EU-Kommission will pflanzenbasierte Biokraftstoffe weiterhin begrenzen
Biokraftstoffe spielen bei der Dekarbonisierung des Verkehrs weltweit eine wichtige Rolle. Während andere G7-Länder dabei auch auf pflanzenbasierte Kraftstoffe setzen, soll deren Nutzung in Europa begrenzt bleiben, so die EU-Kommission.
Biokraftstoffe spielen bei der Dekarbonisierung des Verkehrs weltweit eine wichtige Rolle. Während andere G7-Länder dabei auch auf pflanzenbasierte Kraftstoffe setzen, soll deren Nutzung in Europa begrenzt bleiben, so die EU-Kommission.
Auf einem Treffen in Hiroshima Ende letzten Monats verabschiedeten die G7-Länder ein Dokument, das auch von der EU unterzeichnet wurde und in dem, neben anderen Optionen, der Wert von Biokraftstoffen für die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs anerkannt wird.
„Wir betonen die verschiedenen Maßnahmen, die jeder von uns ergreift, um unsere Fahrzeugflotte zu dekarbonisieren“, heißt es in dem Dokument. Dabei wird neben dem Hochlauf der Elektromobilität auch die „Förderung nachhaltiger kohlenstoffneutraler Kraftstoffe, darunter nachhaltige Bio- und synthetische Kraftstoffe“ genannt.
Auf europäischer Ebene drängt die EU-Kommission jedoch darauf, die Verwendung von Biokraftstoffen auf Pflanzenbasis wie Bioethanol oder Biodiesel zu begrenzen, um sicherzustellen, dass „der Druck auf die Landnutzung begrenzt wird“, so ein Sprecher der Kommission gegenüber EURACTIV.
Stattdessen fördert die EU-Kommission Elektroautos und sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe, etwa aus Abfällen sowie land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen.
Die Biokraftstoffindustrie räumt ihrerseits ein, dass die Elektrifizierung die Zukunft des Straßenverkehrs sei, betont jedoch, dass dies noch viele Jahre brauche und dass zudem große Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe erforderlich seien, um Öl vollständig zu ersetzen.
Nach Ansicht der Biokraftstoffindustrie sollten pflanzenbasierte Biokraftstoffe wie Ethanol daher weiterhin Teil des Energiemixes sein, da der Straßenverkehr sonst mangels Alternativen weiter auf Erdöl setzen werde.
Die Industrie betont, dass die durchschnittliche Treibhausgasreduzierung von Ethanol in der EU bei 77 Prozent liegt, wobei sich einige Raffinerien durch den Einsatz von Technologien zur CO2-Abscheidung sogar 100 Prozent nähern.
Im Gegensatz zum Rest der Welt besteht die EU-Kommission jedoch darauf, dass Biokraftstoffe auf Pflanzenbasis für Europa keine Option sind.
„Ihr Einsatz sollte auf ein Minimum reduziert werden“, so der Sprecher der EU-Kommission.
Auf die Frage, warum die EU die Rolle pflanzenbasierter Biokraftstoffe im Ausland, nicht aber im Inland anerkennt, erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle, der Text sei diplomatisch verfasst und suggeriere, dass die G7-Unterzeichner ein gemeinsames Ziel verfolgten, die Mittel aber unterschiedlich seien.
Nach den EU-Vorschriften ist der Beitrag von Biokraftstoffen der ersten Generation zu den Zielen für erneuerbare Energien im Straßenverkehr auf 7 Prozent begrenzt.
Die Rolle von Biokraftstoffen auf Pflanzenbasis ist in Europa umstritten: Befürworter stellen sie als kosteneffizientes Mittel dar, um fossile Brennstoffe aus dem Verkehrssektor zu verdrängen, während Kritiker ihren Beitrag zum Klimaschutz infrage stellen.
Umweltschutzorganisationen argumentieren, dass die für den Anbau von Energiepflanzen genutzten Flächen einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten würden, wenn sie zur Bindung von CO2 wieder bewaldet würden.
Welt investiert in Ethanol
Anders als die EU investieren andere große Volkswirtschaften der Welt jedoch in großem Stil in Bioethanol, um den Verkehr zu dekarbonisieren. Dem jüngsten Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge werden die asiatischen Länder, die USA und Brasilien einen großen Teil der weltweiten Biokraftstoffproduktion ausmachen.
In Washington prüft das Weiße Haus derzeit einen Vorschlag der US-Umweltschutzbehörde, wonach Ölraffinerien 20,82 Mrd. Gallonen Biokraftstoffe im Jahr 2023, 21,87 Mrd. Gallonen im Jahr 2024 und 22,68 Mrd. Gallonen im Jahr 2025 ihrem Kraftstoff beimischen müssen.
Davon entfallen laut Reuters jährlich mehr als 15 Milliarden Gallonen auf Ethanol auf Maisbasis und andere pflanzenbasierte Biokraftstoffe, während der Rest auf fortschrittliche Kraftstoffe entfällt.
Auch Japan, ebenfalls Mitglied der G7, hat vor kurzem seine neue Biokraftstoffpolitik veröffentlicht, die sich stark auf Ethanol stützt und es den USA ermöglicht, „bis zu 100 Prozent des japanischen Marktes für Straßenethanol zu erobern.“
Bharadwaj Kummamuru, der Direktor der World Bioenergy Association, erklärte kürzlich gegenüber EURACTIV, dass Länder wie Indien das E10-Ziel bereits übertroffen haben und nun E20 bis 2025 anstreben.
E10 und E20 beziehen sich auf Benzin mit einem Ethanolanteil von bis zu 10 Prozent bzw. 20 Prozent.
E10 auf dem Vormarsch in Europa
Der Sprecher der EU-Kommission betonte, dass die Kommission die Mitgliedstaaten dabei unterstütze, „den Beimischungsanteil von Biokraftstoffen zu reduzieren, was zu einer Verringerung der landwirtschaftlichen Flächen in der EU führen könnte, die für die Produktion von Biokraftstoff-Rohstoffen genutzt werden.“
Dennoch gewinnt E10 jedoch zunehmend an Boden in den EU-Mitgliedsstaaten, die darum kämpfen, ihre Klimaziele im Verkehrsbereich zu erreichen.
Bislang haben 18 EU-Länder sowie Norwegen und das Vereinigte Königreich E10 an Tankstellen eingeführt.
Das jüngste Beispiel ist Polen, wo das Parlament Ende Mai einstimmig eine neue Gesetzgebung zur Förderung von E10 an polnischen Tankstellen verabschiedete.
„Nach mehr als einem Jahrzehnt der Diskussion über E10-Benzin holen wir endlich den Rückstand gegenüber dem Rest Europas auf und geben […] damit den Landwirten einen lang erwarteten neuen wirtschaftlichen Impuls“, erklärte Łukasz Karmowski, Vorstandsvorsitzender des Verbands der polnischen Destillerien (ZGP).
[Bearbeitet von Benjamin Fox]