Deutschland: Sinkendes Interesse an Selbstständigkeit
Während Amerikaner und Chinesen die Selbstständigkeit anstreben, sind Europäer lieber angestellt. Speziell die Deutschen hängen am festen Einkommen und einer geregelten Arbeitszeit. EU-Industriekommssar Antonio Tajani warnt, Potenziale würden nicht ausgeschöpft.
Während Amerikaner und Chinesen die Selbstständigkeit anstreben, sind Europäer lieber angestellt. Speziell die Deutschen hängen am festen Einkommen und einer geregelten Arbeitszeit. EU-Industriekommssar Antonio Tajani warnt, Potenziale würden nicht ausgeschöpft.
Deutsche sind immer weniger am Gang in die Selbstständigkeit interessiert – so das Ergebnis einer heute vorgestellten Eurobarometer-Umfrage. Wünschten sich 2000 noch 46 Prozent ihr eigener Chef zu sein, waren es 2009 nur noch 41 Prozent.
Deutschland liegt damit unter dem europäischen Durchschnitt. Der Umfrage zufolge wollen 45 Prozent der Europäer auf eigenen Füßen stehen. Tatsächlich liegt die Selbstständigenrate europaweit bei rund 10 Prozent.
Die Deutschen arbeiten besonders gerne "unselbstständig". 56 Prozent wollen ein festes Beschäftigungsverhältnis (EU: 49 Prozent). Als Gründe werden das feste Einkommen, die geregelten Arbeitszeiten und die soziale Absicherung angegeben.
EU-Industriekommissar Antonio Tajani mahnte mit Blick auf die Umfrage, das "unternehmerische Potenzial Europas" werde nicht voll ausgeschöpft. Mit einer höheren Selbstständigenquote würde man Millionen "neuer, innovativer und kreativer Unternehmen" gewinnen, Arbeitsplätze schaffen und die wirtschaftliche Grundlage Europas stärken und verjüngen. Die EU versucht, den Gründergeist im Rahmen des Small Business Act (Siehe EURACTIV.de-LinkDossier) zu stärken.
Klar ist: Amerikaner und Chinesen drängen viel stärker auf Eigenständigkeit. In den USA sind 55 Prozent der Bevölkerung an der Selbstständigkeit interessiert, in China sind es sogar 71 Prozent.
Europäer meiden den Konkurrenzkampf
Generell zeigen die Daten: Männer und junge Menschen lockt die Selbstständigkeit mehr als Frauen oder ältere Menschen.
Die Angst vor der Insolvenz ist eines der größten Hindernisse, ein Unternehmen zu gründen. Trotzdem erklären 65 Prozent der Europäer, sie seien generell bereit, Risiken einzugehen. Besonders risikofreudig sind die Iren (73 Prozent), besonders risikoscheu dagegen die Ungarn (43 Prozent).
55 Prozent der Europäer sind bereit, mit anderen zu konkurrieren. In den USA sind dies mit 77 Prozent deutlich mehr.
awr
Links
EU-Kommission: 45% of Europeans would like to be their own boss if … (4. Juni 2010)
EU-Kommission: European attitudes to Entrepreneurship (4. Juni 2010)
EU-Kommission: Übersicht zum Small Business Act