Europäische Schulen der Förderung ‚sozialer Trennung’ beschuldigt [DE]
Das Schulsystem, welches für den Nachwuchs von EU-Beamten etabliert wurde, schaffe ein sozial-homogenes „Apartheid Regime“, welches den Schülern ein Gefühl der Überlegenheit gibt, erklärte Philippe van Parijs, Professor an der Katholischen Universität Löwen (UCL) EURACTIV in einem Interview.
Das Schulsystem, welches für den Nachwuchs von EU-Beamten etabliert wurde, schaffe ein sozial-homogenes „Apartheid Regime“, welches den Schülern ein Gefühl der Überlegenheit gibt, erklärte Philippe van Parijs, Professor an der Katholischen Universität Löwen (UCL) EURACTIV in einem Interview.
Die Europäischen Schulen, an denen heute über 21.000 Schüler in 14 Schulen in Europa unterrichtet werden, wurden vom Staatsmann Jean Monnet im Jahr 1953 gegründet, um die Kinder der Angestellten der Institutionen der europäischen Union auszubilden.
Die Schulen wollten sicherstellen, dass die Schüler „Europäer [werden,] geschult und bereit, die Arbeit ihrer Väter vor ihnen zu vollenden und zu verfestigen, um ein vereintes und blühendes Europa entstehen zu lassen“, sagte Monnet zu der Zeit.
Professor van Parijs, der den Hoover Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialethik an der UCL leitet, stellte jedoch in Frage, ob dieses Modell noch zeitgemäß sei. Es sei nicht gut für die Kinder der EU-Bürokraten, in einer solchen sozial-homogenen Umwelt auszuwachsen, sagte er.
Es sei schlecht für eine Stadt wie Brüssel, einen Teil ihrer Schulpflichtigen abzusondern und so ein unfaires Apartheid-Regime zu erschaffen, so der Professor weiter. Wenn man aufgrund des Status der Eltern an einer Eliteschule zugelassen werde, sei es schwer, kein Gefühl von Überlegenheit den anderen gegenüber zu entwickeln, die öffentlich beschult werden.
Die Einstellung der Einwohner von Brüssel gegenüber Europäischen Schulen beschrieb van Parijs als zwiespältig und betonte, dass sie im Ruf stünden, qualitativ hochwertige Erziehung, insbesondere im Bezug auf Sprachen anzubieten und deshalb oft als Modell für andere Schulen dienten.
Europäische Schulen würden als ein weiteres Privileg angesehen, das einem kleinen Teil der Brüsseler Bevölkerung zusteht, die weitaus wohlhabender sind als der durchschnittliche Brüsseler. Dies führe zu Missgunst unter Ausländern, oder gar Brüsselern, denen der Zugang versagt bliebe.
Jedoch versäumen es die Schulen eine technische oder berufliche Erziehung anzubieten, woraus folge, dass Europäischen Schulen eher praktisch veranlagte Schüler regelmäßig an belgische Schulen verwiesen, oder sie zu Verwandten oder auf Internate in ihren Heimatländern geschickt würden, beklagt er.
Nichtsdestotrotz zögert Van Parijs nicht, die „fantastische Erfahrungen” zu beschreiben, die seine Kinder auf der Europäischen Schule machen. Sie sprächen drei oder vier Sprachen flüssig und hätten enge Freundschaften mit Kindern verschiedensterNationalitäten.
Der Professor schätzt, dass 80.000 Menschen in Brüssel im Umfeld der internationalen Institutionen angestellt sind, eine Zahl die den Schätzungen von EURACTIV, sehr nahe kommt, die von 100.000 EU-Akteuren in Vollzeit ausgeht. Nach Van Parijs, sind in den in Brüssel basierten EU-Institutionen um die 40.000 Angestellten beschäftigt, die von etwa 15.000 Angestellten anderer internationaler Organisationen und Diplomaten, sowie 15.000 Lobbyisten ergänzt werden (EURACTIV vom 10. Juni 2008).
Es gebe keine Daten, auf welche Schulen diese Personen ihre Kinder schickten, beklagt Van Parijs. Die Veröffentlichung verlässliche Zahlen durch die EU, könnte die öffentliche Debatte weiterbringen.
Zuletzt schlägt Van Parijs vor, die Lehrpläne der Europäischen Schulen für öffentliche oder private Schulen in Belgien, die an einer Teilnahme interessiert seien, zuzulassen, damit eine breitere Masse von Schülern von diesem Modell profitieren könne. Pilotprojekte dieser Art müssten endlich eingeleitet werden, sagt er und betont, dass die Versuche bei Kindergärten und Grundschulen beginnen müssten.
Die Lehrpläne Europäischer Schulen müssten mit der Zeit das Potential gewinnen auch auf die anderen Brüsseler Schüler übertragbar zu sein, folgerte er. Wo ein Wille sei, da sei auch ein Weg.
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