EU pumpt Milliarden in die Forschung
Die Europäische Union wird im kommenden Jahr Forschungsprojekte aus Wissenschaft und Wirtschaft mit 6,4 Milliarden Euro fördern. Speziell kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen profitieren. Die Kommission erhofft sich 165.000 neue Arbeitsplätze.
Die Europäische Union wird im kommenden Jahr Forschungsprojekte aus Wissenschaft und Wirtschaft mit 6,4 Milliarden Euro fördern. Speziell kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen profitieren. Die Kommission erhofft sich 165.000 neue Arbeitsplätze.
Die Gelder sollen in Projekte zur Bekämpfung des Klimawandels, in Erneuerbare Energien, Gesundheit oder Nahrungsmittelsicherheit fließen. Unter den erwarteten gut 16.000 Empfängern aus der Wirtschaft, von Forschungsorganisationen oder Universitäten sind gut 3000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wie EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn am Montag in Brüssel mitteilte. "Das ist viel Geld, das mehr denn je gebraucht wird", so Geoghegan-Quin.
Heute will die Behörde die ersten Ausschreibungen veröffentlichen. Durch das Programm könnten nach EU-Prognosen mehr als 165.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Die Summe liegt zwölf Prozent über dem Budget von 2010. Insgesamt bezuschusst die EU Forschung und Innovationen in den Jahren 2007 bis 2013 mit mehr als 50,5 Milliarden Euro. Das "Siebte Forschungsrahmenprogramm" ist zwar das weltweit größte derartige Förderprogramm. Werden die Forschungsausgaben der Wirtschaft hinzugerechnet, liegt Europa aber weit hinter seinen wichtigsten Wettbewerbern Asien und den USA.
So gab die EU 2006 1,84 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung aus. Japan kam auf 3,39 Prozent, Südkorea auf 3,23 Prozent. In den USA lag die Quote bei 2,61 Prozent. Deutschland übertraf indes mit 2,53 Prozent den EU-Schnitt. Beobachter nennen als eines der wesentlichen Probleme in Europa Bürokratie und die lahmende Reform im europäischen Patentrecht, in die jüngst allerdings wieder Bewegung gekommen ist.
KMU im Fokus
Entsprechend der EU-Leitlinie "Vorfahrt für KMU" (Siehe EURACTIV.de-LinkDossier: Small Business Act) werden kleine und mittlere Unternehmen besonders gefördert. Fast 800 Millionen Euro aus den Mitteln für die Wirtschaft werden an KMU gehen. Bislang waren es 1,6 Milliarden Euro im Zuge des 7.Forschungsrahmenprogramms. Im Bereich Gesundheit müssen mindestens 15-30 Prozent der EU-Mittel für ein Projekt an KMU gehen. Auch im Bereich Umwelttechnologien sollen KMU weiterhin in starkem Maße profitieren.
Reaktion
ZDH: Das deutsche ZIM als Vorbild
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): "Die EU setzt mit diesem Ausgabenpaket das richtige Signal. Forschung und Innovation müssen auch in Zeiten angespannter Haushalte oberste Priorität haben, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Es ist richtig, dass die Kommission einen Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) setzt. Ein integriertes Forschungs- und Innovationsprogramm für KMU ist dabei die Vorraussetzung dafür, dass unsere Betriebe tatsächlich von den Fördergeldern profitieren können. Es ist der Schlüssel dafür, dass unsere Betriebe einfacheren Zugang zu dem jeweils passenden Förderinstrument finden. Das in Deutschland erfolgreiche Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, das sogenannte ZIM, kann dazu beispielhaft für Europa sein."
dpa/awr
Links
EU-Kommission: FP7: the future of European Union research policy. Internetseite des 7. Forschungsrahmenprogramms.
EU-Kommission: Europe’s biggest ever package of research and innovation investment. Pressemitteilung (19. Juli 2010)
EU-Kommission: Statement von EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn: Seventh Framework programme calls for proposals (19. Juli 2010).