische Sperrzone einzudringen und dann Militärwachen offenbar mit Nervenlähmungsspray besprüht. Am selben Tag wurden vier Personen tschechischer Nationalität verhaftet, die eine stillgelegte Militärfabrik in Polican im Süden des Landes betreten hatten.

Der Vorfall, in den russische und ukrainische Staatsbürger verwickelt waren, ereignete sich am Samstag in der Militäranlage Gramsh. Nachdem sie auf dem Gelände der stillgelegten Anlage, in der heute Waffen gelagert und zerlegt werden, gesichtet worden waren, wurden sie von Wachleuten angesprochen.

Einer der Verdächtigen wandte sich gegen die Beamten und besprühte sie mit einer Substanz, die eine vorübergehende Erblindung verursachte, letztendlich wurden jedoch alle drei festgenommen.

Nach Angaben der Polizei wurden sie in zwei Fällen wegen Spionage angeklagt. Zu den sichergestellten Beweismitteln gehören Laptops, Drohnen, Mobiltelefone und ein als Kamera getarntes Spionagegerät.

Es wird berichtet, dass die Personen als Touristen nach Albanien eingereist waren, da russische Staatsbürger in den Sommermonaten kein Visum benötigen. Außerdem wird angenommen, dass sie das Areal vor dem Vorfall bereits mehrere Tage lang fotografiert und ausgekundschaftet hatten.

Die albanischen Behörden haben die russische und ukrainische Botschaft in Tirana gebeten, nähere Informationen über die beteiligten Personen zu liefern.

Auf den Vorfall folgte kurz darauf ein weiterer, diesmal auf einem stillgelegten Militärgelände in Polican, wo die Polizei vier tschechische Staatsangehörige festnahm.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ereignete sich der Vorfall am Sonntagmorgen gegen 8:40 Uhr in einem der Tunnel der Anlage.

Die Militär- und Staatspolizei „isolierte die Eingänge zu den Tunneln, die fast alle miteinander in Verbindung stehen, und nahm nach Durchsuchungen zwei Personen tschechischer Nationalität fest“, wie die Polizei erklärte.

Gegen Mittag seien in 1,5 Kilometer Entfernung von den Tunneln zwei weitere Personen tschechischer Staatsangehörigkeit, „die mit den beiden oben genannten Personen zusammenleben, gefunden und mitgenommen worden“, heißt es weiter.

Das Ministerium teilte mit, dass die Sicherheitskräfte derzeit Verfahren und Untersuchungen zu diesem Vorfall durchführen.

Medienberichten zufolge behaupten die tschechischen Bürger, sie seien Touristen, die sich verlaufen hätten.

„Wir sind Touristen; wir haben Fotos gemacht, uns verlaufen und sind in den Tunnel gegangen. Wir haben keine bösen Absichten“, sagten sie nach Angaben lokaler Medien.

Das Werk in Polican wurde 1962 gegründet, um während der kommunistischen Ära Kalaschnikow-Waffen, 82-mm-Munition, Granaten und Antipersonenminen herzustellen, und ist derzeit nicht in Betrieb.

Uneinigkeit bei Visaangelegenheiten

Die Vorfälle, bei denen ausländische Staatsangehörige sich als Tourist:innen ausgegeben hatten, waren besonders gravierend angesichts der Tatsache, dass die EU-Länder uneins sind, was die Frage angeht, ob sie russischen Tourist:innen die Einreise in die EU verbieten sollten.

Lettland, Litauen und Polen haben unmittelbar nach dem Einmarsch des Kremls in der Ukraine die Erteilung neuer Touristenvisa ausgesetzt. Finnland kündigte letzte Woche an, dass es nur noch 10 Prozent der bisher bearbeiteten Visumanträge pro Tag bearbeiten werde. Andere EU-Länder, darunter Deutschland und Portugal, zeigen sich zurückhaltender.

Die Ukraine drängt die EU, russischen Tourist:innen die Einreise in die EU zu verweigern, hat aber unterschiedliche Antworten erhalten.

Das Thema soll bei einem Treffen der EU-Außenminister:innen am 31. August in Prag erörtert werden, da die 27 Nationen abwägen, ob sie eine einheitliche Position zu Kurzzeitvisa für gewöhnliche Russen einnehmen sollen.

Russen in der Adria

Hintergrund der jüngsten Vorfälle war eine Reihe von Manövern russischer Kriegsschiffe in der Adria. Nach Daten des Schiffsradars und einem Interview in La Repubblica mit dem Chef des Verteidigungsstabs, Admiral Cavo Dragone, liefen letzte Woche drei verschiedene russische Einheiten in dieses Gebiet ein.

Dazu gehören der Zerstörer Admiral Tributus, das Aufklärungsschiff Nikitic Tatishchev und der Kreuzer Varyag. Die Fregatte Admiral Grigorovich war im Ionischen Meer im Einsatz.

Die italienische Marine setzte verschiedene Land- und Lufteinheiten ein, um die russischen Schiffe genau zu verfolgen. Am Samstag hatten alle Teams die Adria verlassen und befanden sich im Ionischen Meer.

Premierminister Edi Rama reagierte auf Kritiker:innen, die behaupteten, die nationale Sicherheit sei nicht auf dem Niveau, auf dem sie sich befinden sollte.

„Die Institutionen funktionieren so, wie sie sollten“, schrieb er auf Twitter.

Der Premierminister des Kosovo, Albin Kurti, verurteilte den Vorfall und wünschte den beiden albanischen Soldaten eine baldige Genesung. Auch die Präsidentin des Kosovo, Vjosa Osmani, reagierte und erklärte, sie habe mit dem albanischen Präsidenten Bajram Begaj über den Angriff gesprochen.

„Ich wünsche den Verwundeten eine schnelle Genesung. Die Täter dieses Angriffs müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Unsere Institutionen stehen bereit, jede notwendige Unterstützung zu leisten“, schrieb sie auf Twitter.

Kurti warnt seit langem vor den Versuchen Russlands, den Balkan zu destabilisieren. Dazu gehört auch das Bündnis zwischen dem benachbarten Serbien und dem Kreml.