Figel: Sprachenlernen und –lehren müssen stärker gefördert werden [DE]

Die Kommission will den 'Europäischen Indikator für Sprachenkompetenz' und moderne Technologien dazu nutzen, die Fremdsprachenkenntnisse der EU-Bürger zu verbessern. Außerdem arbeitet sie daran, EU-Politik in einer verständlicheren Sprache zu vermitteln.

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Die Kommission will den ‚Europäischen Indikator für Sprachenkompetenz‘ und moderne Technologien dazu nutzen, die Fremdsprachenkenntnisse der EU-Bürger zu verbessern. Außerdem arbeitet sie daran, EU-Politik in einer verständlicheren Sprache zu vermitteln.

Anlässlich der vor kurzem veröffentlichten ersten Mitteilung der Kommission zu diesem Thema forderte EU-Kommissar Jan Figel die Mitgliedstaaten auf einer Pressekonferenz auf, „ihrer Verantwortung für Sprachenlernen und –lehren nachzukommen“. Im Kontext der Lissabon-Agenda für Wachstum und Beschäftigung betonte er ebenfalls, dass Sprachkenntnisse ein wichtiger Faktor für die „Beschäftigungseignung“ seien und die Gefahr verringerten, dass Bürger ihren Arbeitsplatz verlören. 

Figel verwies auf ein neues Instrument der Kommission, den ‚Europäischen Indikator für Sprachenkompetenz‘, der den Mitgliedstaaten die Beurteilung der Sprachkenntnisse ihrer Bürger erleichtern soll. Darüber hinaus verwies er auf die acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen  – einer Empfehlung der Kommission zur Förderung von lebenslangem Lernen in Europa, die das Ergebnis des Arbeitsprogramms 2010 für allgemeine und berufliche Bildung ist. Zu den Schlüsselkompetenzen gehören die Beherrschung der Muttersprache und Fremdsprachenkenntnisse. 

Die Kommission arbeitet darüber hinaus im Rahmen der Initiative ‚i2010’ an der Förderung der Mehrsprachigkeit. Ziel von ‚i2010’ ist Wachstum und Beschäftigung in der Informationsgesellschaft und den Medienindustrien zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Informationsraums.

Außerdem sollen Übersetzer der Kommission in den Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass die Informationen der Kommission auf allgemeinverständliche Weise an die Bürger vermittelt werden.  

Ziel: Muttersprache plus zwei Fremdsprachen

Figel hält die Tatsache, dass 50 % der EU-Bürger eine Unterhaltung in einer Fremdsprache führen können, für einen „guten Fortschritt“ in Richtung des Ziels, dass jeder EU-Bürger seine „Muttersprache plus zwei Fremdsprachen“ beherrscht. Er wies jedoch darauf hin, dass es „riesige Unterschiede“ zwischen den Mitgliedstaaten gebe. Während es in der EU ein Land gebe [Luxemburg], in dem 90 % der Bürger über Fremdsprachenkenntnisse verfügten, gebe es andere Länder, in denen lediglich 30% der Bürger eine Fremdsprache sprechen könnten [Großbritannien und Ungarn]. 

Eine hochrangige Gruppe für Mehrsprachigkeit, die sich aus unabhängigen Experten zusammensetzt, werde laut Figel „hoffentlich innerhalb des nächsten Jahres“ eingesetzt werden.  

Figel deutete an, dass die Kommission den Schwerpunkt ihrer Bemühungen verlagern wolle. Während er bislang auf Sprachenlernen und –lehren gelegen habe und 30 Millionen für das Programm LINGUA ausgegeben worden seien, wolle sie von 2006 bis 2013 einen „horizontalen“ Ansatz verfolgen. 

‚Europäischer Indikator für Sprachenkompetenz‘ – ein neues Instrument zum Vergleich von Sprachkenntnissen

Figel betonte die Bedeutung des ‚Europäischen Indikators für Sprachenkompetenz’, der vor einer Woche im Bildungsrat vorgestellt worden ist. Dieser müssen weiterentwickelt werden und er hoffe, dass die Mitgliedstaaten und das Europäischen Parlament annehmen würden. Er erläuterte, dass der Indikator ein Instrument sei, welches die Bewertung und den Vergleich von Sprachkenntnissen in der EU erleichtern würde. Derzeit ließen sich Statistiken aufgrund unterschiedlicher Methodologien oftmals nicht vergleichen. 

Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien zur Überwindung sprachlicher Barrieren

Die Kommission will verstärkt in die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien investieren, die zur Überwindung sprachlicher Barrieren beitragen können. Auch für den Bereich Sozial- und Geisteswissenschaften sollen mehr Mittel bereitgestellt werden. 

Übersetzungsdienste sollen sicherstellen, dass Informationen auf verständliche Weise vermittelt werden

„Derzeit gibt es Übersetzer der Kommission (etwa 70), die in den Kommissionsvertretungen in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten arbeiten. Im Aktionsplan von Kommissarin Wallström, der die EU-Institutionen den Bürgern näher bringen sollen, ist die „Lokalisierung der Botschaft“ oder ihre Anpassung vorgesehen, damit sie von sämtlichen Bürgern eines Mitgliedstaates auch verstanden waren. Die Kommission beabsichtigt, Übersetzer auch nach London, Paris, Den Haag, Dublin und Nicosia zu entsenden, damit sie mit der Entwicklung einer Sprache auf dem Laufenden bleiben und sprachliche Darstellung der Informationen der Kommission verbessern, so dass sie für die Öffentlichkeit zugänglicher sind“, so Juhani Lonnroth, Direktor von GD Übersetzung in der Kommission. 

Am gleichen Tag waren Beamte von GD Übersetzung im Berlaymont-Gebäude der Kommission, um gegen eine Verlagerung ihrer Büros zu protestieren. 

Eröffnung eines neuen Sprachenportals

Die Kommission hat ein neues Webportal eröffnet, welches der Öffentlichkeit, Medien und Studenten EU-Informationen zum Thema Sprachen bieten soll. Das Informationsangebot soll von der EU-Politik zur Förderung des Sprachenlernens und der Sprachvielfalt über die Vorschriften zur Verwendung der Amtssprachen bis zu einem Überblick über die Beschäftigungsmöglichkeiten für ausgebildete Sprachfachleute bei den EU-Institutionen reichen. 
Der Inhalt des Portals wird in allen 20 Amtssprachen vorliegen, womit das Signal an die EU-Bürger gesendet werden soll, dass die Union ihre Sprache spricht.