Austrian Airlines-Übernahme droht zu scheitern

Im Tauziehen der Deutschen Lufthansa um eine Übernahme des österreichischen Konkurrenten Austrian Airlines (AUA) blieb auch ein Spitzentreffen mit Wettbewerbskommissarin Kroes ohne konkrete Fortschritte. Gegenüber EURACTIV.de teilte Lufthansa mit, man beharre auf dem eigenen Zeitplan. Damit könnte das Geschäft platzen.

Ob Lufthansa und Austrian Airlines bald zusammen gehören, bleibt offen. Foto: dpa.
Ob Lufthansa und Austrian Airlines bald zusammen gehören, bleibt offen. Foto: dpa.

Im Tauziehen der Deutschen Lufthansa um eine Übernahme des österreichischen Konkurrenten Austrian Airlines (AUA) blieb auch ein Spitzentreffen mit Wettbewerbskommissarin Kroes ohne konkrete Fortschritte. Gegenüber EURACTIV.de teilte Lufthansa mit, man beharre auf dem eigenen Zeitplan. Damit könnte das Geschäft platzen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und Lufthansachef Wolfgang Mayrhuber hatten sich am Montagabend in Brüssel getroffen. Beide hätten vereinbart, "dass die Gespräche weitergeführt werden", hieß es von Seiten der Behörde. Zuvor hatte die Kommission mitgeteilt, eine Entscheidung über die AUA-Übernahme noch vor Ende des Monats sei unwahrscheinlich.

Lufthansa beharrt auf Terminplan – sonst droht das Scheitern

Damit ist der Deal ernsthaft gefährdet. Gegenüber EURACTIV.de bekräftigte eine Lufthansa-Sprecherin am Dienstag, dass die Übernahme nicht stattfinden wird, sollten die erforderlichen Genehmigungen nicht bis zum 31. Juli vorliegen. Lufthansa sei bereits von der Entscheidung zur vertieften Prüfung am 2. Juli "überrascht" gewesen. Seit 2001 besteht zwischen den Airlines eine Kooperation, die von der Kommission unter Auflagen genehmigt wurde. "In dieser Zeit hat sich der Wettbewerb auf den entsprechenden Strecken verschärft", so die Sprecherin. Außerdem habe Lufthansa bereits im Rahmen der Wirtschaftlichkeit Zugeständnisse an die Brüsseler Wettbewerbsbehörde gemacht.

Wie wahrscheinlich nun ein Platzen der AUA-Übernahme sei, wollte die Sprecherin aber nicht kommentieren. "Es sind ja noch 8 Arbeitstage bis zum Monatsende Zeit." Die Entscheidung liege nun bei der Kommission.

Auch Beobachtern zufolge ist allerdings ein Abschluss der Prüfung in der von Lufthansa geforderten Frist kaum zu erwarten. "Das wird vor der Sommerpause in Brüssel wahrscheinlich nichts mehr" sagt Andreas Geiger, Kartellrechtler und Lobbyist gegenüber EURACTIV.de.

Die Einkaufstour der Lufthansa könnte also schnell wieder vorbei sein. Im Mai und im Juni hatte die Kommission bereits die Lufthansa-Übernahmen von British Midland und Brussels Airlines genehmigt (siehe EURACTIV.de vom 22. Juni 2009).

Beherrscht Lufthansa den Luftraum bis Wien?

Die Kommission hat wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken eine eingehendere Untersuchung der geplanten Übernahme der Austrian Airlines eingeleitet. Die Behörde befürchtet durch den Kauf eine Einschränkung des Wettbewerbs insbesondere auf Strecken zwischen Wien und Deutschland. Auch auf den Strecken zwischen Wien und Zürich, Genf und Brüssel könnte die Marktmacht der Lufthansa zu groß werden. Außerdem liegen Hilfen des österreichischen Staates für die angeschlagene AUA in Höhe von 500 Millionen Euro liegen in Brüssel zur Genehmigung auf dem Tisch.

Austrian Airlines mit den Tochterunternehmen Lauda Air und Tyrolean Airways ist die größte österreichische Fluggesellschaft mit Hauptdrehkreuz in Wien.

Luftfahrt am Boden

Die Lufthansa hatte jüngst einen harten Sparkurs als Reaktion auf die tiefe Krise im Luftverkehr angekündigt. Bis 2011 will das Unternehmen im Passagiergeschäft Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro einsparen. In der Verwaltung sollen 20 Prozent der Stellen wegfallen.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank er der internationale Passagierverkehr im Mai um 9, 3 Prozent. Der Frachtverkehr ging um 17,4 Prozent zurück, teilte der Luftfahrt-Verband IATA im Juli mit. "Wir haben den Boden erreicht, sind von einer Erholung aber noch weit entfernt", kommentierte IATA-Geschäftsführer Giovanni Bisignani.

Weiterführende Dokumente:

EU-Kommission: Statement zur eingehenden Untersuchung (1. Juli 2009)

Lufthansa: Stellungnahme zur Prüfung der AUA-Übernahme (1. Juli 2009)

awr mit dpa/rtr