EU staunt über „Bad Bank“

Die "Bad Bank" der WestLB stößt auf Zweifel bei der EU-Kommission. Die Behörde teilte am Dienstag mit, sie habe die geplanten Maßnahmen aus Gründen der Finanzstabilität vorläufig zugelassen, bezweifle jedoch, dass sie mit den EU- Beihilfevorschriften im Einklang stünden. Daher habe sie ein förmliches Prüfverfahren eingeleitet. Trotz des Rückschlags zeigte sich die WestLB gelassen.

Unterwegs zur (Very) Bad Bank (Foto: dpa)
Unterwegs zur (Very) Bad Bank (Foto: dpa)

Die „Bad Bank“ der WestLB stößt auf Zweifel bei der EU-Kommission. Die Behörde teilte am Dienstag mit, sie habe die geplanten Maßnahmen aus Gründen der Finanzstabilität vorläufig zugelassen, bezweifle jedoch, dass sie mit den EU- Beihilfevorschriften im Einklang stünden. Daher habe sie ein förmliches Prüfverfahren eingeleitet. Trotz des Rückschlags zeigte sich die WestLB gelassen.

Brüssel hat erhebliche Bedenken gegen die deutschen Pläne mit der ersten "Bad Bank". Für die WestLB bedeuten die Zweifel der EU, ob die dazu notwendigen neuen Milliardenhilfen des Bundes mit den Beihilfevorschriften der EU im Einklang stehen, einen Rückschlag.

"Der Vorstand ist zuversichtlich, in weiterhin konstruktiven Gesprächen mit der Europäischen Kommission eine abschließende und endgültige Genehmigung (…) im weiteren Prüfverfahren zu erzielen", teilte die Bank Dienstag Abend mit. Vorläufige Genehmigungen und förmliche Prüfverfahren seien bei Bank-Beihilfen üblich. Die WestLB begrüße die vorläufige Genehmigung, hieß es in der Stellungnahme.

Faule Papiere von 85 Milliarden Euro

Die WestLB soll als erste in Deutschland eine sogenannte "Bad Bank" bekommen, in die vor allem "faule Papiere" im Volumen von gut 85 Milliarden Euro ausgelagert werden sollen. Gleichzeitig solle die WestLB eine Kapitalspritze in Höhe von drei Milliarden Euro durch den Bankenrettungsfonds SoFFin erhalten, wie die Kommission mitteilte. Zuvor war in Deutschland von bis zu vier Milliarden Euro vom Bund die Rede.

Voraussetzungen nicht erfüllt

Nach derzeitigen Erkenntnissen erfüllen die Maßnahmen laut Kommission nicht die Voraussetzungen hinsichtlich Transparenz und Offenlegung, Bewertung, Lastenteilung und Vergütung. Dies sei aber notwendig, damit die Bank wieder rentabel werde und die negativen Auswirkungen der massiven staatlichen Unterstützung auf den Wettbewerb begrenzt würden.

"Die Gründung der Bad Bank zeigt, dass die Umstrukturierung der WestLB im Gange ist", sagte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Ich bin jedoch erstaunt darüber, wie viel zusätzliche Unterstützung erforderlich ist." Die Kommission ist die oberste Wettbewerbsaufsicht in Europa und entscheidet über die Rechtmäßigkeit staatlicher Beihilfen.

In die "Bad Bank" sollen strukturierte Wertpapiere, sonstige Risikopositionen sowie Geschäftsfelder kommen, die die nordrhein- westfälische Landesbank nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Bis Ende April soll das Geldhaus rückwirkend zum 1. Januar 2010 aufgespalten werden.

Anleihen von US-Studentenkrediten

Mit den Papieren lagert die Landesbank ungefähr ein Drittel ihres Geschäftsvolumens aus. Darunter sind auch Anleihen von EU-Ländern und US-Studentenkredite, für die der US-Steuerzahler weitgehend bürgt. Enthalten ist aber auch die Refinanzierung einer Zweckgesellschaft, in die die WestLB Anfang vergangenen Jahres risikoreiche Papiere zum Einkaufspreis von 23 Milliarden Euro ausgelagert hatte. Diese in Irland angesiedelte Zweckgesellschaft gilt als die eigentliche "Bad Bank" der WestLB.

Bereits im Mai hatte Kroes der WestLB Umbau und Schrumpfkur verschrieben. So muss die Bank um die Hälfte verkleinert und bis Ende 2011 mehrheitlich verkauft werden. Nur so hatte die Kommission staatliche Garantien in Höhe von 5 Milliarden Euro zur Absicherung eines Teils des Wertpapierportfolios gebilligt. Im Oktober hatte die Behörde für zwei Monate weitere Beihilfen genehmigt und so die Bank vor dem Kollaps bewahrt.

dpa

Link

EU-Kommission: Presse-Erklärung zur Prüfung der Rettungshilfen für die WestLB (22. Dezember 2009)