Albanischer PM kritisiert Rhetorik gegen albanische Diaspora

Premierminister Edi Rama hat sich zu den Vorurteilen gegenüber Albaner:innen und dem Stereotyp geäußert, dass sie alle kriminell seien. Dies geschah nach mehreren Monaten negativer Rhetorik aus dem Vereinigten Königreich.

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In seiner Rede vor dem Diaspora-Koordinierungsrat am Sonntag sagte Rama, dass zwar einige in die Welt der Kriminalität abgetaucht seien, dies aber nicht auf alle Albaner:innen zutreffe. [EPA-EFE/CLEMENS BILAN]

Premierminister Edi Rama hat sich zu den Vorurteilen gegenüber Albaner:innen und dem Stereotyp geäußert, dass sie alle kriminell seien. Dies geschah nach mehreren Monaten negativer Rhetorik aus dem Vereinigten Königreich, nachdem mehr und mehr Menschen in Booten den Ärmelkanal überquerten, um Asyl zu suchen.

In seiner Rede vor dem Diaspora-Koordinierungsrat am Sonntag sagte Rama, dass zwar einige in die Welt der Kriminalität abgetaucht seien, dies aber nicht auf alle Albaner:innen zutreffe.

„Albaner:innen leisten in allen Ländern, in die sie gehen, einen wichtigen Beitrag. Albaner:innen, die in die Welt der Kriminalität eingetreten sind, sind ein störendes Element, aber der Drogen-, Kriminalitäts- und Prostitutionsmarkt wurde nicht von Albaner:innen geschaffen, sondern sie haben ihn gefunden und sind Teil davon geworden. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Barrikade der Vorurteile durchbrechen werden“, sagte Rama.

Albaner:innen wurden lange Zeit als Kriminelle abgestempelt, die in den Drogen- und Menschenhandel verwickelt sind. Albanien hat zwar eine lange Geschichte des Cannabisanbaus und des Menschenhandels mit kriminellen Netzwerken in ganz Europa und darüber hinaus, aber das gilt nicht für die gesamte Diaspora.

In den letzten zehn Jahren haben etwa 700.000 Menschen Albanien verlassen, womit sich die Gesamtzahl seit dem Ende der geschlossenen Grenzen und der brutalen kommunistischen Diktatur im Jahr 1991 auf etwa 1,4 Millionen erhöht hat. Die derzeitige Migrationswelle wird durch eine Kombination von Problemen wie Armut, Korruption, psychosoziale Faktoren und langsame Fortschritte bei der Entwicklung der Infrastruktur ausgelöst.

Allein in diesem Jahr sind rund 14.000 Albaner:innen mit Booten nach Großbritannien gereist sind, von denen die meisten anschließend Asyl beantragten – und das, obwohl Albanien ein sicheres Land ist. Aus diesem Grund standen der EU-Anwärter und seine Regierung im Rampenlicht.

Ende Oktober bezeichnete die britische Innenministerin Suella Braverman die Ankunft der Albaner:innen als „Invasion.“ Seitdem haben einigen Medien und rechtsgerichtete Politiker:innen das Narrativ verbreitet, dass es sich bei den Albaner:innen um Kriminelle handelt, die keinen Anspruch auf Asyl haben.

Obwohl Albanien als sicheres Land gilt, wurden im Vereinigten Königreich bis zu 53 Prozent aller Asylanträge in erster Instanz und etwa 50 Prozent in zweiter Instanz bewilligt. In der EU gehören Albaner:innen seit mehreren Jahren zu den zahlreichsten Asylbewerber:innen, wobei die Anerkennungsquoten in den einzelnen EU-Ländern unterschiedlich hoch sind.

Rama wies auch darauf hin, dass Auswander:innen durch Überweisungen an Familienangehörige einen positiven Einfluss auf die albanische Wirtschaft haben.

„Es ist interessant, nicht zu vergessen, dass der Beitrag der Flüchtlinge zur Auswanderung in diesen drei Jahrzehnten in unserer Wirtschaft konstant bleibt. Die Überweisungen haben in der letzten Periode im Vergleich zu einer früheren Periode zugenommen. Dies zeugt von der Stärke der Bindungen zwischen Menschen, Familien und Bezirken, der Tradition, die auch heute noch im Kern der albanischen Familie stark ist“, sagte Rama.

Auf die Frage von EURACTIV in einem Interview, was er gegen die Massenmigration zu tun gedenke, sagte Rama, er könne ihnen nicht sagen, dass sie nicht gehen sollen, aber er könne hoffen, dass sie zurückkommen.

„Ich habe nie gedacht, und ich glaube immer noch nicht, dass es eine gute Idee ist, zu glauben, geschweige denn zu kommunizieren, dass die jungen Leute unbedingt hier bleiben sollten, weil ich denke, dass sie das Recht haben, es zu versuchen, und sie sollten von ihrer Freiheit Gebrauch machen, und es liegt absolut in ihrer Hand“, sagte Rama.

Auf die Frage, wie er die Abwanderung der jungen und gebildeten Menschen empfinde, antwortete er, dies sei ein Phänomen, das auch in vielen anderen Ländern zu beobachten sei.

„Ich denke, dass das Land eine Zeit lang unter diesem Phänomen der Abwanderung von Fachkräften leidet, aber wenn man sich die Geschichte ansieht, hat jedes Land diese Art von Trance durchgemacht, und in der Zukunft wird es von Vorteil sein. Ich sehe das nicht wirklich als Tragödie an. Ich sehe es als Teil dieser historischen Periode und auch als Teil des Lebens.