Europäischer Trend zu Fettleibigkeit stellt höhere Lebenserwartung in Frage [DE]
Der Generaldirektor der GD Gesundheit der EU-Kommission, Robert Madelin, vertritt in einem Interview mit EURACTIV die Auffassung, dass der derzeitige Trend zur Fettleibigkeit der allgemeinen Annahme, dass die Bürger in Zukunft länger und gesünder leben werden, entgegenwirkt.
Der Generaldirektor der GD Gesundheit der EU-Kommission, Robert Madelin, vertritt in einem Interview mit EURACTIV die Auffassung, dass der derzeitige Trend zur Fettleibigkeit der allgemeinen Annahme, dass die Bürger in Zukunft länger und gesünder leben werden, entgegenwirkt.
Auf die Frage hin, wie ernst man in Europa das Phänomen Fettleibigkeit nehmen müsse, antwortet der Generaldirektor der GD Gesundheit der EU-Kommission, Robert Madelin in einem EURACTIV-Interview: „Das Problem Fettleibigkeit könnte im Laufe der nächsten 10 bis 20 Jahre die zentrale demographische Annahme widerlegen, dass wir immer länger und gesünder leben werden“ Er weist auf die bereits sehr ernste Lage in den Mittelmeerstaaten hin – in Griechenland und Italien liegt der Anteil der dicken Jugendlichen bereits bei über 30%. Die am schlimmsten betroffenen Länder in der EU, Großbritannien und Polen, erreichen beinah das Niveau der USA.
„Fettleibigkeit ist eindeutig eine Verhaltensstörung. Letztendlich könnten alle Menschen ihr Idealgewicht halten – wieso tun sie es also nicht?“ fragt Madelin. Er sieht die Verantwortung teilweise in den Genen begründet sowie in unserem Verhaltensmuster und unserem modernen Lebensstil. Madelin unterstreicht, dass ein Großteil des Problems „durch das Umfeld“ bedingt ist. Er sieht eine dreidimensionale Rolle für die Europäische Union in der Bekämpfung der Fettleibigkeit vor. Die drei Pfeiler sollten bestehen aus: europäische Gesetzgebung in Bereichen wie Lebensmitteletikettierung, Impulse für stärkere politische Verpflichtungen sowie d Einrichtung eines „Testbereichs“ in dem Methoden und Praktiken getestet werden können.
Bezogen auf das derzeitige EU-Dossier über die Kennzeichnung von Lebensmittel sagt Madelin, dass Bildungs- und Informationskampagnen deutlich wichtiger seien als Rechtsvorschriften. „Wir vertreten die Einstellung, nicht übermäßig zu regulieren“ sagt Madelin, wobei er gleichzeitig unterstreicht, dass ein gewisses Maß an gesetzlichem Eingreifen unerlässlich ist. So wäre es für die Unternehmen beispielsweise sehr verwirrend, wenn es 25 unterschiedliche Verordnungen über Kennzeichnung gäbe statt nur einer.“
Über die EU-Plattform für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit versucht die Kommission derzeit, NGOs und Wirtschaftsakteure zu einem wirksamen Eingreifen gegen Fettleibigkeit zu bewegen. „Effektiveres Eingreifen bedeutet geringeres Marktversagen, was wiederum den Bedarf an öffentlicher Regulierung mindert.“
Für die Lebensmittelbranche liegt der wirtschaftliche Gewinn im Verkauf von gesunden Lebensmitteln. Dies werde auch zunehmend wahrgenommen. Madelin ist der Auffassung, dass öffentliches Eingreifen, die Bestrebungen der Wirtschaft in diesem Bereich noch beschleunigen könnte.
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