Brennholzpreise deuten auf kalten Winter für Europas Ärmste hin

Da die Gas- und Strompreise in die Höhe schießen, greifen viele Haushalte in Europa in diesem Winter auf Brennholz als alternative Heizquelle zurück.

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"Wenn wir über Holz für Energie sprechen, erleben die meisten EU-Mitgliedsstaaten eine Verknappung, und die Pelletpreise haben sich in Ländern wie Deutschland und Belgien um das 2,5-fache vervielfacht", so ein Sprecher von Bioenergy Europe gegenüber EURACTIV. [hutterstock/VK Studio]

Da die Gas- und Strompreise in die Höhe schießen, greifen viele Haushalte in Europa in diesem Winter auf Brennholz als alternative Heizquelle zurück.

Doch der Nachfrageschub und die Lieferkürzungen aus Russland treiben die Preise in die Höhe und führen zu Engpässen. So besteht die Gefahr, dass es die Bedürftigsten, die oft auf die Holzverbrennung angewiesen sind, diesen Winter kalt haben werden.

„Wenn wir über Holz für Energie sprechen, erleben die meisten EU-Mitgliedsstaaten eine Verknappung, und die Pelletpreise haben sich in Ländern wie Deutschland und Belgien um das 2,5-fache vervielfacht“, so ein Sprecher von Bioenergy Europe gegenüber EURACTIV.

Außerdem habe der Anstieg der Energiepreise viele EU-Bürger dazu veranlasst, sich dieser Energiequelle zuzuwenden, so der Branchenverband.

Ab Juli 2022 trat ein Importverbot für russische Pellets zur Energieerzeugung in Kraft. Die Sanktionen gegen Holzimporte haben ebenfalls zu Lieferengpässen und hohen Preisen geführt, was sich auf die gesamte Lieferkette ausgewirkt hat.

Die hohen Preise sind in ganz Europa zu beobachten, könnten aber die mittel- und osteuropäischen Länder stärker treffen, da viele Haushalte in diesen Ländern, insbesondere in den untersten Einkommensschichten, auf Biomasse zum Heizen angewiesen sind.

„Energiearmut ist in diesem Jahr eine große Gefahr, und es wird Menschenleben kosten. Die Regierungen und die EU müssen sie vor allem schützen und, wo möglich, Maßnahmen ergreifen, die die Haushalte auch in den kommenden Jahren widerstandsfähiger machen“, sagte Silvia Pastorelli, EU-Klimabeauftragte von Greenpeace, gegenüber EURACTIV.

Im Mai 2022 traf der Preisdruck bereits Ungarn, Bulgarien und Rumänien, wo ein hoher Anteil der Haushalte mit niedrigem Einkommen mit Brennholz heizt.

In Bulgarien, wo etwa die Hälfte der Haushalte im Winter mit Brennholz heizen, weil es der billigste und am leichtesten zugängliche Brennstoff ist, ist der Preis für einen Kubikmeter Brennholz von 40-50 Euro im Jahr 2021 auf etwa 100-150 Euro gestiegen, je nach Region.

Und während die jüngsten Daten des ungarischen Statistikamtes (KSH) zeigen, dass die Preise für einheitlich gesägtes Brennholz während der Invasion in der Ukraine stabil geblieben sind, deuten lokale Medienberichte auf Engpässe und Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent hin, wobei weitere Steigerungen zu erwarten sind.

Im August warnte die zivilgesellschaftliche Organisation Habitat for Humanity Hungary, dass „katastrophale Zustände“ eintreten könnten, wenn die Regierung nicht mehr Geld für die Subventionierung von Brennholz ausgibt und keine konkreten Maßnahmen ergreift, um den Aufkauf von Lagerbeständen durch private Akteure zu verhindern.

Auch in Polen sind die Holzpreise bereits um fast 100 Prozent höher als vor einem Jahr. Und in der Slowakei haben sich die Preise je nach Holzart im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich verdoppelt.

„Die Nachfrage der Haushalte ist in den letzten Monaten enorm gestiegen. In einigen Versandlagern sind die Wartelisten bis zum Jahresende gefüllt“, so Marína Debnárová, Sprecherin der Wälder der Slowakischen Republik – der für die staatlichen Wälder zuständigen Gesellschaft.

Das Problem erstreckt sich auch über die Grenzen der EU hinaus auf Albanien, den Kosovo und Serbien, wo Politiker bereits um EU-Hilfe bei der Bewältigung der drohenden Energiekrise gebeten haben.

In Albanien beispielsweise, wo einige Bergregionen auf Brennholz angewiesen sind, um die kalten Winter zu überstehen, wird ein Kubikmeter Holz derzeit für bis zu 60 Euro (7000 Lek) verkauft, während es vor zwei Jahren noch 34 Euro (4000 Lek) waren.

„Für Nicht-Rentner ist es sehr schwierig, sich das Leben bei diesen Preisen zu leisten, selbst ein Durchschnittsbürger kann es sich nicht leisten. Er ist gezwungen, sich zu verschulden“, erklärte ein Bürger gegenüber Exit und bezeichnete die aktuellen Preise als „Horror.“

In Serbien verwenden rund eine Million Haushalte Brennholz und mehr als 110.000 Haushalte Holzpellets, wobei die Preise seit dem 13. August um 15 Prozent gestiegen sind. Im benachbarten Kosovo stiegen die Preise nach offiziellen Angaben allein zwischen Juni und Juli um 7,4 Prozent.

Staatliche Maßnahmen und Furcht vor illegaler Abholzung

Viele Regierungen ergreifen Maßnahmen zum Schutz der Haushalte, darunter Exportverbote und die Erlaubnis, mehr Bäume zu fällen, aber es gibt Bedenken wegen des illegalen Holzeinschlags.

In Bulgarien organisierte die geschäftsführende Regierung Treffen mit Holzverarbeitungsunternehmen und forderte sie auf, die Bevölkerung mit Holz zu versorgen, indem sie die Exporte reduzieren.

Obwohl der illegale Holzeinschlag strafbar ist, ist das Problem weit verbreitet und verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Forstbehörden in Bulgarien zu den korruptesten Institutionen des Landes gehören.

In Ungarn sah sich die Regierung gezwungen, einen Erlass von August teilweise zurückzunehmen, der die Abholzungsregeln in Schutzgebieten gelockert und die Abholzung jüngerer Bäume in staatlichen Wäldern erlaubt hatte, und verlangt nun, dass „die gestiegene Nachfrage nach Brennholz in erster Linie durch die schrittweise Abholzung von [nicht einheimischen] Akazienbäumen gedeckt werden muss.“

Die ungarische Regierung hat außerdem begonnen, den Export von Brennholz einzuschränken. Es bedeutet noch kein vollständiges Verbot, räumt der Regierung aber die Befugnis ein, die Exporte zu kontrollieren. Außerdem hat sie das Recht, Brennholz zunächst für soziale Zwecke und öffentliche Dienstleistungen zu kaufen, wobei die Möglichkeit besteht, den Verkauf ins Ausland ganz zu unterbinden.

Unterdessen hat Polen am Freitag ein sogenanntes Holzgeld in Höhe von 1000 Zloty (212 Euro) pro Haushalt bewilligt, um bis zu zwei Millionen Haushalten im Land zu helfen, die den Winter über Holz verbrennen.

In der Slowakei führte die Panik über die Versorgung zu Forderungen nach einem Exportverbot, was das Landwirtschaftsministerium jedoch ausschloss. Die Wälder der Slowakischen Republik haben jedoch vor kurzem angekündigt, dass sie als Reaktion auf die steigende Nachfrage Reserven für die Menschen öffnen werden, sodass diese unter Aufsicht eines Mitarbeiters des Unternehmens Holz aus bestimmten Gebieten entnehmen können.

Auch jenseits der EU-Grenzen wächst die Besorgnis über den illegalen Holzeinschlag, der durch die Nachfrage angeheizt wird.

In Albanien beispielsweise, wo die Zentralregierung in diesem Jahr keine Initiativen zur Unterstützung der auf Brennholz angewiesenen Bürger:innen ergriffen hat, hat die Gemeinde Korca die Genehmigung erteilt, insgesamt 0,6 Hektar Brennholz zu fällen.

Dies wird den Bedarf von etwa 20 Hektar nicht decken und wird wahrscheinlich durch illegale Quellen oder gar nicht gedeckt. Im Jahr 2016 wurde ein zehnjähriges Moratorium für den Holzeinschlag beschlossen, aber die illegale Forstwirtschaft ist immer noch weit verbreitet, sodass Albanien jedes Jahr etwa 20.153 Hektar Wald verliert.

Auch im Kosovo stellt das illegale Abholzen nach wie vor ein großes Problem dar. In den letzten 20 Jahren wurden dort mehr als 7.600 Hektar Wald gefällt, was einer Fläche von anderthalb Fußballfeldern pro Tag seit 2000 entspricht.

Es gibt eine anhaltende Debatte über die Nachhaltigkeit holzbasierter Energie. Bioenergy Europe vertritt die Ansicht, dass es sich um eine erneuerbare Energiequelle handelt, die dazu beitragen wird, die Energieunabhängigkeit Europas zu stärken.

Umweltorganisationen stehen dem jedoch kritisch gegenüber und warnen vor den Auswirkungen der CO2-Emissionen, die bei der Energiegewinnung aus Biomasse freigesetzt werden.

Die Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse, die als erneuerbar gelten, sind in der EU-Richtlinie über Erneuerbare Energien festgelegt, die derzeit überarbeitet wird.