Finnischer Bericht sorgt für Unmut in Äthiopien

EURACTIV.com
EU foreign ministers meet in Luxembourg
Der finnische Außenminister Pekka Haavisto. [EPA-EFE/JOHANNA GERON ]

Ein jüngster Bericht des finnischen Außenministers Pekka Haavisto an das Europäische Parlament, in dem die humanitäre Situation in der äthiopischen Region Tigray als „außer Kontrolle“ bezeichnet wird, hat in Äthiopien scharfe Kritik ausgelöst.

In einem Interview mit dem finnischen Fernsehsender MTV3 am gestrigen 22. Juni versicherte Haavisto umgehend, dass seine Kritik die Arbeit als Gesandter des Hohen Vertreters der EU, Josep Borrell, nicht beeinträchtigen werde.

Haavisto hatte bereits am 23. Februar gewarnt, dass die Krise, in der Tausende getötet und mehr als zwei Millionen Menschen zur Flucht gezwungen wurden, „außer Kontrolle“ zu geraten scheine und daher auch die Sorge innerhalb der EU wachse.

Nach seinen Reisen in die Region warnte der finnische Außenminister am 19. Juni vor dem Europäischen Parlament, Äthiopiens Führung habe bei Gesprächen hinter verschlossenen Türen damit gedroht, „die Tigrayaner für 100 Jahre auszulöschen“, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Haavistos Äußerungen lösten in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba heftige Reaktionen aus. Derartige „lächerliche Aussagen zeigen eindeutig einen Mangel an Kontext und Verständnis für Äthiopien […] und riechen verdächtig nach einer kolonialen Denkweise, die immer noch in den Köpfen solcher selbstgerechter Individuen wie ihm lauert,“ twitterte das Außenministerium wenig diplomatisch am 19. Juni.

Im Gespräch mit MTV3 nahm Haavisto nun eine versöhnliche Haltung ein. Er betonte dennoch: „Offensichtlich verteidigen [die Äthiopier:innen] ihre Ansichten. Derzeit wird ein UN-Bericht über die Menschenrechte vorbereitet, und vermutlich werden wir im Laufe des Sommers mehr über das Ausmaß der Verstöße erfahren.“

Am Montag sind derweil die Wahlen in Äthiopien angelaufen. Diese werden bereits jetzt von Gewalt und Vorwürfen der Schikanierung und Diskriminierung überschattet.