Bayern will Wirtschaftskooperation mit Polen stärken

Wenn es um die wirtschaftliche Zusammenarbeit geht, verstehen sich Bayern und Polen sehr gut. Das Handelsvolumen gleicht dem mit China. In Zukunft könnte Bayern beim Bau von polnischen Atomkraftwerken helfen - und dabei mit Frankreich konkurrieren.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat gute Gründe, sich mit Polen zu beschäftigen. Foto: dpa.
Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat gute Gründe, sich mit Polen zu beschäftigen. Foto: dpa.

Wenn es um die wirtschaftliche Zusammenarbeit geht, verstehen sich Bayern und Polen sehr gut. Das Handelsvolumen gleicht dem mit China. In Zukunft könnte Bayern beim Bau von polnischen Atomkraftwerken helfen – und dabei mit Frankreich konkurrieren.

Bayern sieht in Polen einen attraktiven Wirtschaftspartner und will deshalb die Zusammenarbeit mit dem mitteleuropäischen Land ausbauen. "Polen erweist sich als ein sehr stabiler Faktor in der EU", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Mittwoch in Warschau nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Waldemar Pawlak. Als Bereiche, in denen eine Intensivierung möglich sei, nannte Zeil Infrastruktur, Umwelttechnologie, Energietechnik und Medizin. Es gebe bereits schon ein "gutes Fundament", betonte Zeil. Das bayerisch-polnische Handelsvolumen hatte 2008 7,5 Milliarden Euro betragen. Das entspreche dem Austausch Polens mit China oder Russland, sagte Pawlak. Eine Prognose der Europäischen Kommission sieht für Polen in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent vor.

Polen ist das einzige Land der EU, dass während der Weltwirtschaftskrise nicht in die Rezession gerutscht ist (Siehe EURACTIV.de vom 15. Oktober 2009).

Zusammenarbeit bei der Atomkraft

Zeil verwies auch auf die Kernenergie als ein mögliches Feld der Kooperation. "Wir haben jetzt in der neuen Bundesregierung beschlossen, den Atomausstieg rückgängig zu machen", sagte er. Die Kernenergie leiste einen wichtigen Beitrag zu einem vernünftigen Energiemix. Er habe wahrgenommen, dass man in Polen Pläne zum Bau von Kernkraftwerken habe, betonte Zeil. Er sehe dort ein "weites Feld" der Zusammenarbeit. Polen will bis 2020 sein erstes Atomkraftwerk errichten. Der langfristige Regierungsplan sieht vor, dass bis 2030 drei Atommeiler ans Netz gehen. Seine Hilfe beim polnischen Atomprogramm hatte bereits Frankreich angeboten.

Von Warschau reiste Zeil in die zweitgrößte Stadt Polens, Lodz. Anschließend steht Krakau im Süden des Landes auf dem Programm.

Während die Wirtschaftsbesziehungen zwischen Bayern und Polen gut zu laufen scheinen, könnte der Streit um das Vertriebenenzentrum in Berlin das politische Verhältnis belasten. Die CSU setzt sich massiv für die die Nominierung Erika Steinbachs als Mitglied des Stiftungsrats des Zentrums ein, was in Polen auf heftige Ablehnung stößt (Siehe EURACTIV.de vom23. November 2009).

dpa/awr