Französischer Premierminister tritt nur Stunden nach Vorstellung seines Kabinetts zurück

Mit dem plötzlichen Rücktritt des Premierministers steht Frankreich nun vor einem erneuten Machtvakuum.

EURACTIV.com
Sébastien Lecornu
Sébastien Lecornu [Photo by Eric BERACASSAT/Gamma-Rapho via Getty Images]

PARIS — Premierminister Sébastien Lecornu ist am Montagmorgen zurückgetreten – nur wenige Stunden, nachdem er die ersten Mitglieder seines neuen Kabinetts vorgestellt hatte. Damit löste er eine neue politische Krise aus und hinterließ Frankreich ohne handlungsfähige Regierung und ohne verabschiedeten Haushalt für 2026.

Lecornus Schritt folgte auf einen öffentlichen Angriff des Vorsitzenden der Partei Les Républicains (LR), Bruno Retailleau, am späten Sonntagabend. Retailleau, der erst kurz zuvor als Innenminister bestätigt worden war, warf dem neuen Kabinett vor, den versprochenen „politischen Neuanfang“ zu verraten. Er kündigte an, am Montagmorgen den strategischen Ausschuss der LR einzuberufen – ein deutliches Signal für den Bruch mit dem Premierminister.

„Die Zusammensetzung der Regierung spiegelt den versprochenen Bruch nicht wider“, erklärte Retailleau.

Nach Angaben aus Parteikreisen von Les Républicains ging der Konflikt auf Lecornus Entscheidung zurück, das neue Kabinett stark an Präsident Emmanuel Macrons Partei Renaissance auszurichten.

Mit dem plötzlichen Rücktritt des Premierministers steht Frankreich nun vor einem erneuten Machtvakuum. Ohne Regierungschef, ohne Kabinett und ohne verabschiedeten Haushalt für 2026 sieht sich Präsident Macron erneut im Zentrum einer sich zuspitzenden institutionellen Krise.

Der Vorsitzende des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, reagierte umgehend: „Eine Rückkehr zur Stabilität kann es nur durch Neuwahlen und die Auflösung der Nationalversammlung geben.“

Auch der Chef der linkspopulistischen Partei La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon, forderte die „Amtsenthebung von Emmanuel Macron“.

Die überraschende Ankündigung sorgte am Montagmorgen zudem für Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der Leitindex CAC 40 fiel bis 10 Uhr MESZ um 1,24 Prozent, der STOXX Europe 600 gab um 0,28 Prozent nach, und der Euro verlor 0,3 Prozent gegenüber dem US-Dollar auf 1,1675 Dollar.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

(jl)