Warum Bulgarien das Verbrenner-Aus ablehnt

Bulgarien hat sich Deutschland, Italien und Polen angeschlossen und lehnt den EU-Vorschlag für ein De-facto-Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 ab. Als Begründung verwies die Regierung auf die Armut im Land. 

EURACTIV.bg
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Im Gegensatz zu anderen Gegnern des Verbrennungsverbots führt Bulgarien die Armut als Grund an. Dies geht aus der allerersten detaillierten Erklärung hervor, die die Regierung als Antwort auf die Fragen von EURACTIV geschickt hat. [Shutterstock/GEORGID]

Bulgarien hat sich Deutschland, Italien und Polen angeschlossen und lehnt den EU-Vorschlag für ein De-facto-Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 ab. Als Begründung verwies die Regierung auf die Armut im Land. 

„Die heikelsten Fragen für das Land in Bezug auf die Dekarbonisierung des Verkehrssektors sind nach wie vor der relativ hohe Preis von Elektrofahrzeugen vor dem Hintergrund des extrem niedrigen Einkommens der Bevölkerung sowie das Fehlen einer entwickelten Ladeinfrastruktur“, erklärte die bulgarische Regierung auf Anfrage von EURACTIV.

In Bulgarien gibt es keine Autofabriken, aber der Automobilsektor ist mit der Produktion von Komponenten, Kabeln und Automobilsoftware relativ gut entwickelt. Der Gesamtumsatz der Branche beläuft sich auf 6,5 Milliarden Euro, rund acht Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Gleichzeitig sind die Kapazitäten des Landes für die Einführung von Elektroautos sehr begrenzt. Zwar ist ein Projekt zum Bau einer Elektroautofabrik in Nordbulgarien mit Unterstützung eines deutschen Investors im Gange, aber es ist noch unklar, wann das Werk die Produktion aufnehmen wird.

Für die meisten Bulgaren ist der Kauf eines neuen Autos ein unmögliches Unterfangen.

Die Bulgaren nutzen ihr Auto durchschnittlich 19 Jahre lang, der höchste Wert in der EU. Außerdem besitzen die Menschen im Land siebenmal mehr gebrauchte als neue Autos, die zumeist aus Deutschland und Italien importiert werden.

„Die Berücksichtigung der nationalen Besonderheiten der einzelnen EU-Mitgliedstaaten, einschließlich der erheblichen Unterschiede in Bezug auf die Kaufkraft der Bevölkerung und die Erschwinglichkeit von Neuwagen, bleibt eine Priorität für unser Land, und leider sind wir nicht der Ansicht, dass der vorgeschlagene Kompromisstext diese Überlegungen in ausreichendem Maße widerspiegelt“, so die Regierung.

Bulgariens Bedenken beziehen sich auch auf die erwartete künftige Zunahme der Importe von Gebrauchtwagen aus reicheren Mitgliedsstaaten aufgrund der Ersetzung von Ölmotoren durch Elektrifizierung. Es wird erwartet, dass alte Autos noch billiger nach Bulgarien verkauft werden.

„Damit könnte der allgemeine Zustand der Autoflotte in Ländern wie Bulgarien, anstatt sich zu verbessern, den gegenteiligen Effekt erzielen. Dasselbe gilt für die Qualität der Atmosphäre“, fügt die Regierung hinzu.

„Der Umweltschutz sollte nicht zu einer möglichen Verringerung der Sicherheit von Fahrzeugen führen“, so die Regierung, die sich auch um die Sicherheit älterer Autos sorgt.

Ein weiterer Faktor aus bulgarischer Sicht ist die Technologieoffenheit, die auch in der deutschen Debatte eine große Rolle spielt.

„Wir erkennen die wichtige Rolle alternativer Kraftstoffe, einschließlich Biokraftstoffen, bei der Begrenzung der Emissionen im Straßenverkehr an. In dieser Hinsicht befürwortet Bulgarien die Berücksichtigung der Rolle von Fahrzeugen, die mit ähnlichen Kraftstoffen angetrieben werden, einschließlich Hybriden“, so die Regierung in Sofia.

Bulgarien zufolge wird die Anerkennung der Verwendung von E-Fuels den Herstellern die nötige Flexibilität bieten, um die Elektrifizierung voranzutreiben, einen Mangel an erschwinglichen Fahrzeugen zu vermeiden und den Zulieferern die Anpassung an neue Technologien zu ermöglichen.