Deutsche Baubranche sieht EU-Investitionsplan skeptisch
Die deutsche Bauwirtschaft verspricht sich eher wenig vom Plan der neuen EU-Kommission, der künftig europaweit Investitionen von 315 Milliarden Euro anschieben soll. Das Vorhaben sei kompliziert und die Umsetzung in die Praxis noch unklar, kritisieren Spitzenvertreter der Branche.
Die deutsche Bauwirtschaft verspricht sich eher wenig vom Plan der neuen EU-Kommission, der künftig europaweit Investitionen von 315 Milliarden Euro anschieben soll. Das Vorhaben sei kompliziert und die Umsetzung in die Praxis noch unklar, kritisieren Spitzenvertreter der Branche.
„Auch dieser Plan wird nicht dazu führen, dass in überschaubarer Zahl von Jahren dieser enorme Rückstand in der Infrastruktur in Deutschland aufgeholt wird“, sagte der Präsident des mittelständischen Verbands ZDB, Hans-Hartwig Loewenstein, am Mittwoch. Die Branche peilt den höchsten Umsatz seit 15 Jahren an, stellt sich aber auf langsameres Wachstum ein. Die Erlöse dürften 2015 um zwei Prozent auf 101 Milliarden Euro steigen, teilten der ZDB und die Bauindustrie (HDB) mit.
„Damit wird die 100-Milliarden-Marke erstmalig seit 2000 wieder überschritten“, sagte Loewenstein. Der Trend zeige nach oben – „wenngleich das Tempo nachgibt“. Nach dem Umsatzplus von vier Prozent im vorigen Jahr wäre der für 2015 geplante Anstieg der geringste seit 2012. Für den meisten Schwung werde das sechste Jahr in Folge der Wohnungsbau sorgen. Die Verbände befürchten aber, dass Bund, Länder und Gemeinden zulasten von Investitionen ihre Haushalte in Ordnung bringen. Deshalb sei vom öffentlichen Bau nur ein „mageres Umsatzplus“ von einem Prozent zu erwarten.
Der Plan des neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker beruht auf einem Kapitalfonds von 21 Milliarden Euro der EU zusammen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB). Damit sollen Investoren Verlustrisiken bei Großinvestitionen abgenommen werden und entsprechend viel privates Kapital dafür mobilisiert werden. So sollen letztlich 315 Milliarden Euro für Investitionen zusammenkommen. Dies könnte zwar eine stärkere Investitionsdynamik in Europa auslösen, sagte HDB-Chef Thomas Bauer. Er erwarte aber nicht, dass am Schluss „diese große Zahl“ herauskomme. „Ich bin da eher verhalten optimistisch, da ich an solche Hebelarme nicht ganz so glaube.“
Auch Loewenstein zeigte sich skeptisch: „Was da für Deutschland letztlich dabei herausspringen wird, lässt sich überhaupt noch nicht überblicken.“ Es sei zwar wichtig, dass die Politik einsehe, dass die Investitionen vernachlässigt worden seien. „Unsere Betriebe erwarten für die nächsten zwei, drei Jahre jedenfalls nichts Entscheidendes, was die Nachfrage angeht.“
Am Jobmarkt für Bauarbeiter dürfte die Zahl der Beschäftigten 2015 den Verbänden zufolge um rund 2000 auf 760.000 steigen. Dies wäre der höchste Stand seit elf Jahren.