Frankreich stellt "ehrgeizigen" Energieeffizienzplan vor

Frankreich hat am Donnerstag (6. Oktober) seinen Energiesparplan vorgestellt, mit dem der Energieverbrauch bis 2024 um zehn Prozent gesenkt werden soll.

EURACTIV.fr
Press conference after meeting with energy providers in Paris
Um den Energieverbrauch innerhalb von zwei Jahren um zehn Prozent zu senken, hat die Regierung 15 Schlüsselmaßnahmen vorgesehen, von der Senkung der Heiztemperatur auf maximal 19 Grad in Büros bis zur Förderung von Fahrgemeinschaften. [TERESA SUAREZ / EPA - EFE]

Frankreich hat am Donnerstag (6. Oktober) seinen Energiesparplan vorgestellt, mit dem der Energieverbrauch bis 2024 um zehn Prozent gesenkt werden soll.

Der Plan enthält jedoch keine verbindlichen Maßnahmen, was im Widerspruch zu einer neuen Verordnung steht, die die EU-Staaten vor einer Woche verabschiedet haben.

„Die Devise ist klar: allgemeine Mobilisierung“, sagte die französische Ministerin für die Energiewende, Agnès Pannier-Runacher, auf einer Pressekonferenz, auf der der Plan vorgestellt wurde.

Die Maßnahmen sind das Ergebnis einer viermonatigen Diskussion, nachdem Premierministerin Élisabeth Borne im Juni als Reaktion auf die Energiekrise und die Schwachstellen im nationalen Stromnetz ein Programm zur Energieeinsparung für jeden Sektor der französischen Wirtschaft angekündigt hatte.

Um den Energieverbrauch innerhalb von zwei Jahren um zehn Prozent zu senken, hat die Regierung 15 Schlüsselmaßnahmen vorgesehen, von der Senkung der Heiztemperatur auf maximal 19 Grad in Büros bis zur Förderung von Fahrgemeinschaften.

Der Plan umfasst auch spezifische Maßnahmen für jeden der neun Wirtschafts- und Sozialsektoren, die betroffen sind: Staat, Unternehmen und Arbeitsorganisationen, öffentliche Einrichtungen und Supermärkte, Industrie, Wohnungswesen, Verkehr, Digitaltechnik und Telekommunikation, Sport und lokale Behörden.

Darüber hinaus wird Privatpersonen geraten, „ökologische Gesten“ zu praktizieren, von der Reduzierung der Duschzeit bis zum Ausschalten von Haushaltsgeräten, wenn diese zu lange im Standby-Modus sind.

Für die Premierministerin geht es darum, „das gesamte Spektrum der Energieeinsparungen zu berücksichtigen“.

Keine verbindlichen Maßnahmen

Die Regierung betont zwar die besondere Notwendigkeit, den Energieverbrauch in den Spitzenzeiten – zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr – zu senken, legt aber keine verbindlichen Ziele fest.

„Eine Temperaturpolizei wird es nicht geben“, sagte Pannier-Runacher am Donnerstag gegenüber RTL.

Allerdings hat die Kommission in ihrem am 14. September vorgestellten Fahrplan als verbindliches Ziel eine Senkung des Stromverbrauchs in den Spitzenzeiten um fünf Prozent festgelegt.

Im Juli einigten sich die EU-Mitgliedsstaaten außerdem auf eine 15-prozentige Reduzierung des Gasverbrauchs nach Russlands militärischer Aggression in der Ukraine.

Das Ziel zur Senkung der Stromnachfrage wurde am Donnerstagabend formell angenommen, nachdem am letzten Freitag eine politische Einigung zwischen den 27 Energieministern der EU erzielt worden war.

Und obwohl es den Mitgliedstaaten freisteht, die geeigneten Mittel zur Durchsetzung zu wählen, ist das Fünfprozent-Ziel rechtsverbindlich.

Nur Malta und Zypern sind von dieser Verpflichtung ausgenommen.

Nicht auf dem richtigen Weg

Während Pannier-Runacher auf RTL argumentierte, dass die hohen Energiepreise Unternehmen und Haushalte zum Handeln veranlassen würden, war Thierry Bros, Professor für Energie an der Science-Po Paris, weniger optimistisch.

Bros betonte gegenüber EURACTIV, dass die Tankstellen von TotalEnergies trotz der hohen Preise immer noch einen Ansturm von Kunden verzeichneten, was sowohl die Spannungen in der Versorgung beschleunigte als auch das Verbrauchsniveau aufrechterhielt.

Sparmaßnahmen seien in der Regel unbeliebt, erklärte er, vor allem, wenn die Senkung über zwei Jahre hinweg beibehalten werden solle.

Eine Senkung des Primärenergieverbrauchs um zehn Prozent entspräche dem Verbrauchsrückgang, der während der durch die coronabedingten Lockdowns verursachten Konjunkturabschwächung zu verzeichnen war.

Bros wies auch darauf hin, dass Frankreich seinen Verbrauch in den letzten zehn Jahren um jährlich ein Prozent gesenkt hat.

Wenn Frankreich die selbst gesteckten Ziele erreichen will, „müssen wir in den nächsten zwei Jahren fünfmal so schnell vorankommen“, sagte er.

„Wir sind nicht auf dem richtigen Weg“, sagte der Experte und schlussfolgerte, dass es ohne verbindliche Maßnahmen „nicht möglich ist, das Zehnprozent-Ziel zu erreichen“.

Nach Angaben der Regierung soll das Maßnahmenpaket den Verbrauch dennoch um rund 50 Terawattstunden (TWh) pro Jahr senken.

Dies sei auch ein erster Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität, die eine Reduzierung des Energieverbrauchs um 40 Prozent bis 2050 erfordere, sagte Pannier-Runacher auf RTL.

Die Regierung betont außerdem, dass die Maßnahmen keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden.

„Energiesparsamkeit bedeutet nicht, […] die Produktion zu reduzieren“, sagte Borne auf der Pressekonferenz.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald und Frédéric Simon]