Arzneimittelengpässe: Frankreich will gemeinsame Einkäufe der EU
Durch gemeinsame Medikamenteneinkäufe auf europäischer Ebene könnten künftig Medikamentenengpässe vermieden werden, so der Präsident der nationalen Gesundheitsbehörde bei einer Anhörung im französischen Senat am Donnerstag.
Durch gemeinsame Medikamenteneinkäufe auf europäischer Ebene könnten künftig Medikamentenengpässe vermieden werden, so der Präsident der nationalen Gesundheitsbehörde bei einer Anhörung im französischen Senat am Donnerstag.
Das Problem der Arzneimittelknappheit betreffe die ganze EU, ein Management auf europäischer Ebene habe daher „bessere Chancen, wirksam zu sein“, sagte Dominique Le Guludec, Präsident der Hohen Gesundheitsbehörde Frankreichs, gegenüber den Senator:innen im Untersuchungsausschuss für Arzneimittelknappheit.
Für den Kauf von Medikamenten in besonderen Situationen verwies er auf die Rolle von HERA, der neuen EU-Agentur für gesundheitliche Notfälle.
Fehlende Medikamentenvorräte seien kein französischer Einzelfall, sondern ein „allgemeines Problem“ auf EU-Ebene, so Le Guludec, der die Bedeutung der „europäischen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten“ betonte.
Das Phänomen der Arzneimittelknappheit ist zwar nicht neu, hat sich aber in diesem Winter aufgrund einer Welle an Atemwegsinfekten wie COVID-19, Grippe und Bronchitis verschärft.
„Ärzte in Europa sind zutiefst besorgt über die zunehmende Verknappung von Arzneimitteln auf kurze und lange Sicht. Wir fordern die Europäische Union auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte der Ständige Ausschuss der europäischen Ärzte im Januar.
In Italien beispielsweise meldete die Arzneimittelbehörde (AIFA) einen Mangel an mehr als 3.000 Arzneimitteln, von denen 554 nicht mehr vorrätig sind.
Auf französischer Seite betonte der Präsident der Behörde ebenfalls die Rolle der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bei der Bewältigung der Krise und dem Dialog mit der Pharmaindustrie, während Probleme bei der Herstellung von Produkten „immer häufiger“ auftreten würden.
Im Januar hatte die EMA mitgeteilt, dass sie sich mit den Akteuren der Lieferketten von Amoxicillin, einem Antibiotikum, das unter Engpässen leidet, getroffen habe, um „regulatorische Unterstützung zur Steigerung der Produktionskapazitäten zu leisten.“
Bislang haben in Europa drei Werke, zwei in Frankreich und eines in Österreich, die Produktion von Medikamenten wie Paracetamol und Amoxicillin wieder aufgenommen.
„Europa wäre stärker, wenn es der Industrie eine Reihe von Beschränkungen auferlegen würde“, als wenn die Mitgliedsländer versuchen würden, Engpässe auf nationaler Ebene zu bewältigen, schloss Le Guludec.