Deutschland und die Ukraine schließen Verteidigungsabkommen über Raketen, Drohnen und den Austausch von Einsatzdaten

Selenskyj plädiert seit langem für mehr Unterstützung, insbesondere im Bereich der Luftabwehr, da das Land weiterhin täglich Drohnen- und Raketenangriffen aus Russland ausgesetzt ist.

EURACTIV.com
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Wolodymyr Selenkyj und Friedrich Merz. [Foto: Halil Sagirkaya/Anadolu via Getty Images]

Deutschland und die Ukraine haben am Dienstag ein neues Abkommen zur Verteidigungszusammenarbeit unterzeichnet, das darauf abzielt, Kyjiws Luftabwehr, Fernkampfwaffen und Munitionsvorräte zu stärken.

Berlin werde Rüstungsaufträge bei US-amerikanischen und deutschen Herstellern finanzieren, erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz anlässlich eines Besuchs des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, um Kyjiw mit „mehreren hundert Patriot-Raketen“ sowie zusätzlichen Abschussvorrichtungen für IRIS-T-Luftabwehrsysteme zu versorgen. Mikhail Fedorov, der ukrainische Verteidigungsminister, sagte, das 4-Milliarden-Euro-Paket solle 36 solcher Abschussvorrichtungen finanzieren.

Die beiden Länder haben zudem eine Vereinbarung über die Gründung eines Joint Ventures zur Herstellung von Mittel- und Langstrecken-Drohnen unter Einsatz fortschrittlicher Technologien getroffen, wobei Deutschland auch Finanzmittel bereitstellt, um die Ukraine bei der Entwicklung von Tiefschlagfähigkeiten zu unterstützen.

Selenskyj plädiert seit langem für mehr Unterstützung, insbesondere im Bereich der Luftabwehr, da das Land weiterhin täglich Drohnen- und Raketenangriffen aus Russland ausgesetzt ist. Dies vor dem Hintergrund, dass die USA in den ersten vier Wochen ihres Krieges gegen den Iran im vergangenen Monat mehr Patriot-Raketen einsetzten als in den vier Jahren des Krieges in der Ukraine – was Lieferungen an die Ukraine und europäische Verbündete verzögert und die Angst vor Engpässen schürt.

Ukrainische Kriegserfahrung

Schließlich haben Deutschland und die Ukraine auch ein Abkommen über den Austausch von Kampffelddaten unterzeichnet, das es Berlin ermöglicht, von den Kampferfahrungen und dem Fachwissen der Ukraine zu lernen.

„Unsere Erfahrungen können in das europäische Sicherheitssystem einfließen“, sagte Selenskyj während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merz. „Sie haben sich als wertvoll erwiesen, und unsere Erfahrungen haben sich auch im Nahen Osten bewährt“.

Der Datenaustausch umfasst die Analyse deutscher Waffensysteme, die in der Ukraine zum Einsatz kommen, wie beispielsweise die Artilleriesysteme Panzerhaubitze 2000 und RCH 155 sowie das Luftabwehrsystem IRIS-T. Daten aus dem ukrainischen digitalen KI-System Avenger, das feindliche Fahrzeuge erkennt, und dem ukrainischen Gefechtsfeldmanagementsystem Delta werden ebenfalls an die Bundeswehr weitergegeben.

Merz deutete an, dass der Datenaustausch zur Entwicklung neuer Waffensysteme führen werde. „Die Tatsache, dass wir nun gemeinsam mit der Ukraine ein solches System in Europa entwickeln, verschafft Europa zudem ein höheres Maß an Unabhängigkeit“, sagte er, ohne sich dazu zu äußern, um welche Art von System es sich dabei handeln könnte.

(at)