EU-Abgeordnete fordern Initiative für psychische Gesundheit in der Landwirtschaft
Mitglieder des Agrarausschusses im Europäischen Parlaments haben mit Blick auf wachsende psychische Belastungen in dem Sektor gemeinsame Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit von Landwirt:innen in der EU gefordert.
Mitglieder des Agrarausschusses im Europäischen Parlaments haben mit Blick auf wachsende psychische Belastungen in dem Sektor gemeinsame Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit von Landwirt:innen in der EU gefordert.
Unter Berufung auf einen aktuellen Bericht, der sich mit der Gesundheit und Sicherheit in der Landwirtschaft befasst, warnte Alun Jones, Direktor des Internationalen Zentrums für fortgeschrittene agronomische Studien (CIHEAM), während einer Anhörung vor dem Ausschuss am Dienstag (25. Oktober), dass es sich um einen „Beruf unter Druck“ handle.
„Die Realität in diesem Sektor ist, dass unsere Landwirt:innen hart arbeiten, um unsere Lebensmittel zu produzieren und dabei sehr oft ihr Leben aufs Spiel setzen“, betonte er. Gleichzeitig warnte er, unzureichende Daten in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten würden weiterhin das ganze Ausmaß des Problems verbergen.
Der Bericht, der von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) in Auftrag gegeben wurde, stuft das psychische Wohlbefinden als Hauptrisiko für Landwirt:innen ein. Dies wird auf eine Kombination von Stressfaktoren zurückgeführt, darunter Klimawandel, Bürokratie und Isolation.
Demnach gehörten Landwirt:innen zu den Berufsgruppen mit den höchsten Selbstmordraten, warnte Jones. In Frankreich zum Beispiel sei die Selbstmordrate in der Landwirtschaft 20 Prozent höher als im nationalen Durchschnitt, erklärte er.
Der grüne EU-Abgeordnete Martin Häusling nannte die hohen Selbstmordraten in diesem Sektor „wirklich besorgniserregend“ und forderte ein gemeinsames Vorgehen in der Angelegenheit.
„Wir müssen (…) sicherstellen, dass wir den Landwirten so schnell wie möglich Hilfe anbieten“, betonte er.
Auch der irische EU-Abgeordnete Colm Markey forderte eine spezielle Initiative oder einen Audit-Bericht zur psychischen Gesundheit in der Landwirtschaft.
„Dies ist ein Schlüsselbereich, den wir wirklich speziell betrachten müssen, und ich würde gerne eine spezielle Initiative in diesem Bereich sehen“, sagte er. Gleichzeitig betonte sein irischer Kollege Chris MacManus, dass dieses Thema „eine völlig separate, massive und eigenständige politische Entwicklung“ rechtfertige.
Andere wiesen auf die wichtige Rolle hin, die die Politik bei der Bewältigung dieses Problems spiele.
So betonte Häusling, dass 80 Prozent der öffentlichen Hilfen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU an 20 Prozent der Landwirt:innen gingen. Er forderte eine Umverteilung der Mittel, um den Druck auf kleinere Landwirte zu verringern.
„Die Hauptursache für Selbstmord sind wirtschaftliche Probleme, also sollten wir darüber nachdenken, wie wir die finanzielle Unterstützung verteilen […], damit alle Landwirte ein würdiges Leben führen können“, sagte er.
Ein Mechanismus, der hierzu beitragen könnte, ist die soziale Konditionalität, bei der die GAP-Subventionen davon abhängig gemacht werden, dass die Landwirte die Arbeits- und Beschäftigungsstandards einhalten.
Im Jahr 2020 stimmte das Europäische Parlament über eine Reihe von Änderungsanträgen zur Gestaltung der GAP für die Zeit nach 2020 ab. Diese enthielten obligatorische Verweise auf die soziale Konditionalität, doch das Thema war unter den Mitgliedstaaten umstritten.
Margaret Bateson, Leiterin des Referats für soziale Nachhaltigkeit in der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission, bezeichnete die Aufnahme der sozialen Konditionalität in die GAP als „historischen Schritt nach vorn“. Sie teilte den EU-Abgeordneten mit, dass die EU-Exekutive das Konzept bei der nächsten GAP-Reform bereits ausbauen wolle, um ein breiteres Spektrum von Arbeitnehmenden einzubeziehen.
Sie wies jedoch darauf hin, dass nur vier Mitgliedstaaten – Österreich, Frankreich, Luxemburg und Italien – sich bereits für die Umsetzung der sozialen Konditionalität ab 2023 entschieden hätten, während Spanien und Portugal sie 2024 einführen wollen.
Gleichzeitig bleibe es jedoch in der Praxis schwierig, die entsprechenden Anforderungen auch durchzusetzen, mahnte sie.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Zoran Radosavljevic]